Gladbacher Auswärtskrise

Wirklich nur der letzte Pass?

Von Günter Klein
19.09.2021
, 15:37
Vermeintlich ratlose Gladbach-Profis: Joe Scally, Laszlo Benes, Kapitän Lars Stindl und Florian Neuhaus (v.l.n.r.)
Die Borussia kreist vergeblich um den Augsburger Strafraum. Von einem Auswärtskomplex will Trainer Adi Hütter nach dem 0:1 dennoch nichts wissen.

Erstmals in dieser Saison konnte der FC Augsburg das komplette erlaubte Kontingent von 12 .500 Eintrittskarten absetzen, und das lag nicht an der eigenen Attraktivität, sondern an der Strahlkraft des Gegners. Auf den Parkplätzen rund um die Arena war zu beobachten, wie sich auch aus Fahrzeugen mit Münchner Kennzeichen Fans in Mönchengladbacher Trikots schälten. In den Wochen davor gegen Hoffenheim und Leverkusen hatten die Spiele sich noch so angefühlt wie aus der Geisterzeit.

Die Borussia vom Niederrhein hat nichts von ihrer Wirkung verloren, aber Augsburg erwies sich abermals als schlechtes Pflaster, wie schon am 25. Spieltag 2020/21, als die Gladbacher es schafften, das sechste Pflichtspiel nacheinander zu verlieren: ein 1:3 bei einem schwer angeschlagenen FC Augsburg, der sich selbst wunderte, wie ihm trotz Unterlegenheit in allen statistischen Kategorien ein solch klarer Sieg hatte gelingen können.

Bundesliga

An die Partie von damals – mit Heiko Herrlich für den FCA und Marco Rose bei Mönchengladbach an der Seitenlinie – kamen am Samstag Erinnerungen auf. Augsburg, nun unter der Regie von Markus Weinzierl und mit einem Treffer aus vier Spielen die offensivschwächste Mannschaft der Liga, schaffte es, die Gladbacher mit einem 1:0 in der Tabelle zu überholen. „Wenn wir jedes Mal mit einer solchen Ballbesitzquote 1:0 gewinnen, bin ich zufrieden“, sagte Weinzierl. Die Quote hatte 29 Prozent betragen, in einem Heimspiel. Noch sechs Prozent weniger als beim 3:1 ein halbes Jahr davor.

„Wir spielen und spielen und spielen und kommen nicht in den Sechzehner“

Die Gladbacher hatten nicht damit gerechnet, dass ihnen in Augsburg ein weiteres Spiel auf die bekannte Art missglücken würde. „Wir haben gegen Bielefeld drei Tore gemacht“, sagte der neue Trainer Adi Hütter und glaubte die Schwäche der ersten drei Runden seit der vierten offenbar überwunden. Doch dann musste sein Kreativkopf Lars Stindl feststellen: „Wir spielen und spielen und spielen und kommen nicht in den Sechzehner.“ Es gelang nur einmal überzeugend, in der ersten Halbzeit, da schloss Alassane Plea ins Augsburger Tor ab, aber aus Abseitsposition. Stindl fand, man hätte dann „wenigstens einen Punkt mitnehmen müssen“, doch das erledigte sich in der 80. Minute, als Nico Elvedi einen langen Augsburger Ball falsch einschätzte und Florian Niederlechner, der beste und einzige Torschütze des FCA in dieser Saison, das Siegtor erzielte.

Tabellarisch und weil seine beiden nächsten Gegner Dortmund und Wolfsburg sind, ist Mönchengladbach nun in den Abstiegskampf verwickelt, was es aber zu dieser frühen Saisonphase so nicht empfindet. Hütter sagt: „Ich bin keiner, der jammert“, er will aber verwiesen haben auf die Personalsituation, die ihn zum Verzicht auf „Leute, die Stamm- und Topspieler waren“, zwingt. Die in der Not eingesetzten „Scally, Beyer und Netz nehmen eine gute Entwicklung. Ich kann der Mannschaft auch nichts vorwerfen, die zweite Halbzeit hat mir gefallen, der letzte Pass ist halt nicht gelungen. Wir werden gut analysieren und gut trainieren.“ An einen Auswärtskomplex will Hütter nach drei Niederlagen „nicht glauben“. Das ist für ihn nur Statistik. Noch.

Quelle: F.A.Z.
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