2:1 gegen Belgien

Italien kommt dem Titel näher

Von Roland Zorn
02.07.2021
, 22:57
Kollektiver Jubel: Italiens Spieler bejubeln einen Treffer gegen Belgien im EM-Viertelfinale.
Atemloser Fußball, intensive Duelle, offenes Visier – und am Ende gewinnt Italien: Die Squadra Azzurra gibt gegen Belgien eine Kostprobe ihres Könnens und zieht ins Halbfinale ein.
ANZEIGE

Einen Leckerbissen für die deutschen Fußballfans, die von ihrer Nationalelf bei der Europameisterschaft nicht verwöhnt worden sind, gab es dann doch noch. Zwei der derzeit weltbesten Teams gaben sich am Freitagabend in der Münchner Arena vor 13.000 Zuschauern die Ehre: der Weltranglistenerste Belgien und der Siebte Italien kämpften um die Qualifikation für das Halbfinale, nachdem Deutschland, der Weltmeister von 2014, bei einem mausgrauen Auftritt gegen England drei Tage zuvor nach einer 0:2-Niederlage schon im Achtelfinale ausgeschieden ist, und Trainer Joachim Löw den längst angekündigten Abschied von seiner Mannschaft genommen hat.

Die Bühne im Stadion des FC Bayern München gehörte nun der zuvor in 31 Spielen unbesiegten Squadra Azzurra und den in den vergangenen 27 Begegnungen nur einmal besiegten Roten Teufeln, die bei diesem Turnier ihren über Jahre gereiften Traum vom ersten großen Titel verwirklichen wollen.

Fußball-EM

Roberto Martinez, der spanische Coach der Wallonen und Flamen aus der Goldenen Generation, erwartete beim Showdown zweier Topteams „ein phantastisches 50:50-Spiel“. Und er behielt recht. Beide Teams bestätigten ihre Klasse und boten ein atemraubendes Duell, an dessen Ende die etwas bessere Mannschaft 2:1 gewann: Italien. Barella (34. Minute) und Insigne (44.) schossen die Tore für die mit elf Treffern offensivstärkste Mannschaft des Turniers. Lukaku verkürzte auf 1:2 per Foulelfmeter (45.+2).

ANZEIGE

Während die Reise für den neuen Titelfavoriten Italien an diesem Dienstag im Halbfinale von London gegen die Fußballgroßmacht Spanien weitergeht, scheiterte Belgiens Team wieder einmal kurz vor dem Ziel. Mehr als Platz vier bei der Weltmeisterschaft 2018 konnten die Belgier mit ihren großartigen Spielern noch nicht feiern.

Die Belgier waren zunächst einmal heilfroh, dass ihr Stardirigent Kevin De Bruyne von seiner Sprunggelenkverletzung, erlitten beim schwer erkämpften 1:0-Sieg über Titelverteidiger Portugal, wieder leidlich genesen war. Für die mit einer muskulären Blessur ebenfalls frühzeitig vom Platz gegangene Stürmer-Ikone Eden Hazard reichte die Zeit nicht für eine Blitzheilung. Auf der anderen Seite kehrte der beim 3:0-Erfolg über die Türkei zum Auftakt verletzte 36 Jahre alte Kapitän Chiellini zurück und bildete mit dem zwei Jahre jüngeren Kollegen Bonucci die Innenverteidigung in der auf Attacke getrimmten italienischen Mannschaft.

ANZEIGE

Neun Tore hatte die Auswahl von Trainer Roberto Mancini bei den ersten vier Auftritten in dieser EM erzielt, eins weniger die Belgier, die den Erfolg gegen Portugal vor allem durch ihre geballte Abwehrkraft abgesichert hatten. Auch die zuvor zwölfmal nacheinander siegreichen Italiener hatten sich nach begeisternden Auftritten in den Gruppenspielen durch die Runde der letzten Sechzehn gequält und den Außenseiter Österreich erst in der Verlängerung 2:1 besiegt. „Wir mussten leiden“, gab Mancini zu.

Es sollte nicht sein: Lukaku am Boden, Ball nicht im Tor
Es sollte nicht sein: Lukaku am Boden, Ball nicht im Tor Bild: AP

Und diesmal? Spielten beide Mannschaften Fußball nach Lust und Laune auf spektakulärem Niveau. Während indes die Belgier vor allem von De Bruynes Geistesblitzen lebten, der nach einem Solo Donnarumma auf die Probe stellte (22.) und Lukaku in Schussposition brachte, als der italienische Torhüter aufs Neue eingreifen musste (26.), glänzte Italien kollektiv durch sein stürmisches Positionsspiel mit meist fünf Spielern, die sich der Abteilung Attacke zugehörig fühlten. Bonuccis Treffer aus einer Abseitsposition nach Insignes Freistoß (13.) war das Fanal für mehr. Anschließend schlugen die Spieler aus dem einstigen Catenaccio-Land aus ihrer spielerischen Dominanz auf sehenswerte Weise Kapital. Barella versetzte nach Vertonghens missglücktem Abwehrversuch gleich drei Belgier und schlenzte den Ball zum 1:0 ins Netz. Der zauberhafte Linksaußen Insigne, den Tielemans wiederholt nicht aufhalten konnte, traf mit einem Kunstschuss zum 2:0. Zum Glück für Belgien entschied der oft unsicher agierende slowenische Schiedsrichter Vincic nach einem körperbetonten Zweikampf plus Minischubser zwischen Rechtsverteidiger Di Lorenzo und Stürmer Doku auf Strafstoß. Eine Gelegenheit, die sich Lukaku bei seinem vierten Turniertor nicht entgehen ließ. Die Zuschauer in München und viele Millionen an den Bildschirmen waren bis zur Pause von zwei herausragenden Mannschaften verwöhnt worden.

ANZEIGE

Belgien war danach wieder im Spiel und gefordert, seine Angriffszüge nicht allein kraft De Bruynes Genie leuchten zu lassen, zumal die Kreise des Spiellenkers von Manchester City von seinem vertrauten Gegenspieler Jorginho, einer der stillen Helden des Champions-League-Gewinners FC Chelsea, zusehends eingeengt wurden. Ein Durchkommen der Belgier, dazu noch gegen Chiellini und Bonucci, die defensiven Cheforganisatoren und Stabilitätsanker bei Juventus Turin und in der Nationalmannschaft, fiel weiter sehr schwer. Einmal schien sich das Tor zum Ausgleich zu öffnen, als De Bruyne wieder einmal die Bahn frei geräumt und Lukaku in Schussposition gebracht hatte. Der exzellente römische Linksverteidiger Spinazzola aber bewahrte die Italiener in einem verzweifelten Rettungsversuch mit Glück und Chuzpe vor dem 2:2 (61.). Wenig später schied er mit Verdacht auf einen Achillessehnenriss aus und musste unter Tränen und Schmerzen von Sanitätern auf einer Trage vom Platz getragen werden (79.). Ein trauriger Moment in einem Duell, in dem zuvor die reinste Spielfreude hüben wie drüben Funken geschlagen hatte.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
Sportwagen
Finden Sie Ihren Sportwagen
Ergometer
Ergometer im Test
ANZEIGE