Kapitän Wataru Endo

Er ist Stuttgarts stiller Retter

Von Matthias Schmid, Stuttgart
15.05.2022
, 17:13
Wataru Endo feiert mit den Anhängern nach dem Spiel.
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Balldieb, Passgeber und Torschütze: Mit seinem Treffer gegen Köln sichert Wataru Endo Stuttgarts Verbleib in der Bundesliga zum spätmöglichsten Zeitpunkt – und demonstriert damit den Teamgeist des VfB.
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Pellegrino Matarazzo, der Cheftrainer des Fußball-Bundesligaklubs VfB Stuttgart, sah nur noch, wie sich das Netz wölbte in dieser hinreißend verrückten Partie gegen den 1. FC Köln. Mehr nicht. Wer der Torschütze war in der zweiten Minute der Nachspielzeit hatte er nicht erkennen können. Erst als das Vereinsmaskottchen Fritzle in dem ganzen bizarren Gefühlschaos aus Freude und Ungläubigkeit plötzlich über ihm lag, erfuhr Matarazzo, dass Wataru Endo den 2:1-Siegtreffer per Flugkopfball erzielt hatte.

Bundesliga

Es war der wichtigste Treffer für den Japaner im Trikot mit dem roten Brustring. Denn das Tor sicherte den Stuttgartern am Samstag nach einer wechselhaften und aufreibenden Spielzeit doch noch den Klassenverbleib in der Bundesliga zum fast spätestmöglichen Zeitpunkt. „Ich freue mich sehr für ihn“, sagte Matarazzo hinterher. Dieses Tor passe perfekt zu Endo. „Es war eines des absoluten Willens, Wataru ist ein toller Führungsspieler, der monatelang in jeder Partie marschiert ist.“

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Es dauerte fast eine Stunde, bis sich der VfB-Kapitän Endo und die übrigen Spieler des VfB am Samstagabend unter Mithilfe von behelmten Polizeireitern wieder aus der Kabine heraustrauten. In Sekundenschnelle hatten die Fans nach dem Schlusspfiff ekstatisch und wie von Sinnen den Platz gestürmt, während die Profis fluchtartig in die Gegenrichtung rannten. Der späte Klassenverbleib war zu viel für Teile des Stuttgarter Publikums, mit dem Sieg hatte sich Stuttgart noch auf Platz 15 an Hertha BSC vorbeigeschoben.

Erfolgreiches Saisonende

Der eher stille Endo ist keiner, der sich gerne in den Mittelpunkt drängt, der 29-Jährige lässt lieber Taten statt Worte für sich sprechen, deshalb mussten ihn seine Mitspieler auch nach diesem so hochemotionalen Sieg nach vorne in die erste Reihe schieben. Endo nahm das Megafon und sprach also zur Cannstatter Kurve, wo im Stadion für gewöhnlich die fanatischsten Zuschauer stehen.

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Endo machte es kurz, wie es seine Art ist. Zunächst sprach er auf Englisch. Er bedankte sich artig beim Publikum und brachte dann nicht mehr heraus als „unfassbar“ und „unglaublich“, ehe er plötzlich ins Deutsche wechselte und unter dem infernalischen Lärm rief: „Ende gut. Alles gut.“

© Twitter

Der 29-Jährige aus Yokohama war 2019 vom belgischen Erstligaverein VV St. Truiden zum VfB gewechselt. Schon als Jugendlicher hatte er davon geträumt, eines Tages in der Bundesliga spielen zu dürfen. Doch zunächst musste er in Stuttgart mit der zweiten Liga vorliebnehmen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde aber schnell deutlich, dass der Japaner ein außergewöhnlicher Mittelfeldspieler ist, ein Musterprofi. Endo ist Balldieb, Passgeber und Torschütze in einem. Wobei er am Samstag selbst am meisten erstaunt darüber war, dass ihm der Siegtreffer gelungen war. „Ich habe tatsächlich getroffen“, wiederholte er immer wieder, um sich selbst zu vergewissern, dass er das alles nicht geträumt hatte.

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Keine konstante Saison

Nach dem Aufstieg mit Stuttgart machte er sogleich auch in der Bundesliga auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit Orel Mangala prägte er im Zentrum das Stuttgarter Kombinationsspiel mit den Ballstafetten. Dem technisch feinen Endo ist darüber hinaus kein Laufweg zu weit und kein Zweikampf zu viel. Und wenn es sein muss, grätscht er auch noch wie ein Guido Buchwald.

In dieser schwierigen Saison wirkte aber auch Endo über ein paar Wochen hinweg überspielt, müde, nicht ganz bei sich. Ihm unterliefen plötzlich Fehlpässe, nachdem man dachte, dass es diese in seinem Spiel gar nicht gäbe. Auf 52 Pflichtspiele war er 2021 gekommen, er spielte nach den Sommerspielen in Tokio einfach weiter. Aber verzichten konnte Matarazzo auf ihn nicht. Denn Endo bringt Struktur und Präzision ins Spiel, und vor allem lässt er sich auch von Rückschlägen nicht beirren. „Wataru steht deshalb sinnbildlich für unseren guten Teamspirit“, lobt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat.

Kommunikativ will er sich künftig mehr einbringen, hat Endo angekündigt, er geht deshalb zweimal in der Woche zum Deutschunterricht. Er möchte auch außerhalb des Platzes mehr Einfluss nehmen. Eine breitere Öffentlichkeit wird Endo bei der Weltmeisterschaft in Qatar kennenlernen, wenn die deutsche Nationalmannschaft in der Vorrunde auf die japanische treffen wird. „Ich kann es kaum erwarten“, sagt Endo. Doch zunächst wartet auf ihn erst eine längere Fußballpause. Er freut sich drauf, nun hat er endlich ausgiebig Zeit, sich seinen vier Kindern zu widmen.

Quelle: F.A.Z.
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