Eintracht-Kader ist zu groß

„Das ist sehr unangenehm“

Von Ralf Weitbrecht
27.06.2022
, 20:41
Auf Oliver Glasner, hier im September 2021 beim Training, und die Eintracht wartet eine Saison voller sportlicher Höhepunkte.
Eintracht Frankfurt startet die Saisonvorbereitung. Trainer Glasner freut sich auf Mario Götze – und bedauert den Abschied von Martin Hinteregger. Doch idealerweise müssten noch weitere Profis gehen.
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Gebräunt, erholt und tatendurstig: Seit Sonntag ist Oliver Glasner wieder in der Stadt. Zurück in Frankfurt, zurück bei der Eintracht, die er mit dem Sieg der Europa League zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte geführt hat. An diesem Dienstag, zum offiziellen Trainingsstart um 11 Uhr, wird der Trainer wieder mittendrin sein in seiner Mannschaft, die ihr Gesicht auf etlichen Positionen verändert hat und mit der Glasner ein allumfassendes Ziel hat: „Besser werden.“

So hat es der 47 Jahre alte Coach am Montag auf seinem ersten offiziellen Pressetermin in der Vorbereitung auf die neue Saison gesagt. Besser als zuletzt Elfter in der Bundesliga. Besser als zuletzt ausgeschiedener Klub in der ersten Runde des DFB-Pokals. Und in der Champions League, in der sich die Eintracht erstmals überhaupt in ihrer Vereinsgeschichte präsentieren darf? Glasner hält es mit Sportvorstand Markus Krösche. Zunächst einmal die Gruppenphase überstehen, und dann schauen, was möglich ist.

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„Kribbeln und Vorfreude“

Glasner ist mit einem „großen Lächeln im Gesicht“ nach fünfwöchigem Urlaub nach Frankfurt zurückgekehrt, wie er sagte. „Kribbeln und Vorfreude sind da.“ Acht neue Profis haben sich in den vergangenen Wochen bislang der Eintracht angeschlossen. „Stand heute“, sagte Glasner, wäre er mit dem zufrieden, was Manager Krösche verpflichtet hat. „Vorausgesetzt, wir verlieren keinen Stammspieler mehr.“

Dies kann durchaus noch passieren. Seit Wochen wird damit gerechnet, dass beispielsweise Filip Kostic den Klub verlässt und eine neue sportliche und wirtschaftliche Herausforderung bei Juventus Turin startet. Allein: Kostic ist immer noch bei der Eintracht – so wie auch Evan Ndicka und Daichi Kamada. „Man weiß nie, was noch passiert“, sagte Glasner. Das Transferfenster schließt am 1. September. Bis dahin kann in der Tat das Personalkarussell noch ein bisschen in Bewegung geraten.

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„Mario findet sich hier bei uns wieder“

Kostic wird ebenso wie Torhüter Kevin Trapp am 7. Juli im Trainingsbetrieb erwartet, Kamada am 5. Juli, wie Glasner betonte. Der Trainer freut sich, alte und neue Spieler um sich zu haben – auch den Weltmeistermacher von 2014, Mario Götze. „Wir wollen seine Stärken in unser System integrieren“, sagte der Eintracht-Trainer. „Er bringt viel Erfahrung mit. Ich habe ihm erklärt, wie wir Fußball spielen wollen. Dies hat ihn davon überzeugt, dass es ein ganz cooles Projekt ist. Mario findet sich hier bei uns wieder.“

Spieler für die gemeinsame Sache gewinnen, sie mit dem System eins werden lassen: So ähnlich ist das schon in der vergangenen Saison gelaufen, als beispielsweise Ansgar Knauff aus Dortmund zur Eintracht gekommen ist. „Ansgar hat Tempo und Tiefgang“, sagte Glasner. „Für uns lautete also die Frage: Wie können wir das integrieren und was können wir tun, um sein Defensivverhalten zu verbessern?“ Überlegungen, die nun auch für Götze und die anderen gelten, die sich der Eintracht in der Überzeugung angeschlossen haben, in Frankfurt einen weiteren Karriereschritt machen zu können.

