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Fußball-Bundesliga

Münchner Derby ohne Münchner

 - 15:22

Was gibt es nicht für Geschichten und Legenden rund um das Münchner Fußball-Derby? Doch wenn am Dienstag um 20.00 Uhr im Olympiastadion der FC Bayern und der TSV 1860 zum 196. Mal seit knapp 100 Jahren aufeinandertreffen, fehlen erstmals in der Geschichte waschechte Münchner und die großen Emotionen.

„Das ist anders als noch vor Jahren, als es vor den Derbys hitziger zuging. Inzwischen ist vieles Gewohnheit. Es gibt auch nur drei Punkte“, sagt Bayern-Profi Jens Jeremies, ein ehemaliger „Löwe“, gelassen. Und selbst für seinen Präsidenten Franz Beckenbauer, oft genug selbst Hauptdarsteller im Stadtduell rot gegen blau, ist die Partie gegen die Sechziger inzwischen fast schon zur Routine verkommen.

„Am Freitag fällt dir ein, Samstag ist Derby“

„Freilich hat das den Leuten gefallen, wenn sich der Tschik Cajkowski und der Max Merkel wochenlang vor einem Derby provoziert haben. Aber heute? Heute spielst du Mittwoch in Barcelona, kommst am Donnerstag heim, bist todmüde und am Freitag fällt dir ein, dass am Samstag Derby ist“, verdeutlicht der „Kaiser“ die Lage.

Er freue sich schon noch, „auch wenn die Spannung nicht mehr so da ist wie früher“. Das Qualifikationsspiel zur Champions League gegen Belgrad sei auf jeden Fall wichtiger gewesen, so Beckenbauer.

Reich gegen Arm

Früher hätte so eine Aussage zu einem Aufschrei in München geführt. Da war das Derby das wichtigste Spiel des Jahres: Klassenkampf pur, reich gegen arm, die „Großkopfert'n“ von der Säbener Straße gegen den Arbeiterverein aus Giesing. Doch in der heutigen Zeit mit einem kaum mehr überschaubaren Terminkalender fällt es den Verantwortlichen zunehmend schwerer, die besondere Bedeutung der Partie herauszustellen.

„Das ist wichtiger als ein normales Bundesligaspiel“, schreibt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der seit 1977 und seiner Watsch'n gegen Erhard „Beppo“ Hofeditz einen festen Platz in der Derby-Historie hat, seinen Stars aus Brasilien, Frankreich, Ghana, Kroatien oder Peru deshalb vorsorglich ins Stammbuch: „Ich möchte nicht den Hohn und Spott ertragen und hinter 1860 in der Tabelle stehen.“

Imagepolitur für 1860

Auch Peter Pacult, Österreicher und Trainer des TSV 1860, versucht, seine „Löwen“, bei denen ebenso wie beim FC Bayern seit dem Weggang von Daniel Bierofka (jetzt Leverkusen) kein einziger echter Münchner mehr im Kader steht, unter Druck zu setzen: „Nur ein Sieg zählt. Wir können unser Image nur im Derby aufpolieren.“

Zumal der TSV 1860 als Tabellenfünfter mit 6 Punkten die historische Chance hat, mit einem Sieg am großen FC Bayern, derzeit mit 7 Zählern Dritter, vorbeizuziehen. „Die Bayern haben Panik davor, dass sie nach dem Derby in der Tabelle hinter uns stehen“, stichelt entsprechend 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser. „Die Bayern müssen gewinnen, sonst sind sie die Deppen in der Stadt.“

Blamage für die Bayern

Am 15. April 2000 beim 1:2 waren die Bayern zum letzten Mal die Deppen in München. Ansonsten steht der deutsche Rekordmeister, der mit einem Jahrestat von 60 Millionen Euro plant, 24,7 Millionen für neue Spieler ausgegeben hat und pro Saison 20 Millionen vom Trikotsponsor bekommt, nicht nur finanziell klar vor dem TSV 1860 (29/0,925/3).

In den bisher 195 Derbys seit dem 21. September 1902 (3:0) gab es 100 Siege bei 49 Unentschieden und 46 Niederlagen für den FC Bayern, dabei zuletzt vier Bayern-Siege in Folge. Auf die Fortsetzung dieser Serie baut Hitzfeld, der wieder auf Giovane Elber und Ze Roberto zurückgreifen kann, weiterhin aber ohne Mehmet Scholl (Muskelprobleme) auskommen muss.

Hellwache Hitzfeld-Elf

„Es geht für uns darum, in der Tabelle weiter nach oben zu kommen. Deshalb müssen wir gewinnen.“ Dass die „Löwen“ immer gefährlich seien und man beim Derby immer hellwach sein müsse, fügte Hitzfeld noch an.

Da wollte Pacult, der voraussichtlich auf Markus Weissenberger (Adduktorenverletzung) verzichten muss, nicht nachstehen und gab auch noch einige Derby-Weisheiten zum Besten: Man habe vor einem der „bestgeführtesten Klubs, die ich kenne“ Respekt, aber keine Angst.

„Weißes Ballett ist nur Real“

Pacult neigt plötzlich zu verbalen Frotzeleien. Seinen Spielmacher Thomas Häßler findet der Österreicher „wertvoller“ als FCB-Antreiber Michael Ballack, er will den Fußballer des Jahres 2002 deshalb auch nicht in Sonderbewachung nehmen lassen. Im zur Zeit gerne angestellten Vergleich mit Real Madrid sieht Pacult die Spanier klar vor den Bayern.

„Weißes Ballett ist für mich nur Real“, sagte der frühere Stürmer in Anspielung auf das neuerdings identische Outfit der Weltpokal- und Champions-League-Sieger. „Auch die Bayern sind nicht unschlagbar und Derbys haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze.“ Aber in München längst nicht mehr die Gesetze aus früheren Zeiten.

Quelle: sid, dpa
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