Leverkusens bester Stürmer

Schick zeigt das volle Programm

Von Roland Zorn
17.10.2021
, 10:29
Patrik Schick hat bereits sechs Tore in der Saison erzielt.
Mit links, mit rechts, mit dem Kopf: Der Tscheche Patrik Schick schießt Tor um Tor und ist bei Bayer Leverkusen die klare Nummer eins im Sturm. Das soll nun auch der FC Bayern im Topspiel spüren.
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Das Kunststück des Jahres ist ihm schon vor Beginn der neuen Bundesliga-Saison geglückt. Bei der Fußball-Europameisterschaft im Juni und Juli setzte der Zocker Patrik Schick eine geniale Idee mit dem Feingefühl eines ausgefuchsten Stürmers in die Tat um. Der 25 Jahre alte Prager sah aus dem Augenwinkel, wie der arglose schottische Keeper Marshall ein paar Meter vor seinem Tor stand und nichts Böses ahnte. Schick dagegen dachte sich in diesem Moment: Versuch’s doch mal mit einem Heber.

Bundesliga

Der Mittelstürmer beförderte den Ball mit seinem linken Fuß auf eine Flugbahn, die den Torwart überraschte, der zu spät auf die Gefahr reagierte und den Ball erst wieder zu fassen bekam, als er schon im Netz lag. Es war das Tor des Turniers, ja, des Jahres, das der Angreifer von Bayer 04 Leverkusen an diesem 14. Juni in Glasgow zum 2:0-Sieg seiner Mannschaft mit all der Gerissenheit geschossen hatte, zu der dieser auf den ersten Blick arglos anmutende Beau von 1,91 Meter Länge bei Gelegenheit auch imstande ist.

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Bei der EM traf er insgesamt fünfmal – so oft wie der notorische portugiesische Schützenkönig Cristiano Ronaldo, dem indes der Goldene Schuh der Europäischen Fußball-Union zuteilwurde, weil er anders als Schick auch noch eine Torvorlage in seinem Portfolio gehabt hatte. Dafür bot der Tscheche, ausgebildet bei Sparta Prag, das volle Programm seiner Möglichkeiten: Treffer mit links wie rechts sowie mit dem Kopf und dazu ein Elfmetertor.

Patrik Schick: „Es passt alles“

Schick, in der Bundesliga-Spielzeit davor mit seinen neun Bundesliga-Treffern und zwei Torvorlagen auch wegen einer Reihe von Blessuren und wegen seines lange offenen Duells mit dem argentinischen Kollegen Lucas Alario eher ein Hidden Champion im rheinischen Aufgebot, machte unter dem neuen Leverkusener Trainer Gerardo Seoane gerade so weiter, wie er bei der EM im Viertelfinale aufgehört hatte.

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Er lieferte nicht nur verlässlich als Nummer drei der Torschützenliste mit bisher sechs Toren und zwei Assists, er beflügelte dazu auch das ohnehin rasante Angriffsspiel der Werkself mit seinen läuferischen, antizipativen und Vollstreckerqualitäten. Auf die Frage, ob die Bundesliga derzeit den besten Patrik Schick erlebe, den es bisher gab, antwortete er gegenüber der F.A.Z.: „Das kann man so sehen. Ich fühle mich gerade sehr wohl. Es passt alles.“

Kampf um die Torjägerkanone

Eine Aussage, die darauf deutet, dass Schick auch am Sonntagnachmittag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) beim Spitzenspiel daheim gegen den punktgleichen Meister und Ligaprimus Bayern München gegenüber dem Weltfußballer Robert Lewandowski nicht zurückstecken wird. Der Pole, seit vier Pflichtspielen ohne Tor, kam in dieser Saison wie der an guten Tagen unwiderstehliche Dortmunder Mittelstürmer Erling Haaland auf bisher sieben Tore. Mit anderen Worten: Es könnte sich ein spannender Dreikampf um die Torjägerkanone anbahnen.

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Den nähme Schick, „wenn es nach mir geht, gerne“ an, verweist aber darauf, dass sein Münchner Kollege „nicht nur in meinen Augen der beste Stürmer der Welt ist“ und sein norwegischer Rivale aus Dortmund bislang „eine überragende Bundesliga-Saison spielt“. Sollten sich die drei wechselseitig zu Höchstleistungen pushen und Schick „am Ende ähnlich viele Tore wie die beiden geschossen haben, würde das bedeuten, dass wir als Mannschaft gut abgeschnitten haben“.

Danach sieht im Augenblick alles aus, da Seoane eine Mannschaft hinter sich weiß, die ihre Gegner mit Wucht, Tempo, Spielkunst und Schnörkellosigkeit beeindruckt. Schick, dessen europäischer Vereinsweg über Sampdoria Genua, die AS Rom und RB Leipzig 2020 nach Leverkusen führte, sagt, gefragt nach den Gründen für das momentane Leistungshoch: „Es ist in erster Linie der Teamgeist. Wir haben uns als Mannschaft gefunden. In der Kabine herrscht eine gute Atmosphäre. Davon profitieren alle Mitspieler.“

Wovon der lange Prager vor allem profitiert, ist das kongeniale Zusammenspiel mit dem deutschen Jungstar Florian Wirtz. Der 18 Jahre alte zentrale Mittelfeldspieler, der auf bisher vier Tore und fünf Torvorlagen kommt, hat in Schick einen Partner, der ähnlich gut Fußball spielt wie er und dazu mit den funkelnden Vollenderqualitäten eines klassischen Mittelstürmers ausgestattet ist. Der sensible Torschütze vom Dienst hat sich in Leverkusen als eindeutige Nummer eins im Angriffszentrum durchgesetzt.

Und das in einem angenehmen Betriebsklima, in dem er zuzeiten auch tschechisch sprechen kann: mit dem aus der Slowakei stammenden finnischen Torwart, Kapitän und Spaßvogel Lukas Hradecky. Ein Mann, der Schick bestens versteht und notfalls dazu animieren kann, sich noch mehr als ohnehin schon zuzutrauen.

Quelle: F.A.Z.
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