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Frankreich

Ärztestreit um Ribérys „Spritzenangst“

Von Marc Heinrich
 - 17:58
Hätte Franck Ribery die WM doch spielen können?

Diesmal soll alles viel harmonischer ablaufen. Anders als vor vier Jahren, als sich das Team durch interne Querelen selbst das Leben schwermachte und blamabel schon in der WM-Vorrunde ausschied, möchte die französische Nationalmannschaft auch dank eines besseren Betriebsklimas diesmal in Brasilien deutlich besser abschneiden.

„Man kann die Freude in der Gruppe sehen, man kann sie spüren“, behauptet Trainer Didier Deschamps. Einzig der Ausfall von Franck Ribéry, der wegen Rückenproblemen kurzfristig aus dem Aufgebot gestrichen werden musste, schmerzt die Équipe tricolore und stört die Vorbereitung auf den Start ins Turnier.

Die Enttäuschung, auf einen ihrer besten Könner verzichten zu müssen, ist derart groß, dass der Arzt des Teams, Franck Le Gall, unmittelbar vor dem Debüt an diesem Sonntag gegen Honduras (21.00 Uhr MESZ) sein Fehlen noch einmal groß thematisierte – und dabei dem FC Bayern München eine Mitschuld gab, dass der 31-Jährige nun verletzt in der Heimat zuschauen muss, anstatt die Kollegen bei ihrer Wiedergutmachungs-Mission unterstützen zu können.

Trotz seiner Blessur hätte Ribéry mit Injektionen auflaufen können, versicherte Le Gall. Aber der Profi habe in München „eine Spritzenangst“ entwickelt. Ribéry spiele nämlich bei einem Verein, so der Mediziner, bei dem „jede Pathologie mit Spritzen behandelt wird“. Allein in der unlängst zu Ende gegangenen Runde habe Ribéry in München „mindestens dreißig Spritzen“ bekommen. Und Le Gall kam zu dem Befund: „Irgendwann einmal kannst du nicht mehr, deshalb haben wir das nicht gemacht.“

„Keine Gurus und keine Hexer“

Nach einer Gesäß-Operation wegen eines Blutergusses im Februar gelang Ribéry ein rasches Comeback, doch seit Mitte April plagten ihn immer wieder Probleme im Rücken, die von den Bandscheiben stammen sollen. Man habe Ribéry ohne Injektionen nicht rechtzeitig fit machen können, weil es in der französischen Nationalelf „keine Gurus und keine Hexer“ gebe.

Der Mediziner deutete zudem an, es sei ein Fehler gewesen, dass Ribéry am 17. Mai im Pokalfinale zwischen den Bayern und Dortmund in Berlin eingewechselt wurde. „Er ist reingekommen, dann musste er wieder raus. Er hat ein Spiel gespielt, das er nicht hätte spielen dürfen“, meinte der 50-Jährige, der auch Teamarzt des Ligue-1-Klubs OSC Lille ist.

Ärztlicher Leiter beim deutschen Rekordmeister ist Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der auch bei der Nationalmannschaft in leitender Funktion tätig ist und sich aktuell ebenfalls in Brasilien aufhält. Er verwahrte sich in einer zweiseitigen Stellungnahme, die sein Anwalt Christian Schertz veröffentlichte, gegen die Vorwürfe. Darin heißt es unter anderem: „Franck Ribéry hat keine panische Angst vor Spritzen. Er hat lediglich die in Frankreich empfohlene Behandlung mit Kortison abgelehnt.“

Bereits die Tatsache, dass er nach dem Ausscheiden aus dem Nationalteam unmittelbar wieder nach München gereist sei, um sich dort weiter „ohne Schmerzmittel“ therapieren zu lassen, unterstreiche das Vertrauensverhältnis. Außerdem sei Ribéry offenbar „davor untersagt worden“, sich in Deutschland pflegen zu lassen. Müller-Wohlfahrt schloss seine Replik mit der These, dass Ribéry im Falle einer Behandlung durch ihn „eine WM-Teilnahme möglich gewesen wäre“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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