5:1 in Bielefeld

Eine sehenswerte Gala von Eintracht Frankfurt

Von Roland Zorn, Bielefeld
23.01.2021
, 17:28
Nach guten Spielen zuletzt kassiert die Arminia im Kampf gegen den Abstieg einen Dämpfer. Eintracht Frankfurt ist kaum zu halten und trifft fast nach Belieben. Auch Joker Jovic ist wieder erfolgreich. Wo soll das noch hinführen?

Europa rückt mehr und mehr ins Sichtfeld der Frankfurter Eintracht, die an diesem Samstag mit einem 5:1-Erfolg beim Bundesliga-Rückkehrer Arminia Bielefeld den Sprung von Rang acht auf den Europa-League-Platz sechs schaffte. Die Hessen, deren Offensivgrößen André Silva und Filip Kostic zu handlungsschnell und zu gut für den Tabellenfünfzehnten waren, belohnten sich üppig für ihre Spielfreude. Silva (25./33. Minute), Kostic (27.), Nilsson per Eigentor (51.) und Jovic (75.) waren für den überlegenen Sieger erfolgreich; Córdova traf für Bielefeld (36.).

Bundesliga

Die Erfolgsserie der Eintracht erstreckt sich nun schon über sieben ungeschlagene Spiele, darunter fünf Siege. Wenn das so weitergeht, muss der Traum von der Champions League keine Anmaßung sein. „Wir waren während des ganzen Spiels dominant und haben den Ball richtig gut laufen lassen“, beurteilte der Frankfurter Abwehrchef Martin Hinteregger den großen Unterschied an diesem Samstag angemessen. Der immergrüne japanische Oldie Makoto Hasebe flocht den eindrucksvollen Eintracht-Angreifern Kränze: „Vorne haben wir eine unglaubliche Qualität.“

„Wir sind in einem Flow“, hatte Hütter vor der Reise nach Bielefeld gesagt und selbstgewiss hinzugefügt: „Wir wollen auf der Alm auf jeden Fall gewinnen.“ Seitdem Luka Jovic nach eineinhalb frustrierenden Spielzeiten leihweise zu seinem deutschen Lieblingsklub zurückgekehrt ist, hat das Selbstbewusstsein in den Reihen der Eintracht einen weiteren Schub bekommen – zumal angesichts der jüngsten Schwäche etablierter Champions-League-Kandidaten wie Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen. Andererseits war der Respekt vor dem zuletzt starken Aufsteiger groß genug, um die Aufgabe in Bielefeld nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Diejenigen, die darauf gehofft hatten, dass Jovic von vornherein zum Kreis der ersten elf Auserwählten zähle, wurden leise enttäuscht. Der serbische Stürmerstar verharrte zunächst wie bei seinen beiden ersten Einsätzen für die Eintracht auf der Bank. Trainer Adi Hütter änderte seine zuletzt erfolgreiche Formation mit einem Stürmer und zwei „Zehnern“ nur insofern, dass hinter der Spitze André Silva neben dem Trickser Amin Younes der Japaner Daichi Kamada in der Startelf stand – auch weil der ähnlich angriffslustige Aymen Barkok wegen fünf Gelber Karten aussetzen musste. Auch der offensivere Durm bekam seine Chance auf der rechten Seite anstelle des im Zweifel eher defensiv verorteten Touré.

Die Eintracht – zunächst gemächlich, dann zusehends zügig – bestimmte von Beginn an das einseitige Geschehen auf der Bielefelder Alm. Als sich beide Seiten auf die zunächst wenig bedrohlichen Verhältnisse eingestellt zu haben schienen, schlugen die Frankfurter zum ersten Mal zu. André Silva, der portugiesische Torjäger der Eintracht, profitierte von einem Bielefelder Lapsus, als Nilsson seinen Innenverteidigerkollegen Pieper anschoss, der Ball von da zu Silva sprang, der sich mit einem wuchtigen Torschuss für das Geschenk aus Ostwestfalen bedankte.

Es war der Auftakt zu torreichen elf Minuten zwischen der 25. und 36. Minute, nach denen die Hessen 3:1 führten. Kostic nutzte die Bielefelder Verwirrung nach dem 0:1-Rückstand wenig später mit einem sehenswerten Distanzschuss zum 2:0 – sein erster Saisontreffer in dieser Bundesliga-Saison. Und da aller guten Dinge drei sind, war Silva dann schon wieder zur Stelle – nach einer abgefälschten Durm-Flanke und einem finalen Zuspiel von Kostic. Mit nun vierzehn Saisontreffern hat er schon zwei Tore mehr als in der vergangenen Liga-Spielzeit erzielt. Damit aber die Eintracht nicht zu übermütig wurde, erinnerte der Venezolaner Córdova per Kopfball mit seinem ersten Tor für den Tabellenfünfzehnten daran, dass die Bielefelder auch noch da waren. Der Zwei-Tore-Vorsprung für Frankfurt zur Pause spiegelte die Kräfteverhältnisse bis dahin angemessen.

Weil bei den Arminen bis dahin schon viel schiefgelaufen war, setzte sich die schwarze Serie der Bielefelder umstandslos fort. Kostics scharfe Hereingabe für den schon in Schussposition gelaufenen Silva lenkte Nilsson ins eigene Netz. Ein klassisches Eigentor nach dem „halben“ Eigentor, das Nilsson und Pieper vor dem 0:1 fabriziert hatten. Kostic und Silva waren an diesem kalten Samstag die beiden Besten aus einer insgesamt starken Frankfurter Mannschaft. Daran konnte auch Jovic nicht mehr rütteln, der in der 66. Minute für Younes eingewechselt worden war. Immerhin: Der Serbe schoss kurz entschlossen noch sein drittes Tor für die Eintracht nach seinem Frankfurter Comeback und setzte damit das letzte Ausrufezeichen hinter einen beeindruckenden Frankfurter Auftritt.

Quelle: F.A.S.
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