Bangen bei FCK und Dresden

Relegation der Fußlahmen

Von Roland Zorn
20.05.2022
, 12:51
Relegations-Spezialist, neuerdings in Diensten des 1. FC Kaiserslautern: Dirk Schuster
Den 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden verbindet nicht nur eine große Vergangenheit, sondern auch Nöte von heute. Jetzt geht es um den letzten Platz in Liga zwei für die kommende Saison.
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Fritz Walter, Ottmar Walter, Horst Eckel, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer, fünf deutsche Weltmeister beim Wunder von Bern 1954, dazu Andreas Brehme, der Weltmeister von 1990, und andere Ikonen wie Michael Ballack, Mario Basler, Hans-Peter Briegel, Miroslav Klose oder Stefan Kuntz haben über Jahrzehnte das Profil des 1. FC Kaiserslautern zwischen hoher Spielkunst und unbändiger Kampfeslust geprägt. Der Klub aus der Pfalz gewann viermal die Meisterschaft und zweimal den Pokalwettbewerb – und stürzte 2018 in die dritte Liga ab.

2. Bundesliga

Hans-Jürgen („Dixie“) Dörner, Klaus Sammer und sein Sohn Matthias, Reinhard Häfner, Ralf Minge, Torsten Gütschow oder Ulf Kirsten waren zu ihrer Zeit als Spieler Prot­agonisten der SG Dynamo Dresden, die zu DDR-Zeiten achtmal Meister und siebenmal Pokalsieger wurde. Nun muss der Klub darum kämpfen, nicht zum vierten Mal in die dritte Liga abzurutschen. Und das in einem Zweiteiler, der eiserne Nerven und die größte Entschlossenheit verlangt.

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Am Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Fußball-Bundesliga, bei SAT.1 und Sky) beginnt die Relegation mit dem Duell zwischen dem Drittliga-Dritten und Zweitliga-Drittletzten im Fritz-Walter-Stadion. Und es ist symptomatisch für diesen Zweikampf, dass beide Vereine zuletzt ziemlich fußlahm daherkamen. Vor allem die Dresdner, die in der Zweitliga-Rückrunde kein Spiel gewinnen konnten.

Auch der im März gekommene Trainer Guerino Capretti, der Alexander Schmidt beerbte, schaffte bisher nicht die Trendwende bei den Sachsen, die er auf Platz 14 übernahm. Was jetzt für den 40 Jahre alten Deutsch-Italiener spricht, ist seine Erfahrung mit Alles-oder-nichts-Spielen. 2020 stieg er mit dem SC Verl gegen Lokomotive Leipzig in die dritte Liga auf.

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Die Pfälzer verstolperten den Endspurt

Die Kaiserslauterer haben ähnlich turbulente Tage hinter sich. Die Mannschaft von Trainer Marco Antwerpen schien unaufhaltsam auf dem direkten Weg zurück in die Zweite Bundesliga. Dann verstolperten die Pfälzer den Endspurt, verloren dreimal nacheinander und entließen ihren bei den Fans populären Trainer.

Dass Antwerpen nach der besten der vier Drittliga-Spielzeiten gehen musste und durch Dirk Schuster ersetzt wurde, mag auch mit dem, wie es heißt, ramponierten Verhältnis zwischen dem Trainer und dem Sportgeschäftsführer und früheren Lautern-Profi Thomas Hengen zu tun gehabt haben. Angesichts der zusehends schwächeren Leistungen des Teams wuchs allerdings der Eindruck, dass in der entscheidenden Saisonphase eine Veränderung auf der Trainerposition hilfreich sein könnte.

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Mit dem 54 Jahre alten Sachsen Schuster hat der 1. FC Kaiserslautern einen Relegationsspezialisten verpflichtet, der 2014, seinerzeit Trainer des Drittliga-Dritten Darmstadt 98, das Kunststück fertigbrachte, seine Mannschaft nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel gegen den damaligen Zweitliga-Sechzehnten Arminia Bielefeld am heimischen Böllenfalltor in Windeseile wieder aufzubauen. Mit ein wenig Glück und einem Last-Minute-Treffer in der Verlängerung gewann die im entscheidenden Rückspiel nervenstärkere Mannschaft auf der „Alm“ 4:2 und stürzte die Arminia damit in die Drittklassigkeit.

Der nervenstarke Fußballlehrer Schuster, dessen Teams mit schnörkellosem, auch schon mal rustikalem Fußball aufzutreten pflegen, sagte nach seiner ersten Trainingswoche auf dem Betzenberg gegenüber dem Südwestrundfunk beim Blick auf den bevorstehenden Klassenkampf: „Ich bin der Überzeugung, wenn wir alle gemeinsam ziehen, die Gemeinschaft im Vordergrund steht und der zwölfte Mann auch seinen Teil dazu beiträgt, dann können wir hier eine gute Ausgangsposition schaffen. Und dann fahren wir nach Dresden und gucken mal, wie wir Dynamo noch mal wehtun können.“ Der Mann beherrscht die Psychologie der Einstimmung auf die Alles-oder-nichts-Begegnungen.

Entschieden wird das Ganze am 24. Mai in Dresden, wo Guerino Capretti die Köpfe wieder freibekommen musste. Was der Trainer gegen Aue sah, war untauglich für die beiden letzten Klassenprüfungen. Es fehlte an allem, voran der Leidenschaft und Intensität, das Spiel gewinnen zu wollen. Er stimmte seine Spieler so auf die Entscheidung ein: „Es kommen zwei Spiele, die eine Saison, die nicht gut war, geradebiegen können.“

Quelle: F.A.Z.
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