Fans müssen draußen bleiben

Geisterspiele bis Jahresende in Aussicht

27.08.2020
, 11:02
Dirigent vor leeren Reihen: Müllers Bayern müssen in der Bundesliga wohl weiterhin ohne Zuschauer klarkommen.
Auf Vorschlag der Kanzlerin sollen bis Jahresende keine Großveranstaltungen mit Zuschauern erlaubt werden. Davon sind auch alle großen Ligen betroffen. Nur regionale Ausnahmen könnte es geben.
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Die Mehrheit der Fans muss wohl draußen bleiben: Corona setzt dem deutschen Spitzensport weiter zu, die Hoffnungen auf eine nennenswerte Zuschauer-Rückkehr in die Arenen scheinen sich zu zerschlagen. Wegen der angespannten Pandemie-Lage in Deutschland drohen der Fußball-Bundesliga bis zum Jahresende Spiele vor leeren Zuschauerrängen. Auf Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollen größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern bis mindestens 31. Dezember 2020 verboten bleiben. Dies gelte etwa für „Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen-, Wein-, Schützenfeste oder Kirmes-Veranstaltungen“.

Dieses Verbot würde neben den Fußballklubs von der Bundesliga bis zur Regionalliga auch die Spitzenvereine im Handball, Basketball und Eishockey sowie weitere stark von Zuschauer-Einnahmen abhängige Sportarten empfindlich treffen. Die Bundesligasaison im Handball soll am 1. Oktober beginnen, die Basketballer und die Kufen-Cracks in der Deutschen Eishockey-Liga wollen im November in die Spielzeit 2020/21 starten

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Ein Hoffnungsschimmer für die Vereine: Ausnahmen könne es dem Vorschlag zufolge in Regionen mit sehr geringen Infektionszahlen geben. Als Richtwert soll gelten, wenn in den zurückliegenden sieben Tagen nicht mehr als 15 Infizierte auf 100.000 Einwohner kommen. Dann müsse aber sichergestellt sein, dass die Teilnehmer ausschließlich aus dieser Region oder aus umliegenden Regionen mit entsprechenden Entwicklungen kommen, heißt es in der Vorlage. Für die Vereine würde dies einen riesigen organisatorischen Aufwand bedeuten, der kaum zu stemmen wäre.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte am Mittwoch im Zusammenspiel mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein überarbeitetes Hygienekonzept vorgestellt und den Vereinen der Bundesliga und 2. Bundesliga zugesendet. Die 36 Klubs der DFL sollen den Leitfaden auf ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 3. September in den Statuten verankern. Darin sind auch personalisierte Tickets für Zuschauer vorgesehen. Die Versuche, Fakten zu schaffen, gingen allerdings schief. Der DFB musste seinen Zuschauer-Plan für das Nations-League-Spiel der Nationalmannschaft am 3. September in Stuttgart gegen Spanien verwerfen. Für ein kleines Kontingent von 500 Zuschauern wollte Präsident Fritz Keller die Stadiontore öffnen, das verhinderte allerdings die Europäische Fußball-Union (Uefa).

Absehbar wäre, dass es in den Top-Ligen zu keiner einheitlichen Lösung käme. Während Vereinen aus Regionen mit hohen Infektionszahlen weiter Geisterspiele drohen würden, dürften die Clubs aus Gegenden mit nur wenigen Corona-Erkrankungen auf Partien vor einem größeren Publikum hoffen. Gegen einen solchen Flickenteppich hatte sich vor dem Polit-Gipfel in Berlin Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ausgesprochen. Bei Fußballspielen vor Publikum dürfe es keine unterschiedliche Regelungen geben - „etwa in dem einen Land 30 Prozent und in dem anderen zehn Prozent besetzte Plätze“, sagte er der „Rheinischen Post“.

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Union Berlin ist zurückgerudert und wird am 5. September doch kein Testspiel vor 3000 Fans bestreiten. Auch aus der Partie des Ligarivalen Schalke 04 gegen den Zweitligaklub Würzburger Kickers vor geplanten 730 Besuchern in Tirol wurde aufgrund eines Coronafalls bei den Königsblauen nichts. All diese Rückschläge änderten allerdings nichts an den ehrgeizigen Vorhaben der Fußball-Protagonisten, an deren Spitze sich Bayernboss Karl-Heinz Rummenigge gestellt hatte. „Der Fußball braucht für seine Kultur Zuschauer“, sagte Rummenigge bei Bild live: „Deshalb müssen wir alle ein großes Interesse daran haben, dass so zeitnah wie möglich Zuschauer wieder im Stadion zugelassen werden.“ Rummenigge hoffte auf einen „Doppelpass“ mit der Politik. „Ich glaube, es ist wichtig, dass man uns Vertrauen gibt. Ich bin überzeugt, dass der Fußball das leisten kann“, betonte der Bayern-Boss, der auf eine Stadion-Auslastung von 15 bis 20 Prozent gehofft hatte.

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Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach sich auch dafür aus, Fans zumindest in begrenztem Umfang wieder in die Stadien der Fußball-Bundesliga zu lassen. „Die Bevölkerung versteht es nicht, wenn im Nahverkehr viele Menschen auf engem Raum unterwegs sein dürfen, aber ein Fußballspiel mit wenigen Zuschauern und großen Abständen nicht möglich sein soll“, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“.

Quelle: ad./sid/dpa
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