Hertha vor der Relegation

„Wir haben das Minimalziel erreicht“

Von Sebastian Stier, Dortmund
15.05.2022
, 09:32
Müssen nachsitzen: Berlins Marco Richter, Torwart Marcel Lotka, Dedryck Boyata und Vladimir Darida (von links nach rechts).
Video
Einmal mehr vergibt Hertha BSC den vorzeitigen Klassenerhalt – und muss nun nachsitzen. Felix Magath ist bemüht keine negative Stimmung aufkommen zu lassen. Seine Bilanz macht Mut, eine andere nicht.
ANZEIGE

Seine Arbeitskleidung hat Felix Magath am Sonntag gleich im Schrank gelassen. Stattdessen kam er in Hemd und Jeans zum Trainingsplatz. Dort blieb er nur kurz, die Leitung der Einheit überließ er seinem Assistenten Mark Fotheringham. Magath hatte Dringlicheres zu tun: Er begab sich auf den Weg nach Hessen, wo der gastgebende SV Darmstadt 98 am Nachmittag den SC Paderborn empfing. Fotheringham fuhr nach dem Training nach Rostock, um sich dort den Hamburger SV anzusehen.

Bundesliga

Für Herthas Trainerteam ging es darum, den möglichen Gegner in der Relegation zu beobachten. Dass die Berliner an den zwei Ausscheidungsspielen würden teilnehmen müssen, stand nach dem letzten Spieltag der Bundesliga fest. Herthas 1:2 bei Borussia Dortmund und der gleichzeitige dramatische Sieg des VfB Stuttgart gegen Köln führten dazu, dass Hertha weiter um den Klassenverbleib zittern muss.

ANZEIGE

Magath war am Sonntag und schon am Vortag auffällig bemüht, trotz der aus Berliner Sicht fatalen Ereignisse keine negative Stimmung oder Anflüge von Resignation aufkommen zu lassen. So wehrte er sich entschieden dagegen, dass nun der schlimmstmögliche Fall eingetreten ist. „Wir haben das Minimalziel erreicht und uns vom Siebzehnten auf den sechzehnten Platz vorgearbeitet und jetzt zwei Mal die Gelegenheit zu zeigen, dass wir ein Erstligist sind“, sagte Magath.

Ansprechende Leistung

Dabei ging er nicht näher darauf ein, dass es seine Mannschaft seit drei Wochen verpasst hatte, sich zu retten, und dabei einen Vorsprung von vier Punkten auf den VfB verspielte. Gelegenheiten zum Klassenverbleib gab es genug. Ein Sieg in Bielefeld wurde ebenso leichtfertig vergeben wie ein möglicher Punktgewinn gegen Mainz oder nun in Dortmund.

ANZEIGE

Wobei die „Alte Dame“ beim BVB noch die ansprechendste Leistung zeigte. Von Verkrampfung oder Druck war wenig zu spüren, die Berliner bestimmten die Anfangsphase und gingen nach einem von Ishak Belfodil verwandelten Foulelfmeter in Führung. Das Spiel kippte, als Erling Haaland Mitte der zweiten Halbzeit bei seinem letzten Spiel für Borussia Dortmund ebenfalls einen Elfmeter verwandelte. Schiedsrichter Tobias Stieler hatte ein Handspiel von Marvin Plattenhardt als strafwürdig eingestuft, obwohl ihn der Ball aus relativ kurzer Distanz traf.

Bundesliga

Magath hatte für die Entscheidung keinerlei Verständnis. „Das hat nichts mehr mit Sport zu tun. Mit Fußball schon mal gar nicht“, sagte er. Das zweite Dortmunder Tor durch Youssoufa Moukoko brachte Hertha ins Hintertreffen, und als Stuttgarts Wataru Endo in der Nachspielzeit den VfB zum Sieg schoss, war klar, dass Hertha in die Relegation muss. „Das stand schon seit Wochen oder Monaten im Raum“, gab sich Magath ungerührt.

ANZEIGE

Den einen oder anderen Spieler habe er in der Kabine zwar aufrichten müssen, aber das sei normal. Ihn habe das Spiel trotz des Ergebnisses optimistisch ge­stimmt. „Wir haben einen ebenbürtigen Auftritt gehabt. Unsere Mannschaft hat sich als Bundesligist dargestellt“, sagte Magath. „Wenn wir eine Leistung wie in Dortmund wiederholen, haben wir gute Aussichten, die Relegation zu überstehen und in der Liga zu bleiben.“

© Twitter

Um nichts anderes geht es für Hertha in den zwei Spielen am Donnerstag und darauffolgenden Montag. Ob Torwart Marcel Lotka dabei mithelfen kann, ist fraglich. Er erlitt in Dortmund eine leichte Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Zur Vorbereitung reist die Mannschaft am Dienstag ins Trainingslager im Olympiastützpunkt Kienbaum in Brandenburg. Dort will Magath seine Spieler auf die entscheidenden Begegnungen einschwören.

Wie es bei Hertha nach einem Abstieg weitergehen würde, kann derzeit kaum jemand sagen. Ein offen ausgetragener Machtkampf zwischen Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer vergiftet seit Wochen die Stimmung. Windhorst will Gegenbauer bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai unbedingt stürzen, da er aus seiner Sicht für die Misere des Vereins verantwortlich ist. Windhorst hatte dem Klub in den vergangenen drei Jahren 374 Millionen Euro zukommen lassen.

Mit dem Geld wollte er einen erfolgreichen Großklub in der deutschen Hauptstadt auf den Weg bringen, mit regelmäßigen Teilnahmen am Europapokal. Daraus wurde bisher nichts, regelmäßig war nur Herthas Verwicklung in den Abstiegskampf seit Windhorsts Einstieg. In den vergangenen zwei Jahren konnte man sich jeweils retten, nun stehen Ausscheidungsspiele an. Teilnehmer an der Relegation war Hertha schon einmal, die Erinnerungen daran sind aber keine guten. Vor zehn Jahren verlor man als Bundesligateam das Duell mit Fortuna Düsseldorf. Eine andere Statistik spricht dagegen für Hertha: Als Trainer ist Magath noch nie abgestiegen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
Sportwagen
Finden Sie Ihren Sportwagen
Ergometer
Ergometer im Test
ANZEIGE