Nach Kollaps von Dänemark-Star

Zuspruch für Eriksen, Kritik an der UEFA

Von Frank Heike
14.06.2021
, 17:37
„Es gibt furchtbar viele Fragen, die er sich nun stellen wird“: Nach dem Herzstillstand bei Christian Eriksen während des EM-Spiels mit Dänemark brechen die Wortmeldungen nicht ab.

Es sind nachvollziehbare, menschliche Fragen, die sich Christian Eriksen stellt. „Ich fühle mich jetzt besser, aber ich möchte verstehen, was geschehen ist“, ließ der dänische Nationalspieler am Montag der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport über seinen niederländischen Manager Martin Schooten mitteilen. Eriksen steht bei Inter Mailand unter Vertrag. Er befindet sich nach seinem Kollaps vom Samstag weiterhin im Kopenhagener Reichshospital. „Er ist in einem guten, stabilen Zustand, benötigt aber weitere Untersuchungen“, sagte Jakob Høyer, der Mediendirektor des Dänischen Fußballverbandes DBU.

Fußball-EM

Für den 29 Jahre alten Profi geht es nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um seine weitere Berufsausübung. Mit diesen grundlegenden Fragen kennt sich Ståle Solbakken aus. Der frühere Trainer des 1. FC Köln erlitt 2001 als Spieler des FC Kopenhagen einen Herzstillstand im Training und beendete daraufhin seine Karriere. Solbakken trägt seitdem einen Herzschrittmacher. Er trainierte zuletzt den FC Kopenhagen und seit Dezember die norwegische Nationalmannschaft. Zu Eriksens Situation sagte er dem norwegischen Fernsehsender TV2: „Es gibt furchtbar viele Fragen, die er sich nun stellen wird. Was kann ich machen, was nicht, was ist mit meiner Karriere?“

Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn

Es werde eine Phase kommen, in der Eriksen einfach erleichtert sein und den großen Wert des Lebens spüren werde, sagte Solbakken. Eriksen seit mental und körperlich stark und werde sicher genesen. Aber er stehe im Zenit seines Könnens und als italienischer Meister auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Er werde sich mithin bald die Frage stellen, ob er weiter Fußballprofi sein wolle oder Familienvater zweier Kinder – und ob das zusammengehen könne.

Solche tiefschürfenden Fragen wurden offenbar nicht ergründet, als Kapitän Simon Kjær und Torwart Kasper Schmeichel ihren Freund und Kollegen am Sonntag besuchten. „Es war verdammt gut, ihn zu sehen, ihn lächeln und lachen zu sehen und zu spüren, dass er da ist“, sagte Schmeichel: „Wir haben über alles und nichts gesprochen.“

Die Kollegen Martin Braithwaite und Pierre-Emile Højbjerg äußerten sich am Montag im dänischen Quartier in Helsingør. Nach einem Tag Pause hatten die Dänen dort die Trainingsarbeit aufgenommen, um sich auf das zweite Gruppenspiel gegen Belgien vorzubereiten. Sie bekräftigten die Kritik am europäischen Fußballverband UEFA. „Viele Spieler waren nicht in der Lage, zu spielen“, sagte Braithwaite: „Wenn man so etwas erlebt hat, geht man nicht raus und spielt ein Fußballspiel.“

Dänemark hatte am Samstag im Nationalstadion „Parken“ 0:1 gegen Finnland verloren. Braithwaite sagte weiter, dass er abends im Hotel sitze und sich Gedanken mache: „Ich freue mich auf jedes Training und die Spiele, um mich abzulenken.“ Krisenpsychologen unterstützen das dänische Team seit Samstag.

Den Blick zurück und nach vorn verband Torwart Kasper Schmeichel. Er sagte: „Als Mannschaft sind wir berührt von der Situation und dankbar, dass Christian unter uns ist. Wir sind froh, solche Ärzte und Physios zu haben.“ Jetzt werde man versuchen, die nächsten Partien auch für Eriksen zu spielen. Zum Sportlichen: Mathias Jensen vom Premier-League-Aufsteiger Brentford soll wie am Samstag auf Eriksens Position im vorderen Mittelfeld spielen.

Quelle: F.A.Z.
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