FAZ plus ArtikelBundesliga in der Corona-Krise

Fußball in der Falle

Von Michael Horeni
11.05.2020
, 07:07
Zum Weiterspielen verdammt: Die Bundesliga braucht die Fortsetzung zum Selbsterhalt.
In der Bundesliga hat der Sportsgeist schon verloren. Dazu müssen Geisterspiele gar nicht erst angepfiffen werden. Aus diesem Dilemma gibt es für den Fußball kein Entrinnen.

Man muss sich einmal vorstellen, was im deutschen Fußball los wäre, wenn am Wochenende dieser Test in der Hauptstadt eines anderen deutschen Freistaats auffällig geworden wäre. 360 Kilometer südwestlich. Also nicht in Dresden, sondern in München. Wenn das Virus also den FC Bayern München und nicht Dynamo Dresden lahmgelegt hätte vor dem Neustart. Wenn am kommenden Samstag die Fußball-Bundesliga nach mehr als zwei Monaten Corona-Zwangspause ihr Comeback ohne den Tabellenführer und deutschen Meister beginnen müsste, weil alle Bayern-Spieler in häusliche Quarantäne geschickt wurden und die eigenen vier Wände zwei Wochen lang nicht mehr verlassen dürften – und nicht bloß die zweite Liga ihr Restprogramm vorerst ohne den Tabellenletzten aus Dresden abspulen muss, der sich genau in dieser Lage befindet.

Was wäre also gewesen, wenn der FC Bayern sein Corona-Auftaktspiel bei Union Berlin verpasst hätte und dann gleich noch das nächste gegen Eintracht Frankfurt – und dann mit zwei Spielen Rückstand erst im Juni in den extrem dicht gedrängten Rest der Saison gegangen wäre, ohne jedes Training? Die Bundesliga wäre eine Farce. In der zweiten Liga braucht man für diesen Fall keinen Konjunktiv mehr. Er ist eingetreten.

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Quelle: F.A.Z.
Michael Horeni - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Horeni
Korrespondent für Sport in Berlin.
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