Schalker Selbstzweifel vorbei

Ein würdiger Rückkehrer in die Bundesliga

Von Daniel Theweleit, Gelsenkirchen
14.08.2022
, 19:03
Marius Bülter erzielt den Treffer zum Ausgleich in der Nachspielzeit.
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Das entscheidende Tor gegen Gladbach ist mehr als nur ein Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit. Das erschütterte Schalker Selbstvertrauen kommt langsam zurück – mit einem glücklichen Ende?
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Selbst Daniel Farke war irgendwie hin- und hergerissen, als er die Hoffnung auf die Tabellenführung und einen Traumeinstand als Bundesligatrainer aufgeben musste. Statt zornig oder frustriert zu sein, lä­chelte der Trainer von Borussia Mönchengladbach sanft, nachdem Schalkes Stürmer Marius Bülter in der Nachspielzeit der Partie zwischen dem Aufsteiger und dem Traditionsklub vom Niederrhein per Elfmeter zum 2:2 getroffen hatte, wo­raufhin eine obsessive Jubelorgie in Gang geriet. „Da kocht der ganze Tempel. Das ist der beste Beweis dafür, dass ein Klub wie Schalke 04 in die Bundesliga gehört“, sagte Farke, der sich zweifellos ärgerte über diesen Gegentreffer.

Bundesliga

Aber der Zauber des Moments übte ei­ne gewisse Faszinationskraft auf jeden Menschen aus, der sich diesem Sport verbunden fühlt. Und wer nicht gerade tiefe Abscheu gegenüber Schalke 04 empfindet, der konnte den gebeutelten Gelsenkirchenern diesen Ausbruch der Freude auch irgendwie gönnen. Denn die Bedeutung des späten Ausgleichs geht weit über den bloßen Gewinn eines Punktes für die Tabelle hinaus. „Heute war es wichtig anzukommen, das heißt auch zu punkten, zu zeigen, wir sind konkurrenzfähig“, sagte Rouven Schröder, der Sportdirektor des Aufsteigers, nach dem Abpfiff.

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Werte verkörpern

Das Schalker Selbstvertrauen war ja während der vergangenen zweieinhalb Jahre in seinem Fundament erschüttert worden. Das Gefühl, in der Bundesliga dazuzugehören und als würdiger Konkurrent anerkannt zu werden, war nach dem tiefen Fall während der Pandemie einer latenten Angst vor einem dauerhaften Be­deutungsverlust gewichen. Mitunter wurde Schalke als Schmuddelkind wahrgenommen, das permanent neue Negativschlagzeilen produzierte, sportlich wie moralisch.

Im Raum stand die Frage, ob dieser Außenseiter vielleicht gar nicht mehr so gut hineinpasst in diesen Wettbewerb, der bestimmte Werte wie wirtschaftliche Vernunft und Nachhaltigkeit verkörpern soll. Nun hatte wieder einmal jeder spüren können, wie bereichernd dieser Verein sein kann.

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„Wir waren aggressiv, waren griffig“, sagte Trainer Frank Kramer, „das ist, was hierher passt, was die Leute sehen wollen, es ist unsere verdammte Pflicht, unser Herz auf den Platz zu schmeißen.“ Dass die Schalker voller Hingabe spielen würden, war keine große Überraschung, nicht zu erwarten war hingegen, dass diese nun im zweiten Sommer nacheinander runderneuerte Mannschaft fußballerisch derart überzeugend auftreten würde.

Daniel Farke konnte mit Borussia Mönchengladbach nicht gewinnen.
Daniel Farke konnte mit Borussia Mönchengladbach nicht gewinnen. Bild: EPA

Farke fand das Spiel der Schalker „sehr strukturiert“, besonders in der ersten Hälfte wirkte die Mannschaft reif und taktisch bestens vorbereitet. Und im Gegensatz zum ersten Spieltag erhielten die Schalker sogar Unterstützung vom Videoassistenten, der während der Nachspielzeit auf das Handspiel von Gladbachs Patrick Herrmann im Strafraum hinwies und da­mit das Elfmetertor möglich machte.

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Mannschaft entwickeln

Die wichtigste Erkenntnis bleibt aber, dass diese Mannschaft einfach sehr or­dentlichen Bundesligafußball spielen kann. Das wird auch dem Ruf des im Sommer verpflichteten Trainers guttun, von dem noch nicht alle Schalker überzeugt sind. In der zurückliegenden Saison war diese Mannschaft ja eher erfolgreich, weil besondere Spieler wie der Flankenspezialist Thomas Ouwejan, der Instinktstürmer Simon Terodde oder der risikobereite Rodrigo Zalazar mit ihren speziellen Qualitäten zu vielen Toren beitrugen.

In genau so einem Moment der individuellen Stärke schoss Zalazar aus großer Distanz das 1:0 (29.). Im neuen Spieljahr deutet sich nun an, dass dem Kaderplaner Schröder und dem neuen Trainer das Kunststück gelingen könnte, diese Mannschaft abermals entscheidend weiterzuentwickeln, auch spie­lerisch.

© Twitter

Die von dem japanischen Nationalmannschaftskapitän Maya Yoshida (kam von Sampdoria Genua) organisierte De­fensive wirkte stabil und selbstbewusst im Spielaufbau. Und im Mittelfeld verrichteten die Neuzugänge Tom Krauß (Nürnberg), Tobias Mohr (Heidenheim) und Alex Kral (Spartak Moskau) sehr solide Profiarbeit; nicht immer fehlerfrei, aber eindeutig bundesligatauglich.

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Besonders auffällig war Kral, der die Rolle eines Lenkers im Zentrum übernahm, jedoch in der Entstehung beider Gegentreffer etwas ungeschickt agiert hatte. Dennoch lobte Kramer den tschechischen Nationalspieler: „Er hat es gut gemacht, hat seinen Job erfüllt, war viel unterwegs. Wenn er den Ball hat, ist er sehr sicher am Ball, sehr sauber. Aber es gibt immer Luft nach oben.“

Das gilt für die ganze Mannschaft, doch nach zwei Partien zeichnet sich bei aller Vorsicht ab, dass sowohl der Kader als auch der Trainer das Potential haben, in dieser Konstellation einen erfolgreichen Abstiegskampf zu bestreiten.

Quelle: F.A.Z.
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