Borussia Mönchengladbach

Hütters Plan mit Geduld und System

Von Daniel Theweleit, Mönchengladbach
03.08.2021
, 16:48
Adi Hütter, hier noch Trainer von Eintracht Frankfurt, begrüßt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl bei einem Bundesligaspiel im Oktober 2019
Schon vor dem ersten Pflichtspiel sind Gladbachs Fans von Adi Hütter begeistert. Ganz geheuer ist ihm das nicht. Sportlich vertraut er dem eingespielten Team – und einem ungeduldigen Max Eberl.

Einen Punkt oder gar einen Pflichtspielsieg hat Adi Hütter noch nicht erspielt in seiner neuen Funktion als Trainer von Borussia Mönchengladbach, aber das hielt die Anhänger vom Niederrhein am Samstag nicht davon ab, den Österreicher schon einmal zu feiern. „Aaaadi Hütter“ riefen die Leute bereits nach wenigen Minuten des Testspiels gegen den FC Groningen, das der Bundesligaklub am Ende 2:1 gewann.

DFB-Pokal

„Das hat gutgetan, klarerweise“, sagte der österreichische Neuzugang später höflich, ganz geheuer war ihm dieser Empfang jedoch nicht: „Wir werden gemessen, wenn es um Punkte geht, und es wäre mir lieber, wenn wir viele Spiele gewinnen und sie den Namen dann rufen.“ Gewiss hatte der frühere Trainer von Eintracht Frankfurt auch die Kraftausdrücke gehört, mit denen sein Vorgänger beschimpft wurde.

Marco Rose hat keine Freunde mehr unter den Fundamentalisten der Gladbacher Nordkurve, nachdem er mithilfe eine Ausstiegsklausel zum BVB übergelaufen ist. Dass Hütters Wechsel zur Borussia ähnlichen Mechanismen folgte – was soll’s. Die Emotionen kochen schnell hoch in Mönchengladbach, so viel weiß Hütter am Ende dieser Saisonvorbereitung. Viele andere Fragen sind aber vor dem ersten Pflichtspiel am kommenden Montag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) im DFB-Pokal beim 1. FC Kaiserslautern noch offen.

EM-Fahrer erst kurz wieder da

Abgesehen vom 18 Jahre alten Joe Scully spielte gegen den FC Groningen nicht nur das derzeit wohl stärkste verfügbare Team, sondern auch ein Ensemble, das genauso im Vorjahr hätte auflaufen können. Neun der elf Startelfspieler gehören sogar schon zwei oder mehr Jahre zum Stamm, und das 4-2-3-1-System ist dem Publikum ebenfalls sehr vertraut.

Es wäre wenig überraschend, wenn genau diese Mannschaft am kommenden Montag in Kaiserslautern auflaufen und auch stilistisch stark an die jüngere Vergangenheit erinnern würde. „Vom Kopf her“ sei sein Team zwar schon bereit, den etwas aggressiveren und vielleicht auch risikofreudigeren Fußball zu spielen, der ihm vorschwebe, sagte Hütter. Weil aber die vielen EM-Teilnehmer erst wenige Tage dabei sind und ihren Trainingsrückstand aufholen müssen, werde das erst nach und nach deutlicher sichtbar werden.

Hütter muss sich wie so viele seiner Kollegen auf dem ganzen Kontinent erst mal in Geduld üben. In den ersten Tests musste er aufgrund des ausgedünnten Kaders improvisieren, und gegen Groningen sei die Borussia „zu oft dem Ball hinterhergelaufen, das hat mir nicht so gut gefallen“, monierte Hütter. Der Österreicher hat in seinen ersten Wochen bei der Borussia Talente wie Scully, Rocco Reitz oder Keanan Bennetts kennenlernen können, ist aber froh, „dass jetzt alle da sind, um an vielen Schrauben zu drehen, die wir noch brauchen“. Wobei das nicht ganz korrekt ist. Denn noch ist ziemlich unklar, an welchen Stellen im Kader sich noch Veränderungen ergeben werden.

Sportdirektor Max Eberl ist eigentlich ein sehr weitsichtiger Planer, in der Vergangenheit hatte er meist schon im Frühjahr alle wichtigen Transfers abgeschlossen und konnte in den Sommerwochen entspannt beobachten, wie die Konkurrenz immer nervösere Deals abschloss. Die Tatsache, dass derzeit eigentlich nur noch Paris St. Germain und die traditionell sehr spät agierenden englischen Klubs größere Summen ausgeben, lähmt in diesem Jahr das ganze Geschäft, weil für viele Transfers erst das frische Geld aus Manchester, London oder Liverpool ins System eingespeist werden muss. Er selbst sei recht gelassen, behauptete Hütter dennoch, es genüge, „wenn Max ein wenig ungeduldiger ist, der das gar nicht in der Form so kennt“.

Wer hat welche Angebote?

Vor dem Abschluss stehen bislang erst kleinere Geschäfte. So zeichnet sich ab, dass der 18 Jahre alte Außenverteidiger Luca Netz von Hertha BSC für eine Ablöse von vier Millionen Euro an den Niederrhein kommt. Offiziell bestätigen mag das zwar noch niemand, aber der neue Berliner Manager Fredi Bobic sagte dem Berliner Kurier: „Es geht in die Richtung. Wir wünschen ihm alles Gute.“ Wichtiger für den Charakter des künftigen Kaders sind aber andere Kaliber.

Es kursieren Gerüchte über Angebote für Denis Zakaria, Jonas Hofmann, Alassane Pléa, Matthias Ginter und Florian Neuhaus. Erst mit Großeinnahmen durch diese Spieler könnten prominentere Nachfolgekandidaten finanziert werden. Immer wieder wird der französische Flügelspieler Romain Faivre von Stade Brest genannt, dessen Marktwert bei rund 13 Millionen Euro liegt, aber noch halten alle still. In Mönchengladbach werden damit nicht nur die ersten Partien in Kaiserslautern und gegen den FC Bayern zum Bundesligastart interessant, sondern auch Eberls bevorstehende Transfermarktaktivitäten.

Quelle: F.A.Z.
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