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2:0 in Nordirland

Ein wackliger deutscher Sieg

Von Michael Horeni, Belfast
Aktualisiert am 09.09.2019
 - 22:43
Strahlemann Halstenberg (r.) hat das wichtige Führungstor geschossen
Das deutsche Team gewinnt zwar 2:0 in Nordirland, muss aber bis in die Nachspielzeit um die wichtigen drei Punkte bangen. Der EM kommt sie mit dem Erfolg viel näher.

Die deutsche Nationalelf hat die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe C übernommen und ist der Endrunde der Europameisterschaft 2020 einen großen Schritt näher gekommen. Der Auftritt der Deutschen bei ihrem 2:0-Sieg in Belfast gegen Nordirland durch ein schönes Tor von Halstenberg (48. Minute) und dem Treffer von Gnabry in der Nachspielzeit machte aber auch deutlich, wie weit die Mannschaft von der internationalen Spitze entfernt ist.

Vom eigenen Anspruch, dem 2:4 gegen die Niederlande eine starke Leistung folgen zu lassen, war nach neunzig Minuten nicht mehr viel übrig geblieben. Wie ein Topteam trat die Auswahl von Bundestrainer Löw jedenfalls nie auf. In der ersten Halbzeit waren die Deutschen vom offensiven Schwung der Nordiren zunächst völlig überrascht worden. Nach dem Führungstreffer und der besten Phase ihres insgesamt enttäuschenden Spiels, musste die DFB-Auswahl bis zur letzten Minuten um den Sieg gegen den bisherigen Tabellenführer bangen.

Fußball-Länderspiele

Die personellen und taktischen Veränderungen, die der Bundestrainer drei Tage nach der 2:4-Niederlage vorgenommen hatte, hielten sich in Grenzen. Dass gegen die Nummer 29 der Fußballwelt aus seiner Sicht keine Fünferkette mehr nötig sein würde, hatte Löw schon am Vorabend in Belfast angekündigt. In der erwarteten 4-3-3-Formation kam nun Halstenberg als linker Außenverteidiger frisch ins Spiel, im Mittelfeld durfte Brandt erstmals von Beginn an ran. Als fünfter Defensivmann musste daher nur Tah nach seinem schwachen Spiel in Hamburg weichen, Schulz fiel wegen Verletzung ohnehin aus. So weit, so erwartbar.

Aber in der ersten Viertelstunde traute man in Belfast seinen Augen kaum. Nordirland dominierte, die Deutschen bekamen keinen einzigen überzeugenden Angriff zustande. Es war auch taktisch ganz anders gekommen, als der Bundestrainer erwartet hatte. Löw war von einer defensiven nordirischen Spielanlage ausgegangen, obwohl deren Trainer O´Neill in seiner Pressekonferenz ausdrücklich die deutsche Abwehr als Schwachpunkt ausgemacht hatte. Und danach richtete er konsequent seine Taktik aus.

Die Nordiren spielten von Beginn an mit enormer Leidenschaft und Laufbereitschaft ein Pressing, um einen kontrollierten deutschen Spielaufbau mit Dominanz und Ballbesitz zu verhindern. Und das gelang. Die Nordiren störten, wann immer sich die Möglichkeit bot, mit vier, fünf Spielern rund um den Strafraum die deutsche Defensive bei der Ballannahme – und immer wieder blieb den Deutschen nichts anderes übrig, als den Ball weit und kaum kontrolliert nach vorne zu schlagen. Da ging er dann meist zügig verloren.

Die besseren Chancen erkämpften sich die Nordiren zudem. In der achten Minute hatte es der vierfache Weltmeister alleine der prächtigen Reaktion von Neuer zu verdanken, nicht in Rückstand geraten zu sein. Den Schuss des freistehenden Washington wehrte er mit einem Arm gerade noch ab. Es dauerte knapp zwanzig Minuten bis sich die deutsche Mannschaft halbwegs in das Spiel gefunden hatte, in dem sie eigentlich ein anderes Gesicht zeigen wollte als beim 2:4 gegen die Niederlande. Tatsächlich aber wir ihr Auftritt gegen einen technisch limitierten Gegner sogar noch ernüchternder: oft fahrig, unstrukturiert und ziemlich blutleer. Dass Deutschland wieder eine Fußballmacht sein will, ließ sich in den ersten zwanzig Minuten nicht einmal erahnen.

Dass, was das Team von Löw von Beginn an eigentlich tun sollte, den Gegner unter Druck setzen, gelang aber erst nach zwanzig Minuten zum ersten Mal. Danach wurden die Deutschen allmählich kombinationssicherer und produzierten Pressing-Situationen. Aber gefährliche Situationen blieb rar. Ein Konter über Werner klärten die Nordiren zur Ecke (18.), ein Schuss von Reus aus zwölf Metern wurde geblockt (21.), ebenso ein Versuch von Werner (27.), allerdings mit der Hand, was der Schiedsrichter jedoch nicht ahndete. Aus dem daraus resultierenden Eckstoß fiel der Ball im Fünfmeterraum Süle vor die Füße, doch der Innenverteidiger schien von seiner Chance zu überrascht und reagierte zu spät.

Die beste Gelegenheit zur Führung bot sich aber den Nordiren kurz vor der Pause, als Neuer den Ball nach einer scharfen Hereingabe nicht zu fassen bekam – der Ball lag für einen Moment frei im Fünfmeterraum, aber Washington brachte ihn im Fallen nicht über die Linie. Auf der anderen Seite bot sich im Gegenzug wiederum Werner die beste deutsche Chance zum 1:0, doch der Leipziger Stürmer traf mit seinem Schuss nur den Torwart, nicht das Tor. Die erste Halbzeit gegen den Außenseiter war ein deutscher Auftritt, wie man ihn zuletzt bei der WM gesehen hatte.

Startschuss zur besten deutschen Phase

Nach der Pause schien zunächst eine andere deutsche Mannschaft auf dem Platz zu stehen. Eine, die Fußball spielte. Und sich engagierte. Und damit ihre individuell viel höhere Klasse nun auch zur Geltung brachte, zumindest zeitweise. Dabei half nicht zuletzt die Führung in der 48. Minute durch Halstenberg, der mit einem traumhaften Volleyschuss zum 1:0 nach einer von Brandt verlängerten Flanke traf. Der Treffer war der Startschuss zur besten deutschen Phase. Aber Werner (50.) und vor allem Gnabry (52.) verpassten das zweite Tor. Nach einer Stunde schien die Überlegenheit des Favoriten erdrückend.

Aber nach einer einzigen gelungenen Angriffsaktion der Iren, die nach einer Attacke von Kroos einen Elfmeter forderten (61.), war es mit der deutschen Dominanz auch schon wieder vorbei. In der 63. Minute verpasste Dallas den Ausgleich nach einem schnellen Angriffe über die Seite von Halstenberg nur knapp. Die Deutschen waren danach zwar weiterhin das stärkere Team, aber sicher durften sie sich erst kurz vor dem Abpfiff fühlen, als Gnabry in der Nachspielzeit nach einem Pass von Havertz aus spitzem Winkel das zweite Tor erzielte.

Quelle: FAZ.NET
Michael Horeni - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Horeni
Korrespondent für Sport in Berlin.
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