Bundesliga und Corona

Der Fußball soll geben, nicht nehmen

EIN KOMMENTAR Von Peter Heß
27.04.2020
, 13:29
Soll die Fußball-Bundesliga trotz der Corona-Krise mit Geisterspielen schon bald starten dürfen? Die Lage ist in vieler Hinsicht schwierig. In dieser Debatte sind derzeit viele Stimmen zu hören, eine nicht.

Die Lage ist in vieler Hinsicht schwierig. Die Fußball-Bundesliga will und braucht Geisterspiele, damit einige Vereine wirtschaftlich überleben können, aber es gibt in Politik und Gesellschaft nicht nur Unterstützer, sondern mehr noch Kritiker, die vor allem ein Argument heranziehen: Warum sollten Unternehmen privilegiert werden, die horrende Umsätze erzielen, aber keine oder kaum Rücklagen bilden, um eine Krise überstehen zu können? Dabei steht die Qualität der von der DFL erarbeiteten Abwicklungs- und Hygienestrategie gar nicht im Mittelpunkt der Diskussionen. Die wird allgemein als durchdacht anerkannt. Es geht vornehmlich um die Vorbildfunktion des Profifußballs und um den Solidaritätsgedanken.

F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Auch in anderen Wirtschaftsbranchen steht die Existenz auf dem Spiel. Und innerhalb des Sports ist es Sparten wie dem Golf oder auch Tennis nicht zu vermitteln, wieso im Fußball Geisterspiele stattfinden können, aber ihre Sportkameraden die Grüns und die Courts nicht betreten dürfen.

In dieser Debatte sind viele Stimmen zu hören, eine nicht: die der Frankfurter Eintracht. Kein Vorstandsmitglied, kein Mitglied des Aufsichtsrates oder der sportlichen Leitung argumentiert beim Pro und Contra mit, niemand stellt Forderungen, niemand äußert auch nur Wünsche über die Feststellung hinaus: Wir sind prinzipiell auch für Geisterspiele. Wann der Zeitpunkt reif sei? Kein Kommentar. Man vertraue bei der Einschätzung den Experten. Dafür zeigt die Eintracht ihre Solidarität mit der Gesellschaft, indem sie sich einerseits punktgenau an alle Vorschriften hält, womit sie sich in der Trainingsgestaltung von einigen Konkurrenten unterscheidet.

Andererseits engagiert sich der Verein mit Verve für soziale Zwecke. Von Lieferdiensten für Vereinsmitglieder über eine Vermittlungs-Plattform für Hilfsangebote bis hin zur Aktion „Auf jetzt“, womit die Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Dass Profis wie Kevin Trapp, David Abraham, Danny da Costa und Mijat Gacinovic bei Mitmenschen auftauchen, Empathie zeigen und Gutes tun, ist das Zeichen, dass die Eintracht verstanden hat. Es ist im Profifußball die Zeit zu geben, nicht zu nehmen.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot