Elfmeterschießen gegen Spanien

Italien nach Drama im EM-Finale

Von Roland Zorn
06.07.2021
, 23:41
Torwart Gianluigi Donnarumma hält, Italien zieht ins EM-Finale ein.
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Italien geht erst in Führung, Spanien gleicht durch einen Joker aus im EM-Halbfinale. In der Verlängerung gibt es im Wembley-Stadion keine Tore. Die Entscheidung fällt schließlich im Elfmeterschießen.
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Vor dem Turnier-Höhepunkt der Gipfel: der Südeuropa-Klassiker Italien gegen Spanien im Halbfinale dieser ereignisreichen Fußball-Europameisterschaft in elf Ländern. Der viermalige Weltmeister und Einmal-Europameister gegen den dreimaligen Europameister und Einmal-Weltmeister.

Fußball-EM

Bella Italia, der 2018 nicht mal für die WM-Endrunde qualifizierte Herzensbrecher dieses Turniers, gegen die vor rund zehn Jahren stilbildenden Spanier, die nach Jahren im Mittelmaß bei dieser EM immer besser Tritt fassten. Das legendäre Londoner Wembley-Stadion, wo an diesem Mittwochabend (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, im ZDF und bei MagentaTV) England und Dänemark den zweiten Finalteilnehmer ausspielen, bot den klassischen Resonanzraum für diesen Fußballklassiker vor knapp 60.000 Zuschauern – eine Bühne der Massen, als gäbe es keine Pandemie mehr.

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Auf dem Platz, wo die Entscheidung reifen musste, war im Spiel Elf gegen Elf genug Platz für zwei frisch aufgebaute Teams ohne Superstar, die kollektive Stärke hüben wie drüben zu demonstrieren. Die der Spanier war größer, was sich nach neunzig wie 120 Minuten im Spielstand von 1:1 nach Toren von Chiesa (60. Minute) und Morata (80.) nicht angemessen spiegelte.

Italien vermisst Spinazzola

Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Nervensache. Und die besseren Nerven hatte Italien, das diesen Shootout 4: 2 gewann. Einem Fehlschuss durch Locatelli folgten vier Treffer, der entscheidende durch Jorginho. Spanien dagegen leistete sich durch Olmo und Morata einen Fehlschuss zu viel. Die Reise der Italiener geht weiter. Am Sonntag steigt am gleichen Ort das große Finale. „Wir haben gegen einen mächtigen Gegner gespielt. Wir haben gelitten aber wir haben es nach Hause gebracht. Wir haben immer an uns geglaubt und lassen uns nicht in die Enge treiben“, sagte Siegtorschütze Jorginho.

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Italien vermisste den nach mit einem Achillessehnenriss beim 2:1-Viertelfinalsieg über Belgien für sechs Monate in den Krankenstand zurückgeworfenen offensiven Linksverteidiger Spinazzola, den der gebürtige Brasilianer Emerson gut ersetzte. Enrique tauschte Innenverteidiger Pau gegen Garcia, den angeschlagenen Linksaußen Sarabia gegen den in der Bundesliga für RB Leipzig angreifenden Olmo und Mittelstürmer Morata gegen Oyarzabal aus.

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Italien gegen Spanien
Alle Höhepunkte vom EM-Halbfinale im Video
Video: Youtube, Bild: Reuters

Die von Mancini nach Jahrzehnten der alerten Verteidigungsbereitschaft auf das Leitmotiv Attacke umgeschulte Squadra Azzurra setzte, diesmal eher vorsichtig, in einer 4-3-3-Formation auf Konter, die Furia Roja blieb beim vertrauten 4-3-3 mit vielen Elementen, die über Jahre den selbstbewussten, zielstrebigen Kombinationsfluss des FC Barcelona prägten.

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Kein Wunder, wuchs Enrique doch als wagemutiger (National-)Spieler und Kontroversen nicht scheuender Trainer in diesem Verein auf. Nach dem ersten italienischen Schreckschuss, den Barellà aus Abseitsposition gegen den Pfosten setzte, übernahm Spanien mit langen Ballstafetten die Spielkontrolle und überraschte die Italiener mit einer Angriffsformation, in der Olmo als hängende Spitze viele Akzente setzte und Oyarzabal wie Ferran Torres von außen attackierten.

Das Ganze sah stimmiger als bei den mit einem derart starken Gegner noch nicht konfrontierten Italienern aus. Oyarzabal machte jedoch mit einer Schlampigkeit bei der Ballannahme nach einem Zuckerpass des 18 Jahre alten Spielgestalters Pedri nichts aus seiner Chance (13.) wie auch kurz vor der Pause bei einer weiteren Schussgelegenheit (39.).

Auf der anderen Seite verhedderten sich die Italiener nach Insignes Vorlage, als zuerst Emerson und dann Barellà beim Abschluss zu lange zögerten (21.). Italiens Offensivspiel kam nicht wie gewohnt in Schwung, die Spanier ließen es noch an der letzten Konsequenz fehlen. Das hätte sich in der 45. Minute rächen können, als Emersons Schuss gegen das Lattenkreuz prallte. Ein Weckruf für das Team, das die Fans bei dieser EM mehr als jedes andere begeistert hat?

Zumindest waren die Italiener zu Beginn der zweiten Hälfte häufiger im Vorwärtsgang unterwegs, so dass nach einem Foul von Busquets an Immobile auch der souveräne deutsche Schiedsrichter Brych aus München erstmals energisch werden musste: mittels einer Verwarnung an den Spanier (51.). Und dann kam er doch, der große Moment der Italiener. Nach einem Konter, eingeleitet von Torwart Donnarumma, erzielte Chiesa das 1:0. Ihm hatten die spanischen Innenverteidiger Garcia und Laporte eine Lücke geöffnet, so dass der Rechtsaußen mit einem punktgenauen Schuss ins rechte Eck erfolgreich war. „Ich kann meine Gefühle nicht mit Worten beschreiben. Jetzt sind wir im Finale und freuen uns riesig. Wir sind überglücklich“, sagte Chiesa.

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Spanien hätte wenig später ausgleichen können, doch Oyarzabal vergab mit seinem ungenauen Kopfball die nächste Gelegenheit (65.). Er wurde danach durch Gerard Moreno ersetzt, wie vorher schon Ferran Torres durch den zentralen Angreifer Morata. Das zunehmend dramatische Spiel nahm angesichts des Spielstands mehr und mehr Fahrt auf.

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Den Spaniern, die das Spiel auch nach dem 0:1 beherrscht hatten, lief die Zeit davon. Sie mussten nun mit mehr Vehemenz und Genauigkeit vor des Gegners Tor attackieren, wollten sie die Verhältnisse in London an diesem Abend noch geraderücken. Die Italiener dagegen, noch immer Meister im Absichern eines knappen Vorsprungs, bauten nun ganz auf die treuen Dienste der alten Abwehrhelden Chiellini und Bonucci. Die aber konnten auch nicht mehr alles verhindern. Morata, wie der italienische Torschütze Chiesa Profi bei Juventus Turin, glich im perfekten Zusammenspiel mit Olmo zum 1:1 per Flachschuss aus.

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Die insgesamt bessere Mannschaft hatte sich doch noch belohnt – mit Tempo, Rasanz und Klasse. Anschließend mussten die Spanier zum dritten Mal während dieser EM in die Verlängerung, die Italiener zum zweiten Mal. Sie blieben das aktivere Team mit dem besseren Selbstverständnis an einem Abend, der die Italiener an ihre Grenzen führte. Aber nicht darüber hinaus. „Wir wären gerne ins Finale gekommen und haben eigentlich ein gutes Spiel gespielt. Wir sind stolz auf das, was wir geschafftt haben. Es war eine gute Erfahrung für eine so junge Mannschaft“, sagte Sergio Busquets.

Quelle: F.A.Z.
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