Fußball-Bundesliga

Das eindrucksvolle Statement von Arminia Bielefeld

Von Roland Zorn, Bielefeld
21.01.2021
, 23:09
Gekommen, um tatsächlich zu bleiben: Die Bielefelder Arminia zeigt beim 3:0 gegen Stuttgart, dass sie sich peu à peu in Deutschlands höchster Fußball-Spielklasse akklimatisiert hat.

Es war einer dieser magischen Abende, an dem ein bisher eher unscheinbar anmutender Aufsteiger mit leuchtenden Momentaufnahmen auf sich und seine Möglichkeiten hinwies. Das zwar zu hoch ausgefallene, aber dennoch spektakulär herausgespielte 3:0 des DSC Arminia Bielefeld über den VfB Stuttgart illustrierte schlaglichtartig und gestochen scharf wie in Ultra-HD, dass die Ostwestfalen wie ihre schwäbischen Mitaufsteiger das Format besitzen, erstklassig mithalten zu können, wenn große Momente über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Bundesliga

Die bis zum Mittwoch auswärtsstärkste Mannschaft (17 Punkte) wurde von der Arminia teils mit den eigenen Waffen in den Konteraktionen, teils mit der inzwischen ligaweit respektierten Bielefelder Beharrlichkeit im engmaschigen Verteidigen besiegt. Und wenn doch einmal ein Gegentreffer unvermeidlich schien wie bei Kalajdzics Schuss gegen die Laufrichtung von Stefan Ortega Moreno (72. Minute), war der fabelhafte Arminen-Torwart trotzdem in der Lage, den Ball abzuwehren, und sei es wie in diesem Fall mit der Hacke. Da konnte der Bielefelder Kapitän Stefan Klos nur noch staunen wie andere Menschen im Zirkus. „Der eine, den er da rausholt“, schwärmte der 33 Jahre alte Torschütze zum 1:0 (27.), „war unmenschlich. Mein erster Gedanke war, dass ich so etwas noch nie gesehen habe. Vielleicht geht das nur mit seinen X-Beinen.“

Der VfB stand nach den Treffern von Klos, einem Eigentor per Bauch durch Kempf (47.) und Doan (86.) mit leeren Händen da, obwohl er über weite Strecken dieses sehenswerten Duells gleichwertig war. Der große Unterschied hatte mit der Bielefelder Kaltschnäuzigkeit in den entscheidenden Momenten zu tun, die dem VfB ohne seine beiden nach der fünften Gelben Karte gesperrten Toptorschützen Wamangituka (neun Treffer) und Gonzalez (sechs) abging.

Neidischer Blick nach Ostwestfalen

Der DSC Arminia, der in seiner Bundesliga-Rückkehrsaison nach elf Jahren Zweitklassigkeit Zeit brauchte, um sich als souveräner Zweitligameister – mit zehn Punkten Vorsprung vor dem VfB – im neuen Ambiente zurechtzufinden, hat sich peu à peu nach sieben Niederlagen in Serie aus den ersten neun Spielen akklimatisiert. Nach zuletzt zehn Punkten aus den vergangenen fünf Spielen und 17 Punkten nach der Hinrunde stehen die Arminen als Tabellenfünfzehnter so gefestigt da, dass die auf den Absteigerrängen 17 und 18 mit Abstand schlechtesten Teams Mainz 05 und Schalke 04 bei zehn Punkten weniger im Kampf um den Klassenverbleib neidisch nach Ostwestfalen blicken.

Das hat vor allem damit zu tun, dass sich der Neuling auf seine robuste Abwehrkraft verlassen konnte. Mit 24 Gegentoren stehen die Bielefelder um ein Tor besser da als der Hinrundenprimus FC Bayern München. Dass sie nun auch das Toreschießen entdeckt haben nach einer Reihe minimalistischer Spiele – 1:0 beim FC Schalke, 0:1 gegen Mönchengladbach, 1:0 gegen Hertha, 0:0 gegen Hoffenheim – belegt einen Reifeprozess, der zu der aus ostwestfälischer Sicht erfreulichen Erkenntnis führt, sich in der Bundesliga behaupten zu können. Mit 13 Treffern sind sie in dieser Kategorie zwar noch immer Tabellenletzter, was aber auf Sicht nicht so bleiben muss.

Beispielhaft für das neue Selbstbewusstsein auf der „Alm“ war der zügig von hinten nach vorn herauskombinierte und von Klos in bester Torjägermanier vollendete Angriff zum 1:0. „Da hat man mal gesehen, dass wir auch kicken und mit Druck und Tempopassagen spielen können“, lobte Ortega seine attackierenden Kollegen, die ihren Drang nach vorn ebenso geschlossen auslebten wie die Bielefelder Verteidiger unter der Regie von Amos Pieper ihre Abwehraufträge.

So kommt man Schritt für Schritt weiter, wenn das Ganze von realistischen Einsichten begleitet wird. Ob er schon mal den Blick nach oben gerichtet habe, wurde Arminias Trainer Uwe Neuhaus nach der bisher besten Saisonleistung seines Teams gefragt. Der 61 Jahre alte Realo aus Hattingen im Ruhrgebiet antwortete staubtrocken, wie es seine Art ist: „Wenn der Blick nach oben Platz vierzehn bedeutet, mache ich das.“

Quelle: F.A.Z.
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