Zweite Bundesliga

Kaiserslauterns Absturz mit Folgen

Von Andreas Erb, Kaiserslautern
20.09.2017
, 17:56
Nach der nächsten Niederlage in der zweiten Bundesliga trennt sich der FCK von Trainer Norbert Meier. Es ist nicht das einzige Problem beim Klub aus der Pfalz.
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Der 1. FC Kaiserslautern gerät in immer größere Turbulenzen. Mit der Freistellung von Trainer Norbert Meier am Mittwoch nach der 0:2-Niederlage gegen Aue erreichte der sportliche Niedergang des Fußball-Zweitligaklubs einen weiteren Tiefpunkt. „Die letzten beiden Spiele hinterließen bei uns nicht mehr das Gefühl, dass wir in dieser Konstellation die dringend benötigte Wende schaffen“, sagte FCK-Sportdirektor Boris Notzon. Die Mannschaft übernehmen werden übergangsweise Manfred Paula, Leiter des Nachwuchszentrums, und U-19-Trainer Alexander Bugera.

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Zugleich deutet der Abwärtstrend mit dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz auf die finanziellen Zwänge beim wirtschaftlich hochbelasteten Verein hin. Dabei hatte Klubvorstand Thomas Gries zu Saisonbeginn eine „sorgenfreie Saison“ ausgerufen. Erst im Dezember 2016 wurde Meier Nachfolger von Tayfun Korkut, der zurückgetreten war. Seither gibt es personelle Querelen in der Sportlichen Führung des FCK. Vor wenigen Monaten hatte auch der damalige Sportdirektor Uwe Stöver hingeschmissen, und die darauffolgenden ergebnislosen Gespräche mit Klub-Ikone Hans-Peter Briegel gerieten zum medialen Possenspiel.

Noch zu Wochenbeginn hatte Meier wesentliche Transferentscheidungen kritisiert. Die Mannschaft sei „völlig neu zusammengestellt. Wir haben eine fast komplette Abwehr verloren.“ Darunter Spieler, die „Garant“ gewesen seien für den Klassenverbleib in der Vorsaison. Das Geld aus den Transfers wird beim FCK dafür gebraucht, um Finanzlücken zu schließen. So hieß es, dass der Verkauf von Torwart Julian Pollersbeck nach Hamburg für etwa 3,5 Millionen Euro im Sommer das Saison-Minus von rund 2,5 Millionen Euro ausgeglichen habe.

Zu Beginn der Saison verloren die „Roten Teufel“ zudem Abwehrspieler Robin Koch an den SC Freiburg. In der Vergangenheit warnten Vereinsmitglieder auf Klubversammlungen immer wieder vor einer brüchigen Wirtschaftslage und dem Ausverkauf talentierter Spieler zum Stopfen der Finanzlöcher. Maßgebliche Vereinsmitglieder fordern bereits seit Jahren eine intensive Aufarbeitung der Ära des ehemaligen FCK-Vorstands Stefan Kuntz. Er führte den Klub bis 2016 und trainiert heute die U-21-Nationalmannschaft. Seine Zeit in Kaiserslautern war begleitet von Vorwürfen der Misswirtschaft. Im Zentrum der Kritik steht unter anderem der Umgang mit einer Fan-Anleihe in Höhe von sechs Millionen Euro, die eigentlich komplett ins Nachwuchsleistungszentrum hätte investiert werden sollen.

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Offenbar wurde aber Geld im laufenden Geschäft gebraucht. Die Rückzahlung der Anleihe bedeutet für die neue Klubführung eine Herausforderung. Auch deshalb möchte der FCK eine Ausgliederung des Profibetriebs vorantreiben, um in einer eigenen Gesellschaft dann neue Mittel und Investoren gewinnen zu können. Doch es ist fraglich, wie angesichts der desolaten sportlichen Situation das Vertrauen für den nötigen Mitgliederbeschluss entstehen soll. Für den Klub dürfte es derweil um die Existenz im Profifußball gehen. Denn es ist zweifelhaft, ob der FCK im Falle eines Abstiegs in die dritte Liga wirtschaftlich überlebensfähig wäre.

Quelle: F.A.Z.
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