Uefa-Präsident Čeferin

Stiller unter den Mächtigen

Von Michael Ashelm
Aktualisiert am 18.03.2020
 - 12:57
Einer der mächtigsten Männer des Fußballs: Aleksander Čeferin
Aleksander Čeferin ist inzwischen einer der mächtigsten Männer des Fußballs. Ein Zufall ist der Aufstieg aber nicht. Er hatte Helfer. Dazu soll auch der Fifa-Präsident gehört haben. Nun sind die beiden Lieblingsfeinde.

Bisher bediente Aleksander Čeferin eine der größten Gelddruckmaschinen des Fußballgeschäfts. Mit der Corona-Krise ist aber vieles ungewisser geworden. Der 52 Jahre alte Präsident des europäischen Fußballverbandes (Uefa) gehört zu den Vertretern der Branche, die nun in vorderster Reihe einen Ausweg aus dem wirtschaftlichen Dilemma aufzeigen müssen. Für etwas Luft sorgen soll jetzt die Entscheidung, dass die Europameisterschaft für die besten Nationalmannschaften von diesem Sommer auf den des nächsten Jahres verlegt werden soll. Čeferin hat damit Zeit gewonnen. Die noch lukrativere Champions League muss allerdings erst einmal ausgesetzt werden.

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Der Rechtsanwalt aus Slowenien, der das Scheinwerferlicht meidet, gehört inzwischen zu den mächtigsten Männern des Fußballs. Aus dem Establishment der Sportfunktionärskaste kommt er nicht. Čeferin stand vor vier Jahren plötzlich auf der großen Fußballbühne, als die Verbände kräftig von Korruptionsfällen durchgeschüttelt wurden und sein populärer Vorgänger Michel Platini wegen Bestechlichkeit abtreten musste. Der Mann aus Ljubljana fungierte als Präsident des slowenischen Fußballverbandes. Seine Wahl 2016 an die Spitze der Uefa überraschte viele.

Ein Zufall war dieser Aufstieg aber nicht. Er wurde von einflussreichen Hintermännern in Osteuropa eingefädelt. Auch der aufgrund seines dubiosen Führungsstils oft kritisierte Präsident des Weltverbandes (Fifa), Gianni Infantino, soll mit an den Strippen gezogen haben und erhoffte sich wohl einen ihm treu ergebenen Mitstreiter. Heute sind die beiden Lieblingsfeinde.

Sehr schnell stellte sich heraus, dass dieser emotionslos, hart und unterkühlt wirkende Newcomer nicht als Marionette taugte. Čeferin entwickelte ein eigenes Profil. Es gehörte strategisch immer schon zu den Hauptaufgaben eines Uefa-Chefs, den europäischen Fußball gegen den Rest der Welt zu positionieren. Europa ist der mit Abstand wichtigste und lukrativste Fußballmarkt. Nur ist die Gemengelage komplizierter geworden: Čeferins Uefa hält zwar die Rechte an der Champions League als alles überstrahlenden Klubwettbewerb und der Europameisterschaft.

Doch gerade die wirtschaftlich immer bedeutenderen Großklubs wie Real Madrid oder Juventus Turin kokettieren mit dem Phantom einer Superliga. Hinzu kommt Fifa-Herrscher Infantino, der seinerseits die europäischen Vereine mit einer neuen milliardenschweren Klub-Weltmeisterschaft lockt. Čeferins Aufgabe wird nicht leichter, zumal er ebenfalls die Interessen der kleinen Nationalverbände in Europa mit deren Ligen und Nationalmannschaften vertreten muss. Die Corona-Krise wird diesen Verteilungskampf nochmals verschärfen.

Quelle: F.A.Z.
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