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Atlético Madrid

Europa League nur als Zwischenziel

Von Hans-Günter Kellner, Madrid
 - 19:03

Gabriel Fernández Arenas ist anzusehen, dass sein Beruf für ihn harte Arbeit ist. Sein zerfurchtes Gesicht erinnert an viele geschlagene Schlachten, er ist der Abräumer im defensiven Mittelfeld bei Atlético de Madrid. Selten lächelt der 34-Jährige einmal. Pressegespräche sind für ihn Teil des Jobs, er scheint sie eher zu erdulden, als Spaß daran zu haben. Ihn zum Gegenspieler zu haben kann kein Vergnügen sein, ahnt man, für seine Mitspieler muss er hingegen wie ein strenger Vater wirken. So ist es nur zwangsläufig, dass Gabriel Fernández Arenas – genannt „Gabi“ – bei Atlético Madrid der Kapitän ist. Gegen Olympique Marseille will er an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ live in Sport1) den sechsten Titel in seiner Karriere holen.

Dennoch ist von großer Vorfreude wenig zu sehen, weder bei Gabi noch bei anderen Spielern und Verantwortlichen Atléticos. Nervosität vor einem Endspiel sei normal, gerade zum Ende der Laufbahn, sagt Gabi und klingt dabei eher lapidar. So gewinnt man den Eindruck, der Pokal der Europa League wäre eine Art Trostpreis für den Klub, das eigentliche Endspiel ein anderes. Gabi spricht von einem größeren Ziel, vom Supercup der Uefa, vom Spiel des Siegers der Europa League gegen den der Champions League: „Ich will gegen Real Madrid spielen.“ Das ist der Stachel im Fleisch von Atlético.

Zweimal scheiterte der Verein im Endspiel gegen den Rivalen aus der eigenen Stadt. 2014 führte Atlético bis zur 93. Minute 1:0, bis Sergio Ramos den Ausgleich erzielte. In der Verlängerung hatte Real dann leichtes Spiel mit der völlig erschöpften Elf des Trainers Diego Simeone. Zwei Jahre später sahen sich alle in Mailand wieder, diesmal scheiterte Atlético im Elfmeterschießen an Real. Und letztes Jahr schied die Mannschaft im Halbfinale, beim letzten internationalen Spiel in seinem alten Stadion am Manzanares-Fluss, gegen Real aus. So stand der Verein drei Mal kurz vor dem ganz großen Triumph – doch den Titel holte stets Real. Selbst ein Sieg gegen Olympique dürfte die gestiegenen Ansprüche bei Atlético kaum zufriedenstellen.

Griezmann vor Abgang

Sie stehen noch vor Real Madrid auf dem zweiten Tabellenplatz in der Liga, betont Vereinsvorsitzender Enrique Cerezo, das Ausscheiden aus der Champions League in der Gruppenphase habe der Elf „die Chance gegeben“, nach 2010 und 2012 zum dritten Mal die Europa League zu gewinnen. Das klingt ein wenig kleinlaut. Denn gleichzeitig meint Cerezo, in den vergangenen zehn Jahren habe der Verein stets gegen die Besten Europas gespielt. Und hätte Atlético nicht zwei Spiele in der Gruppenphase gegen Qarabag Agdam aus Aserbaidschan vergeigt, bei denen es nur zwei Remis gab, „wären wir jetzt in Kiew“, sagt der Präsident, der dann noch auf die Uefa-Rangliste der Klubs verweist. Dort steht Atlético auf Rang zwei. Davor befindet sich ausgerechnet Real Madrid.

Das Finale, das Trainer Simeone von der Tribüne aus verfolgen muss, wird überschattet von Diskussionen um den bevorstehenden Abgang von Antoine Griezmann. Der vor vier Jahren aus San Sebastian nach Madrid gekommene und unter Trainer Simeone zum Stürmerstar gereifte Franzose hat mit seinen 19 Toren und neun Vorlagen in dieser Saison manches Spiel für seinen Verein entschieden. Doch er scheint sich mit dem FC Barcelona einig zu sein. Der 27-Jährige hat einen Vertrag bis 2022, aber auch eine Ausstiegsklausel von 100 Millionen Euro. Es ist das alte Lied bei Atlético. Die Besten gehen, wenn die ganz großen Vereine anklopfen. Immerhin: Kapitän Gabi bleibt, was immer auch kommt.

Quelle: F.A.Z.
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