Frankfurter Zukunftsplanung

Darum will die Eintracht mit Hütter verlängern

Von Jörg Daniels
12.07.2020
, 16:11
Ein neuer Vertrag von Eintracht-Trainer Adi Hütter ist ausgehandelt. Bald soll er sich für eine längere Zeit an den Klub binden. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben – und was besser werden muss.

Der in Vorarlberg (Hohenems) geborene Adi Hütter kann sich gut vorstellen, Trainer der österreichischen Nationalmannschaft zu werden. Aber das ist kein Thema, das den 50 Jahre alten Eintracht-Trainer aktuell beschäftigt, es ist eine Zukunftsvision. Zum einen hat der deutsche Auswahltrainer Franco Foda seinen Vertrag in Österreich jüngst bis zum Ende der WM-Qualifikation im Jahr 2022 verlängert. Und die berufliche Perspektive von Hütter wird auch in Zukunft außerhalb seiner Heimat liegen: im Herzen von Europa, in Frankfurt.

F+ FAZ.NET komplett

Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

Denn momentan deutet alles darauf hin, dass sich der Fußballlehrer demnächst bis zum Ende der Bundesliga-Saison im Jahr 2023 an die Eintracht binden wird. Es ist der große Wunsch von Sportvorstand Fredi Bobic, die Zusammenarbeit mit Hütter – dessen Vertrag ist noch bis zum 1. Juli 2021 datiert – vorzeitig zu verlängern, am liebsten zusätzlich mit einer Option auf die Spielzeit 2023/2024. Die wesentlichen Vertragsbestandteile sind zwischen den Parteien bereits festgelegt worden, nun bedarf es wohl nur noch der Unterschrift.

In Zeiten großer Unsicherheit aufgrund der Corona-Pandemie schafft die neue Übereinkunft Planungssicherheit auf der zentralen Position. Außerdem sind die Verantwortlichen der Überzeugung, mit dem Berner Meistertrainer von 2018 unter dem Strich einen Garanten für Erfolg und Stabilität in ihren Reihen zu haben. Trotz zwischenzeitlicher Rückschläge konnte Hütter in der Endabrechnung alle Zielvorgaben erfüllen.

In den vergangenen beiden Bundesliga-Spielzeiten mit den Plätzen neun und sieben gewann der Trainer insgesamt 99 Punkte mit seiner Mannschaft. Diese Ausbeute beschert ihm einen persönlichen Top-Platz im Ranking der erfolgreichsten Frankfurter Erstliga-Trainer. Von insgesamt 104 Pflichtspielen, die das zurückliegende Mammutprogramm der Eintracht eindrucksvoll dokumentieren, hat Hütter 50 mit seinem Team gewonnen, 35 gingen verloren. Auch das ist in der Gesamtbetrachtung eine vorzeigbare Bilanz.

Frei von Reibung ist die Zusammenarbeit zwischen Hütter und Bobic nicht. Beide sind nicht immer einer Meinung. Aber sie wissen auch in problematischen Zeiten gut damit umzugehen, weil sich der Trainer und der Sportvorstand immer mit gegenseitigem Respekt begegnen. Es wird lösungsorientiert gearbeitet. Hütter ist in den schwierigen Saisonphasen der Eintracht nicht entgangen, dass nie Zweifel an seiner Arbeit laut geworden sind. Er spürte stattdessen immer die volle Rückendeckung seiner Vorgesetzten, die ihn auch nach Niederlagenserien nach Kräften stärkten.

Ein Defizit an Vertrauen hätte Hütter, der in seinen zwölf Trainerjahren bisher erst ein Mal entlassen wurde, tief getroffen. So aber sieht er in der Spitze und Breite ein sehr gutes Verhältnis zu allen Frankfurter Vorstandsmitgliedern, das Gleiche gilt für den Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Steubing. Das ist für Hütter, der heute auf etwas mehr als 500 Pflichtspiele auf dem Trainerposten zurückblicken kann, die Basis einer langfristigen und mit Erfolg verknüpften Arbeitsbeziehung. Das Zwischenmenschliche muss stimmen.

Und natürlich die Perspektive, die ihm sein Arbeitgeber bieten kann. Der ehemalige Nationalspieler will nie in den Ruf kommen, als Trainer ein geeigneter Feuerwehrmann zu sein. Der Abstiegskampf entspricht nicht seinen Vorstellungen vom bevorzugten Arbeitsgebiet. Hütter möchte für sich und seinen Verein die Perspektive nach oben sehen. In dieser Ausrichtung findet er seinen Ehrgeiz wieder. Und das Bedürfnis, sich auch selbst auf hohem Niveau weiterzuentwickeln.

An oberster Stelle steht für Hütter die strategische Marschrichtung des Klubs in den kommenden Jahren. Er muss für sich die Chance sehen, nach seiner Handschrift die Mannschaft taktisch und spielerisch voranbringen zu können. In der kommenden Saison, die mit dem ersten Bundesliga-Spieltag am 18. September beginnen soll, wird Hütter dafür voraussichtlich mehr Zeit als in den vergangenen beiden Spieljahren mit dem extrem dichten Programm haben, weil die Eintracht im europäischen Spielbetrieb wohl nicht vertreten sein wird und damit die Dreifachbelastung wegfällt.

F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Dafür spricht nicht nur das 0:3 im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League zu Hause gegen Basel, das die Frankfurter am 6. August (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) in der Schweiz – schon kurz nach ihrem Trainingsstart Ende Juli – wettmachen müssen. Selbst wenn den Hessen die Überraschung gelingen sollte, müssten sie den Wettbewerb gewinnen, um sich dann sogar auf der größtmöglichen Bühne in der Champions League präsentieren zu können.

Weit realistischer ist die vorzeitige Vertragsverlängerung von Hütter bei der Eintracht. Die aktuelle Mannschaft, verstärkt mit dem einen oder anderen Spieler, gibt dem Trainer als konkurrenzfähiges Grundgerüst die Gewissheit, einen einstelligen Tabellenplatz in der Bundesliga abermals erreichen zu können. Nach oben ist der nötige Spielraum vorhanden. Hütter fühlt sich in Frankfurt sportlich und menschlich zu Hause. Das zählt für ihn als gute Zukunftsperspektive.

Die zurückliegende Saison mit der Achterbahnfahrt in der Bundesliga hat Hütter gefordert, aber persönlich auch reifen lassen. Er hat dem Druck standgehalten und die richtigen Lösungen gefunden. Das hat ihm Selbstsicherheit verschafft. Die Eintracht und ihr Trainer, der sein Tun ständig hinterfragt und der sich im Saisonverlauf taktischer Variabilität nicht verschlossen hat, wissen jetzt, dass sie gemeinsam Krisen – an den letzten sieben Spieltagen der Hinrunde holten die Frankfurter nur einen Punkt – bewältigen können.

Nur sollten diese in Zukunft vermieden werden. Auf dem Arbeitszettel von Hütter steht für die neue Runde deshalb ein Themenschwerpunkt: Die Eintracht muss die Zahl ihrer Gegentore – in der Vorsaison waren es 60 in 34 Spielen – deutlich minimieren. Auf den Außenbahnen muss sie im Gegensatz dazu mit neuem Personal an Geschwindigkeit zulegen. Als Tempomacher hat sich Hütter in seiner Zeit in Frankfurt bereits bewährt. Und diese ist noch lange nicht zu Ende.

Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot