Darmstadt in zweiter Liga

Lieber Würzburg statt Super League

Von Alex Westhoff
20.04.2021
, 10:21
Fußballerische Magerstufe statt Duelle zwischen Champions: Die „Lilien“ sagen der Superliga ab. Womöglich aber ist die bevorstehende Partie gegen den Tabellenletzten gewürzt mit einem lohnenden Tagesziel.

Die „Lilien“ beteiligen sich nicht, sie sind raus. Die neugeschaffene Super League von europäischen Topvereinen wird, so hieß es klipp und klar aus der Zentrale in der Nieder-Ramstädter Straße, ohne den SV Darmstadt 98 stattfinden. „Wir glauben weiterhin, dass wir uns auf sportlichem Weg für den europäischen Wettbewerb qualifizieren können. Irgendwann. Vielleicht“, teilten die Südhessen via Twitter mit. Doch der fußballerische Geldadel gibt wohl nicht so schnell klein bei. Florentino Perez, Präsident von Real Madrid und einer der führenden Köpfe des Super-League-Projekts, solle bitte aufhören, am Böllenfalltor anzurufen, scherzten die Darmstädter weiter.

2. Bundesliga

Der ironisch-spöttische Ausflug ins große Fußballbusiness am Montag wirkte noch mehr zum Schmunzeln, weil sich die „Lilien“ als Zweitliga-Zwölfter gerade auf das Match beim Tabellenletzten Würzburger Kickers an diesem Dienstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga sowie bei Sky) vorbereiteten. Klassische fußballerische Magerstufe statt Duelle zwischen Champions.

Klassenverbleib in Aussicht

Aber womöglich aus Darmstädter Sicht gewürzt mit einem lohnenden Tagesziel: Denn bei einem Erfolg in Mainfranken dürften zwar nicht die Sektkorken knallen – dafür ist der Klassenverbleib für die „Lilien“ nur ein absolutes Mindestziel gewesen –, aber durchaus große Erleichterung vorherrschen. Denn mit dann 39 Punkten vor den abschließenden vier Saisonpartien würde niemand mehr ernsthaft in Frage stellen, dass die Darmstädter auch in der neuen Saison noch in der zweiten Liga zugegen sein werden.

„Unsere Ausgangsposition ist sehr gut“, sagt Cheftrainer Markus Anfang. „Wir wollen unseren Trend fortsetzen, weil wir noch nicht sicher sind.“ Elf Zähler aus den vergangenen sechs Partien sind die Grundlage dafür, dass der SVD zehn Punkte zwischen sich und die Abstiegszone getürmt hat. Nach drei Partien in Serie gegen aufstiegsambitionierte Teams, aus denen die „Lilien“ vier Punkte holten, geht es nun in die Niederungen des Tableaus. „Es ist nicht so, dass man zum Tabellenletzten fährt und diesen einfach mal so schlägt. Es wird schwer, in Würzburg zu punkten“, so Anfang, der ein „hartes und intensives Spiel“ erwartet.

Im Hinspiel hatten die Darmstädter leichtes Spiel gegen die Würzburger, die, von einem Corona-Ausbruch im Team geschädigt, nur mit einer Rumpftruppe am Böllenfalltor aufliefen. Nun rechnet Anfang mit mehr Angriffswucht der seit Monaten auf Rang 18 verharrenden Kickers – was den vorrangig auf Umschaltmomenten lauernden Südhessen in die Karten spielen könnte.

Im „Lilien“-Tor wird abermals Carl Klaus stehen. Der Ersatzmann, der seine Sache bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz seit über zwei Jahren beim 2:2-Remis gegen Fürth gut gemacht hat, wird den an der Wade verletzten Stammtorhüter Marcel Schuhen weiter vertreten. Auch wenn die Darmstädter selbst der gesicherten Zone im Abstiegskampf nahe sind, bleiben sie in der Schlussphase der Saison ein Faktor in der Liga. Oben wie unten. Mit einer Niederlage in Würzburg könnten sie das Rennen im Tabellenkeller enorm dramatisieren. Und in den Aufstiegskampf greifen sie auch noch ein, weil die „Lilien“ auch noch gegen Bochum, Heidenheim und Kiel antreten.

Quelle: F.A.Z.
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