2:1 gegen Union Berlin

Last-Minute-Spezialisten aus Frankfurt schlagen zu

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
28.11.2021
, 18:02
Frankfurter Hochhäuser: Evan N’Dicka köpft zum 2:1 für die Eintracht ein.
Die Frankfurter machen ein starkes Spiel, gehen in Führung, kassieren aber den Ausgleich. Als gegen Union Berlin alles schon nach einem Remis aussieht, schlagen die Könige der Schlussphase wieder zu.
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Welch ein Spektakel. Endlich der Durchbruch, endlich die Wende. Die Eintracht kann also doch noch vor eigenem Publikum gewinnen. Wieder war es eine Last-Minute-Aktion, mit der die Eintracht beim 2:1 gegen Union Berlin verzückte, wieder fiel der entscheidende Treffer in der Nachspielzeit. Diesmal passierte es in der fünften und letzten Minute des Nachschlags, als Evan Ndicka die Frankfurter Arena in ein Tollhaus verwandelte.

Bundesliga

Die vorbereitende Flanke kam – natürlich – von Filip Kostic. In Führung gegangen war die Eintracht am Sonntagnachmittag durch ein famoses Tor von Djibril Sow (22. Spielminute). Max Kruse mit einem verwandelten Foulelfmeter glich vor lediglich 24.000 Zuschauern aus (62.). Lange Zeit sah es tatsächlich nach einem weiteren Remis aus – dann aber schlug Ndicka mit dem Kopf eiskalt zu.

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Zum dritten Mal in Folge vertraute Eintracht-Trainer Glasner auf die selbe Startformation. Der wieder von einer Verletzung genesene Martin Hinteregger nahm auf der Bank Platz. Von Beginn an war klar, wer dieses Spiel dominierte und wer es mit Macht gewinnen wollte: Eintracht Frankfurt. Die von Kapitän Makoto Hasebe angeführte Mannschaft spielte sich Chance um Chance heraus.

Schon in der siebten Minute fiel ein Tor – doch es zählte nicht. Als Rafael Borré den Pass von Daichi Kamada annahm, stand der Kolumbianer, der zielstrebig Kurs auf das Berliner Tor nahm und den Ball souverän einschoss, einen Schritt im Abseits. Schiedsrichter Sascha Stegmann brauchte für die Bewertung der Aktion nicht die Hilfe seines im Kölner Keller zuschauenden Videokollegen in Anspruch zu nehmen.

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Kruse gleicht für Union Berlin aus

In der 22. Minute passierte es dann wirklich: Die Eintracht ging verdient in Führung. Nach einem Eckball war Djibril Sow so frei, um aus 18 Metern mit einem wuchtigen und präzise gezielten Rechtsschuss das 1:0 zu erzielen. Es war das erste Saisontor des Schweizers, der sich mit dem elementarsten Ziel des Fußballs, dem Torabschluss, zeit seines Frankfurter Wirkens stark zurückhält. In der vergangenen Saison blieb er ohne Torerfolg.

Sows Volltreffer wirkte als Initialzündung, denn fortan forcierten die Frankfurter noch mehr ihre Angriffe. Union kam überhaupt nicht zur Entfaltung, der Eintracht boten sich in der Folge eine Vielzahl bester Einschussgelegenheiten. In der 25. Minute hatte Kamada Pech, dass sein Kopfball nach einer Ecke von Filip Kostic die Oberkante der Latte touchierte. Die Aktion wäre ein Tor wert gewesen – wie auch der Angriff in der 34. Minute, als der lauffreudige Jesper Lindström im letzten Moment von zwei Berlinern gestört wurde.

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Nur zwei Minuten später war es Kostic, der nach einem blitzschnell vorgetragenen Konter Pech mit einem Linksschuss an das Außennetz hatte. Damit nicht genug: Der sehr mannschaftsdienlich spielende Borré hatte die nächste Gelegenheit, auf 2:0 zu erhöhen. Wieder empfahl sich Flankengeber Kostic als Vorbereiter, Borré verzog (41.).

Nach dem Seitenwechsel bot sich das gewohnte Bild. Die Eintracht war weiter spielbestimmend, Union beschränkte sich auf gelegentliche Entlastungsangriffe. Nach einer Stunde jedoch änderte sich die Lage. Taiwo Awoniyi, mit bislang acht Toren der erfolgreichste Angreifer der Köpenicker, wurde im Frankfurter Strafraum von Evan Ndicka gefoult. Stegemann zögerte keine Sekunde und entschied auf Strafstoß.

Der Aktion des Nigerianers war eine Szene vorausgegangen, bei der es um Millimeter zugegangen sein muss, denn die Eintracht wollte in der Vorbereitung den Ball der Berliner im Seitenaus gesehen haben. Der Videoschiedsrichter wurde zu Rate gezogen – der Ball war augenscheinlich doch nicht vollständig im Aus. Max Kruse ließ sich die Chance nicht nehmen, unbedrängt aus elf Metern Eintracht-Keeper Kevin Trapp zu verladen und zum 1:1 einzuschießen (62.).

In der 68. Minute nahm Glasner den ersten Personalwechsel vor. Borré ging, Goncalo Paciencia kam. Der Mann, der noch am Donnerstagabend in der Europa League für Glücksgefühle gesorgt hatte, traf er doch in der Nachspielzeit zum 2:2 gegen Royal Antwerpen. Sollte dem stürmischen Portugiesen ein ähnlicher Geniestreich auch im Liga-Alltag gegen die Eisernen von Union gelingen? Unterstützung im Angriff erhielt Paciencia von der 77. Minute an. Glasner nahm Lindström aus der Partie und schenkte Ragnar Ache ein weiteres Mal das Vertrauen.

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Hektisch und diffizil wurde es sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit. Paciencia war nach einer Rangelei mit Marvin Friedrich zu Boden gefallen – der lautstark vom Publikum und von den protestierenden Eintracht-Profis eingeforderte Elfmeterpfiff aber blieb aus. Auch der eingeschaltete Videomann im Kölner Keller blieb stumm. Die hitzige und von Emotionen begleitete Partie bot auch in der fünfminütigen Nachspielzeit reichlich Spannung. Als Ndicka Sekunden vor dem Ende tatsächlich noch mit dem Kopf der 2:1-Siegtreffer gelang, war das späte, verdiente Glück perfekt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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