Reaktionen zum Ballon d’Or

„Ehrlich gesagt, verstehe ich die Welt nicht mehr“

30.11.2021
, 08:35
Glamour auf dem Roten Teppich: Robert Lewandowski mit Anna Lewandowska
Messi vor Lewandowski: Während der FC Bayern diplomatisch reagiert, fällt bei anderen das Fazit zur diesjährigen Ballon d’Or-Gala deutlicher aus. Cristiano Ronaldo macht seinem Ärger in den Sozialen Medien Luft.
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Die Führungsspitze des FC Bayern München hat diplomatisch auf die Niederlage von Robert Lewandowski beim Ballon d'Or reagiert. „Glückwunsch an Lionel Messi. Aber auch Robert Lewandowski hätte neben seiner Ehrung zum Stürmer des Jahres den Ballon d'Or genauso verdient gehabt, weil er seit Jahren jeden Tag absolut Herausragendes leistet“, sagte der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn in einer Mitteilung des deutschen Fußball-Meisters.

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Messi hatte am Montagabend in Paris zum siebten Mal den Goldenen Ball erhalten, Bundesliga-Torschützenkönig Lewandowski musste sich trotz einer guten Saison bei der von der französischen Fachzeitung „France Football“ durchgeführten Prestige-Wahl mit Platz zwei begnügen. Dass er als bester Torjäger geehrt wurde, war für den polnischen Ausnahmefußballprofi nur ein schwacher Trost.

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Lewandowski sei dennoch „im Olymp der Größten des Weltfußballs“ längst angekommen, sagte Kahn: „Ich bin schon gespannt, welche Rekorde er mit unserem Club in der Zukunft noch aufstellen wird. Er wird auch im nächsten Jahr wieder ein Kandidat sein.“

Sportvorstand Hasan Salihamidzic sagte: „Wir beim FC Bayern hätten diesen Titel aber auch Robert Lewandowski von Herzen gegönnt! Wir sind stolz, diesen Ausnahmespieler in unseren Reihen zu haben, der völlig zurecht zum Stürmer des Jahres gewählt wurde.“ Bayern-Präsident Herbert Hainer zeigte sich „einmal mehr stolz auf Robert Lewandowski, denn er hätte es verdient gehabt, nach Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge der vierte Spieler in unserer traditionsreichen Vereinsgeschichte zu werden, der diesen Titel gewinnt. Robert zählt absolut in diese Riege der größten Spieler des FC Bayern und des Weltfußballs.“

Messi: „Du hast den Preis für 2020 verdient“

Weniger diplomatisch war der frühere Bayern-Spieler Lothar Matthäus. „Ehrlich gesagt, verstehe ich nach dieser Wahl die Welt nicht mehr. Bei allem Respekt für Messi und die anderen großartigen, nominierten Spieler. Keiner hätte es so verdient gehabt wie Lewandowski“, sagte der TV-Experte und deutsche Rekordnationalspieler.

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Der frühere Bundesliga-Profi Jan Aage Fjörtoft reagierte mit viel Sarkasmus auf die Entscheidung gegen Lewandowski und für Messi. „Saison 26/27. Lewandowski schoss gerade 63 Tore in einem Jahr. Er entwickelte die effektivste Heilung für Covid. Er gewann die Champions League. Er wurde gerade zweiter polnischer Papst nach Johannes Paul II. Er gewann sensationell mit Polen die Weltmeisterschaft. Messi gewann den Ballon d‘Or“, twitterte der 54-jährige Norweger.

Englands Fußballlegende Gary Lineker sprach sich für eine nachträgliche Ehrung Lewandowskis für das Jahr 2020 aus. Im Vorjahr hatte Lewandowski mit dem FC Bayern München alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, die Wahl fiel wegen der Corona-Pandemie aber aus. „Ich denke, der Ballon d'Or 2020 sollte rückwirkend verliehen werden an Lewandowski. Er hat es verdient, ihn zu gewinnen. Er hat es verdient, einen zu haben“, twittert der 61-jährige Lineker.

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Sieger Messi sagte Richtung Lewandowski: „Jeder weiß, dass du letztes Jahr der Gewinner warst. Ich finde, France Football sollte dir den Preis für 2020 noch geben. Du hast ihn verdient und solltest ihn auch zuhause haben.“ Das sieht auch Lineker so: „Messi stimmt zu. Messi hat recht. Gebt Lewandowski die Auszeichnung. Das ist so einfach zu tun und das Richtige.“

Ronaldo: „Er hat gelogen“

Auch Cristiano Ronaldo, Messis Dauerrivale nicht nur bei dieser Wahl, war verärgert. Allerdings weniger wegen der Auszeichnung für Messi, vielmehr wütete Ronaldo bei Instagram gegen den Mitorganisator der Wahl.

„Pascal Ferré hat gelogen, er hat meinen Namen benutzt, um für sich selbst zu werben und für die Zeitung, für die er arbeitet“, schrieb Ronaldo auf Instagram. Damit ging er auf Äußerungen des Chefredakteurs von „France Football“ ein, der behauptet hatte, dass Ronaldos größtes Ziel sei, seine Karriere mit mehr Goldenen Bällen als Messi zu beenden. Ronaldo steht bei fünf Siegen, Messi hat nun zwei mehr.

Derweil gab es am Ende noch etwas Genugtuung für einen Deutschen: Thomas Tuchel war aus London zugeschaltet, als Champions-League-Sieger FC Chelsea als bester Klub des Jahres ausgezeichnet wurde. „Eine tolle Trophäe für den Verein. Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr. So wollen wir weitermachen“, sagte der Erfolgscoach. Die französische Kameraführung ließ es sich nicht nehmen, bei den Worten Tuchels den Paris-Saint-Germain-Sportdirektor Leonardo an der Seite von Klub-Präsident Nasser Al-Khelaifi einzublenden, die den Chelsea-Höhenflug durch die Trennung von Tuchel kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr erst unfreiwillig möglich gemacht hatten.

Quelle: jaeh./dpa
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