Zweite Bundesliga

Wilden Darmstädtern fehlt die Kaltschnäuzigkeit

Von Alex Westhoff
16.01.2022
, 18:01
Obenauf: Nach seinem Eigentor zum 0:1 traf Klaus Gjasula (rechts) ­später zum 1:1 ins Tor des KSC.
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Den „Lilien“ fehlt beim 2:2 gegen den Karlsruher SC in der zweiten Fußball-Bundesliga die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, um über ein Unentschieden hinauszukommen.
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Für neutrale Fußballinteressierte mit Sinn für Zweitliga-Samstagabend-Unterhaltung war es ein reizvolles Fernseherlebnis. Der Protagonist Fabian Holland sagte stellvertretend für seine Kollegen vom SV Darmstadt 98: „Für uns war es ab und zu etwas zu wild.“ Und vor allem zu wenig von der Punkteausbeute her. Die „Lilien“ erreichten nur ein Remis in einem Fußballspiel, das sie ohne viel Umschweife für sich hätten entscheiden können.

2. Bundesliga

Angesichts der vergebenen Großchancen vor dem Tor wäre auch ein Kantersieg möglich gewesen. Das 2:2 im achterbahnartigen Heimspiel gegen den Karlsruher SC verbaute dem SVD am Samstagabend zudem den möglichen Sprung an die Tabellenspitze. Nun ist es für die Darmstädter Himmelsstürmer nach im alten Jahr beeindruckender Siegesserie vielleicht nicht das Schlechteste, auf Rang zwei (mit vier Punkten Vorsprung vor den Verfolgern) in Deckung und Lauerstellung zu bleiben.

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Zumal das Match gegen den KSC Cheftrainer Torsten Lieberknecht anschauliches Material dafür lieferte, „den Finger in die Wunde zu legen“, wie er sagte, und zu schauen, „was wir besser machen können“. Denn während das Offensivspiel der angriffsstärksten Mannschaft der Liga wieder überwiegend auf Hochtouren lief, zeigten die „Lilien“ hinten einige ungewohnte Wackler. Die Innenverteidiger Patric Pfeiffer und Thomas Isherwood agierten im Verbund nicht ganz so zupackend wie gewohnt.

„Massives Glück“ für den KSC

Das erste Gegentor zum 0:1 (22.) entsprang einem schnell ausgeführten Karlsruher Freistoß, von dem sich die Darmstädter überrumpeln ließen – Lieberknecht sagte dazu: „Wir hatten das vorher angesprochen“ – , sodass Jürgen Gjasulas Rettungsversuch in einem unglücklichen Eigentor mündete. Beim zweiten KSC-Tor durch Schleusener zum 2:2 (71.) hatten Schütze und Vorlagengeber zu viel Raum. Kurz darauf (74.) schossen die Badener sogar einen dritten Treffer, dem aber vom Videoschiedsrichter aufgrund hauchdünner Abseitsposition die Geltung genommen wurde.

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Dieser Glücksmoment führte letztlich zu Lieberknechts Bewertung, dass der SV 98 „keine zwei Punkte verloren hat. Wir können mit dem einen Zähler leben. Und weiter: „Wichtig war nach der Winterpause, dass wir uns wieder Chancen erspielen. Es wäre viel schlimmer, wenn man kein Muster gesehen hätte, wie wir zu Möglichkeiten kommen.“ Vielmehr kamen die Darmstädter nach allen möglichen Mustern, ob über Außen oder durch die Mitte, über Kombinationsspiel oder Standardsituationen zu Torgelegenheiten. Und zwar von solcher Güte, dass KSC-Trainer Eichner später von „massivem Glück“ für sein Team sprechen sollte.

Exemplarisch herauszupicken aus dem Wust an besten Abschlussgelegenheiten sind vier: Erstmals in dieser Saison fahrlässig präsentierte sich Luca Pfeiffer, als er jeweils freistehend aus bester Lage per Kopf die Bälle (25. und 46.) nicht mal aufs Tor gedrückt bekam. Dazu zeigte Marvin Mehlem frei vor dem Tor wieder einmal, dass das Torjäger-Gen nicht in ihm steckt (57.). Wie Isherwood in der Schlussphase (84.) das leere Tor verfehlte, lässt sich nicht damit erklären, dass er in diesem Moment als Innenverteidiger auf fachfremden Terrain unterwegs war.

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In Summe mussten die „Lilien“ einsehen, dass die mitunter gespenstisch anmutende Effektivität im Nutzen von Torchancen im alten Jahr kein saisonlanges Anrecht darstellt. Immerhin war Gjasula (48.) nach einer Ecke auch auf der „richtigen“ Seite erfolgreich, und Kapitän Holland erzielte drei Minuten später mit einem satten Schuss den 2:1-Führungstreffer. Mit wie viel Klasse und Wucht die Darmstädter die zweite Spielhälfte begannen, war außergewöhnlich. Und in dieser Phase konnten die Karlsruher nur von einem Punktgewinn träumen. In Summe war es vor 250 zugelassenen Zuschauern am Böllenfalltor ein wildes Spiel. Aber: „Das 2:2 ist nichts Wildes“, sagte Holland. „Wir müssen nicht jedes Spiel gewinnen.“

Quelle: F.A.Z.
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