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Der Kader ist zu groß

Glasner sagte am Tag vor dem gemeinsamen Trainingsstart, dass stets ein Leitmotiv im Vordergrund stehe: „Was können wir noch rauskitzeln?“ Derzeit umfasst der Frankfurter Kader 30 Profis – 27 Feldspieler und drei Torhüter. Glasner findet, „dass wir uns phantastisch verstärkt haben“.

Klar ist aber auch: Die Gruppe ist zu groß. „Wenn wir im Training elf gegen elf spielen, müssen acht zugucken. Das ist sehr unangenehm“, sagte Glasner. 22 bis 23 Feldspieler plus drei Tormänner: „Das würde prinzipiell ausreichen.“ Und würde bedeuten, dass Sportvorstand Krösche weiterhin am Personaltableau basteln und Spieler abgeben muss. So oder so: Ziel sollte es sein, „dass jede Position doppelt besetzt ist“, wie es Glasner am Montag ausführte.

Einer der Neuen im Team ist Aurelio Buta. Der Rechtsverteidiger von Royal Antwerpen, ausgestattet mit einem Vierjahresvertrag bis Mitte 2026, wird erst später eine erstklassige Alternative sein. Glasner rechnet wegen Komplikationen rund um eine Knie-Operation nicht vor September mit dem 25 Jahre alten Defensivspieler.

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Einladung an Hinteregger

Dass mit Martin Hinteregger einer überhaupt nicht mehr dabei ist, bedauert Glasner. „Ich finde es sehr schade. Ich habe Martin nach seiner Entscheidung, die Profikarriere zu beenden, menschlich relaxt und befreit erlebt“, sagte der österreichische Fußballlehrer über seinen Landsmann. „Wenn es um den Menschen Martin Hinteregger geht, war es die richtige Entscheidung.“ Glasner würdigte Hintereggers Wirken mit den Worten: „Er hat den Aufstieg der Eintracht entscheidend als Spieler und Typ mitgeprägt. Ich habe ihm gesagt, dass er jederzeit bei uns willkommen ist.“

Jederzeit beim Trainer willkommen: Oliver Glasner bedauert das Karriereende seines Abwehrchefs Martin Hinteregger.
Jederzeit beim Trainer willkommen: Oliver Glasner bedauert das Karriereende seines Abwehrchefs Martin Hinteregger. Bild: picture alliance / GES/Markus Gilliar

Eine Einladung, die der 29 Jahre alte Kärntner beim Wort genommen hat. Schon am Montag, als die Mannschaft fernab der Öffentlichkeit Leistungstests absolvierte, schaute Hinteregger bei den alten Kameraden vorbei. Glasner fand es geradezu „toll, wie gerne hier bei Eintracht Frankfurt die ehemaligen Spieler, Trainer und Vorstände gesehen werden“.

„Tolle Geschichte“

Für das, was auf die Eintracht sportlich in drei Wettbewerben zukommt, sieht Glasner seine Truppe gut gerüstet. „Wir haben eine funktionierende Mannschaft und werden die neuen Spieler nach und nach integrieren.“ Einige von ihnen dürften schon beim ersten Pflichtspiel dabei sein.

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Als Glasner auf den Bundesligastart gegen die Bayern sowie den Supercup gegen Real Madrid angesprochen wurde, kam der Coach als Erstes auf den DFB-Pokal zu sprechen. „In Magdeburg, vor 30.000“, wie Glasner respektvoll sagte. Das gesamte Auftaktprogramm mit diesen drei Herausforderungen bezeichnete er als „tolle Geschichte“.

Für Präsident Peter Fischer ist es eine tolle Geschichte, dass die von ihm angeführte Eintracht jetzt schon 110.000 Mitglieder unter ihrem Dach weiß. Seit dem Europa-League-Sieg in Sevilla hat es damit eine Steigerung von weiteren zehn Prozent gegeben.

Um die gesteckten Ziele, besser zu werden und damit bessere Platzierungen und Ergebnisse zu erreichen, setzt Glasner unvermindert auf den Konkurrenzkampf in seinem noch abzuspeckenden Kader. „Die neuen Spieler machen Dampf, damit sich ja keiner ausruhen kann“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer. Glasner setzt darauf: „Wir müssen das Feuer spüren, um hier bei Eintracht Frankfurt richtig Gas zu geben.“ An diesem Dienstag geht es los.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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