3:2 gegen Paderborn

Emotionales Ende bei der Eintracht

Von Peter Heß, Frankfurt
Aktualisiert am 27.06.2020
 - 19:21
Gelungener Saisonausstand für Eintracht Frankfurt gegen Paderborn
Die Eintracht scheint aus dem Saisonausklang erst eine klare Sache zu machen. Gegen Absteiger Paderborn führen die Frankfurter mit 3:0. Am Ende wird es aber gegen das Schlusslicht doch nochmal eng.

Den Saisonabschluss bildete ein Abschiedsfoto. Als alle Spieler des Kaders, das Trainer- und das Betreuerteam der Frankfurter Eintracht sich an der Mittellinie versammelt hatten, lag der Abpfiff schon ganze 20 Minuten zurück. Trainer Adi Hütter hatte seine Mannschaft nach dem 3:2-Heimsieg über den SC Paderborn um sich geschart und eine Rede gehalten, deren Länge es vergleichsweise mit der des gesamten Saisonverlaufs aufnehmen konnte. Die Spielzeit 2019/20 hatte mit Vorbereitungszeit immerhin fast zwölf Monate gedauert, in denen 54 Pflichtspiele zu bestreiten waren. Der längsten Saison der Eintracht-Geschichte war der längste Abschied auf dem Platz gefolgt.

Bundesliga

Es war ein emotionales Ende, und der Trainer aus Österreich richtete fast an jeden Profi ein paar persönliche Worte, und ganz viele an das komplette Team. Worte des Respekts und der Dankbarkeit. Platz neun in der Bundesliga, das Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal und des Achtelfinales der Europa League empfand Hütter wie die Eintracht-Führung als Erfolg. Und bei objektiver Bewertung von Potential und Ertrag regt sich bei dieser Einschätzung kein Widerspruch, obwohl zwei lange sieglose Serien ein noch besseres Abschneiden verhindert hatten.

Auch die drei Profis, die zum letzten Mal in Frankfurt als Spieler auf dem Platz standen, hielten Abschiedsreden. Marco Russ, Jonathan de Guzmán und Gelson Fernandes bekamen lang anhaltenden Applaus für ihre Worte. De Guzmán hatte gegen Paderborn sogar noch eine Viertelstunde mitwirken dürfen, was Russ und Fernandes versagt blieb, weil Hütter unbedingt den Sieg über Paderborn wollte. Die beiden waren nach langen Verletzungen nicht in der entsprechenden körperlichen Verfassung.

Der Erfolg stand nach einer 3:0-Führung durch Rode (9. Minute), Silva (33.) und Dost (52.) auf wackligen Füßen, da der Aufsteiger, der zum Absteiger wurde, einfach nicht klein beigab und durch Dräger (55.) und Michel (75.) verkürzte. Der Ausgleich fiel dann tatsächlich in der Nachspielzeit, aber vor dem Treffer von Jans hatte ein ostwestfälischer Kollege im Abseits gestanden, was auf dem Rasen niemand bemerkt hatte, aber dem Video-Assistenten nicht verborgen geblieben war.

Marco Russ wirkte nicht traurig darüber, um seinen letzten Bundesliga-Einsatz gekommen zu sein. „Ich hätte mich über zwei, drei Minuten gefreut, aber der Sieg war wichtiger. Die Punkte sind für die TV-Wertung wertvoll. Im Kader gewesen zu sein, war mir Respekt genug. Ich habe es genossen, die Nacht bei der Mannschaft zu verbringen und die gemeinsame Busfahrt noch einmal erlebt zu haben“, sagte der gebürtige Hanauer, der 1996 zur Eintracht gekommen war und außer einem Engagement über anderthalb Jahre beim VfL Wolfsburg seinem Verein immer treu geblieben ist. Russ bleibt der Eintracht erhalten. „Ich werde in der Analyse-Abteilung angelernt und dann übernommen.“

Mit fast 35 Jahren fühlte er den Zeitpunkt des Rücktritts für gekommen. „Ich habe in den letzten Jahren nicht mehr wirklich viel gespielt, es fiel mir immer schwerer, mich in die richtige körperliche Verfassung zu bringen. Nach dem Achillessehnenriss im vergangenen Jahr hatte ich genug Zeit, Abstand zu gewinnen. Aber nach meiner Familie ist die Eintracht das Größte.“

Trainer Hütter sprach von einem „Wermutstropfen, dass ich Marco und Gelson nicht einwechseln konnte“. Aber die Punkte waren ihm zu wichtig, um Geschenke zu verteilen. Er zeigte seinen Respekt nach dem Abpfiff: „Ich bin kein Freund davon, einen Kreis zu bilden, aber es gibt Ausnahmen, wenn solch verdiente Spieler mit tollem Charakter den Verein verlassen.“ Es sei sehr emotional geworden. „Auch mir sind ein paar Tränen gekommen.“

Das Spiel hatte ihm nicht die Tränen in die Augen getrieben, aber dass seine Mannschaft nach dem 3:0 noch einmal ins Schwimmen geraten war, stimmte ihn schon unzufrieden. „Wir haben es nicht verstanden, Ball und Gegner laufen zu lassen.“ Hütter zollte aber auch Absteiger Paderborn ein Kompliment. „Sie haben wie immer nicht aufgegeben, es war bewundernswert, was die Paderborner Spieler geleistet haben, sie waren sehr unangenehm.“

Aber nach 104 Pflichtspielen in zwei Jahren nahm er seine Spieler in Schutz. „Wir haben dennoch Charakter gezeigt und über 90 Minuten verdient gewonnen. Dass dann die Klarheit fehlte, da muss man auch mal ein Auge zudrücken.“ Nach diesen Worten verabschiedete sich Hütter in den vierwöchigen Urlaub. Und verband das mit den Worten: „Ich freue mich schon darauf, wieder zurückzukehren. Ich bin stolz, Trainer von Eintracht Frankfurt zu sein.“

Quelle: F.A.S.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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