French Open

Zverev und Koepfer trotzen der Kälte von Paris

Von Doris Henkel
Aktualisiert am 27.09.2020
 - 21:56
Spielen bei acht Grad Celsius: Zverev gewinnt dennoch souverän in Paris.
Alexander Zverev und Dominik Koepfer haben am Eröffnungstag der French Open den schwierigen Bedingungen getrotzt, Anna-Lena Friedsam schied aus. Angelique Kerber schlägt am Montag auf.

Noch bevor der erste Ball bei den 119. Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich, den 53. French Open der Profi-Zeit, durch die kalte Herbstluft flog, war klar, dass das Dach über dem Court Central keine Minute zu früh fertig geworden war. Bei zwölf Grad und Nieselregen begann am Sonntag in Paris das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres, und es war vielleicht kein schöner Auftakt unterm Dach in der so fremd aussehenden Arena, aber ein passender.

Denn der erste Sieger, Jannik Sinner aus Südtirol, 19 Jahre alt, wird in diesem Stadion in den kommenden Jahren so sicher eine Rolle spielen wie kleine, runde Tische zu Pariser Cafés gehören. In zwei Stunden besiegte Sinner den an Nummer zwölf gesetzten Belgier David Goffin (7:5, 6:0, 6:3) und spielte dabei phasenweise so überlegen, dass der Belgier den Tag als noch kälter empfand, als der es ohnehin schon war.

Die unaufgeregte Selbstverständlichkeit, mit der er am Sonntag in die ersten French Open seiner Karriere startete, war beeindruckend. Aber bei einer Sache konnte er nicht behilflich sein. Als er gefragt wurde, wie er die Bedingungen unter dem Dach generell einschätze und die vieldiskutierten Bälle – das Turnier hatte sich für eine andere Marke entschieden –, meinte er, die Bedingungen seien nicht leicht. Zum Unterschied bei den Bällen könne er nichts sagen, er habe ja im vergangenen Jahr nicht mitgespielt.

Der große Meister sah das anders. Zwei Tage vor seinem ersten Auftritt machte Rafael Nadal keinen Hehl aus den Sorgen, die ihn beschäftigen. „Die Bälle sind super langsam und schwer, und es ist sehr kalt, außerdem hatte ich weniger Vorbereitung als sonst. Aber ich bin hier, um zu kämpfen und alles zu versuchen, und genau das ist mein Ziel.“

Fest steht, dass es mit diesen anderen Bällen schwerer und deutlich anstrengender ist, mit mächtigem Drall zu spielen, wie es Nadal gewöhnlich tut, und in Kombination mit dem eher feuchten und tieferen Boden wird es ein anstrengenderer Job als jemals zuvor sein, in Paris den Titel zu gewinnen. Auf dem Wetterbericht für die erste Woche des Turniers tummeln sich Regenwolken zuhauf. Wiktoria Asarenka, die zu den Siegerinnen des ersten Tages im Stade Roland Garros gehörte, trat in Leggings unter der Hose und mit Trainingsjacke zum Herbsttennis an.

Als erste deutscher Spielerin schied am Sonntag Anna-Lena Friedsam aus. Die 26-Jährige unterlag Alexandra Sasnowitsch aus Belarus 2:6, 6:2, 3:6. Dominik Koepfer erreichte als erster deutscher Tennisspieler die zweite Runde. Er schlug den Franzosen Antoine Hoang 6:2, 3:6, 6:1, 6:1 und knüpfte an seine zuletzt starken Leistungen auf Sand an. In der zweiten Runde trifft der 26-Jährige auf Stan Wawrinka, Sieger in Paris vor fünf Jahren, der Andy Murray 6:1, 6:3, 6:2 schlug. Alexander Zverev schlug anschließend den Österreicher Dennis Novak nach leicht rumpeligem Start ins erste Sandplatzmatch überhaupt nach seinem Hartplatzsiegeszug ins Finale der US Open sicher und zunehmend überzeugend 7:5, 6:2, 6:4.

Rubljew siegt in Hamburg

Der russische Tennisprofi Andrej Rubljew hat den Sieg von Publikumsliebling Stefanos Tsistipas bei den Hamburg European Open verhindert. Der 22-Jährige bezwang am Sonntag im Endspiel den an Nummer zwei gesetzten Griechen mit 6:4, 3:6, 7:5 und bejubelte eine gelungene Generalprobe für die French Open in Paris. Mit drei Spielen nacheinander im letzten Satz sicherte er sich seinen dritten ATP-Titel in diesem Jahr. „Ich hatte nichts mehr zu verlieren“, sagte der 14. der Weltrangliste. Im Vorjahr hatte Rubljow das Finale am Hamburger Rothenbaum gegen den Georgier Nikolos Bassilaschwili noch verloren.

ATP-Weltmeister Tsitsipas hatte bei seiner Hamburg-Premiere die Zuschauer bei dem mit 1,2 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Event begeistert. Im Finale machte der 22 Jahre alte Weltranglisten-Sechste aber zu viele Fehler. Nur im zweiten und phasenweise im dritten Durchgang fand er seine Linie. Rubljow spielte auf konstant hohem Niveau. Ein Doppelfehler von Tsitsipas beendete das Match nach 2:19 Stunden. (dpa)

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot