5:2 gegen Frankfurt

Dortmund spürt die alte Magie dank Haaland

Von Daniel Theweleit, Dortmund
14.08.2021
, 21:49
Hört, hört: Erling Haaland sorgt für großen Jubel bei Dortmunds Fansx.
Erstmals seit Beginn der Pandemie entsteht im Stadion des BVB wieder eine richtig intensive Stimmung. Beim 5:2-Sieg über Frankfurt zum Start ragt Erling Haaland heraus. Doch es gibt auch Schwächen.

Ein wenig klangen die lang gezogenen „Eeeerling Haaaland“-Gesänge, die das Westfalenstadion Mitte der zweiten Halbzeit erfüllten, nach einer Art religiösem Rausch. Gerade hatte der unglaubliche Stürmer das 5:1 für den BVB gegen Eintracht Frankfurt geschossen und damit endgültig klargestellt, dass er wieder einmal als großer Fußballheld bejubelt werden musste. Es war sein zweites Tor in dieser Partie, die die Dortmunder am Ende mit 5:2 (3:1) gewannen.

Bundesliga

Kritiker könnten nun angesichts der bekanntermaßen großen Fähigkeiten dieses Fußballers fragen: „Nur zwei Tore, das ist ja weniger als die Hälfte?“ Aber Haaland hatte neben seinen eigenen Treffern die anderen drei Tore vorbereitet, und war für die bemitleidenswerten Frankfurter nie zu kontrollieren. 62 Treffer sind ihm nun in 61 Pflichtspielen gelungen. „Man muss immer vorsichtig sein, dass man ihn nicht zu hoch lobt“, sagte Kapitän Marco Reus, aber „das ist schon ein Superpaket“.

Die Menschen, die ihren Star huldigten, waren aber nicht nur beseelt von der Stärke Haalands, sie hatten sich auch an sich selbst berauscht. Erstmals seit Beginn der Pandemie war wieder eine richtig intensive Stimmung im größten Stadion der Bundesliga entstanden, Marco Rose sagte: „Viel mehr geht nicht. Es war eine Menge Energie im Stadion, die die Jungs auf dem Platz komplett genutzt haben.“

Haaland, Haaland, Haaland

Und alle konnten sehen, dass der neue Trainer ein Team beisammen hat, dem nach diesen ersten Eindrücken tatsächlich einiges zuzutrauen ist in den kommenden Monaten: Der BVB verfügt über Talent, viel Reife und den wahrscheinlich dominantesten Spieler, den die Liga derzeit zu bieten hat. Denn Robert Lewandowski ist ebenfalls großartig, aber Haaland in dieser Form ist womöglich weniger von seinen Mitspielern abhängig.

Das 1:0 leitete der 21 Jahre alte Norweger mit einem energischen Lauf aus der eigenen Hälfte bis an den Frankfurter Strafraum ein, wo er Marco Reus anspielte, der sich erster Torschütze der neuen Dortmunder Bundesligasaison nennen lassen konnte (23.). Später legte er Eden Hazards 2:0 (32.) auf und dem 4:1 von Giovanni Reyna (58.) war ein Haaland-Schussversuch voraus gegangen. Ob diese Aktion auch als Assist gilt, war nach Abpfiff nicht ganz klar. In jedem Fall sei „Erling ist ein unglaublicher Teamspieler, der für die Mannschaft läuft“, sagte Rose, nachdem Haaland das 3:1 (34.) und das 5:1 (70.) selbst erzielt hatte. Zwischenzeitlich war dem ansonsten guten Felix Passlack ein Eigentor zum 1:1 unterlaufen und am Ende gelang Jens Petter Hauge noch das 5:2 (86.).

Allerdings täuschen die fünf Tore ein wenig über einige Schwächen hinweg, die Reus im Jubel nach dem Abpfiff nicht unerwähnt lassen wollte. „Man hat heute trotzdem gesehen, dass wir noch lange nicht da sind, wo wir sein wollen“, sagte der Kapitän. Zu oft scheiterte das Team am Versuch, das Spiel kontrolliert vom eigenen Strafraum aufzubauen und den Ball mit flachen Pässen durchs Mittelfeld zu befördern. Bei Aktionen mit dem Fuß kann sich der neue Torhüter Gregor Kobel noch steigern, aber auch den Außenverteidigern Passlack und Nico Schulz fehlten unter Druck bisweilen Ideen für eine versiertere Spieleröffnung.

Immer wieder wurde der BVB vor allem in der ersten Halbzeit zu langen Bällen gezwungen, die in intensive Mittelfeldzweikämpfe mündeten, aber der Atmosphäre war das eher zuträglich. Und als gegen Ende des Spiels immer klarer wurde, dass die Dortmunder gewinnen würden, badete das Stadion schließlich in süßen Glücksgefühlen und Haaland-Gesängen. Auch ohne vollbesetzte Südtribüne war wieder einmal die alte BVB-Magie zu spüren. Die Fans kramten ihre Lieder hervor, sie genossen dieses fast schon vergessene Zusammenspiel mit ihrer Mannschaft, die die Impulse von der Tribüne gerne aufsog.

Wobei es eine kurze Phase gab, in der das Spiel sich auch noch hätte wenden können. In den Minuten nach der Halbzeit schlichen sich Nachlässigkeiten ins Dortmunder Spiel ein, die an die Wankelmütigkeit erinnerten, die Rose der Mannschaft endlich austreiben soll. Rafael Borré hatte zwei gute Chancen, die Eintracht wieder in die Partie zurückzuführen (48. 55.), traf aber nicht. Daher wies Reus darauf hin, dass es „für eine Kampfansage“ noch viel zu früh sei, und Rose meinte: „Es ist wichtig, dass unser Kapitän sich hier hinstellt und Konstanz anmahnt.“

Es war dem Trainer anzumerken, wie groß seine Lust auf die besonderen Energien dieses Klubs ist, von denen ihm sein enger Freund Jürgen Klopp immer wieder erzählt hat. Nun ist er hier und sagte: „Ich freue mich unglaublich“. Denn der Erlebniswert dieser Partie war groß und sportlich hätte die Saison kaum besser beginnen können.

Quelle: FAZ.NET
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