Eintracht Frankfurt

Blitzstart von Borré

Von Jörg Daniels
01.08.2021
, 19:46
Gut angekommen: Rafael Santos Borré nimmt die Glückwünsche der Kollegen nach seinem ersten Tor für die Eintracht entgegen.
Der neue kolumbianische Stürmer trifft beim 2:1 der Frankfurter Eintracht über Saint-Etienne vom Elfmeterpunkt. Christopher Lenz erzielt mit großem Anlauf das 1:0.

Es wäre zuvorderst die Aufgabe des neuen Eintracht-Kapitäns Sebastian Rode gewesen. Aber der unter dem neuen Frankfurter Trainer Oliver Glasner erste Anführer der Mannschaft verpasste aufgrund einer Kniereizung das finale und mit 2:1 gewonnene Testspiel gegen AS Saint-Etienne. Und so schritten am vergangenen Samstag seine beiden Stellvertreter Makoto Hasebe und Martin Hinteregger vor 10 000 Zuschauern in der WM-Arena gemeinschaftlich zur Tat.

Bundesliga

Nach 40 Spielminuten hatte Mittelfeldspieler Aymen Barkok beim Stand von 1:0 den Elfmeter für die Frankfurter ausführen wollen. Nur verstieß das gegen die Absprache und festgelegte Rangfolge. Denn hinterher berichtete Glasner davon, dass sich vor der Begegnung in der Kabine nur der Neuzugang Rafael Borré gemeldet habe, als es um den Kandidaten für einen möglichen Elfmeterschuss gegangen sei.

Deshalb brachten Hasebe und Hinteregger, der mit „70 Metern“ einen langen Spurt über das Spielfeld hinlegte, ihren Teamkollegen Barkok auf dem Platz in aller Freundschaft auf Linie. „In der Besprechung hat Aymen wohl nicht richtig zugehört. Vorher hat André Silva die Elfmeter geschossen, daher ist es die einzig logische Entscheidung, dass Rafa schießt“, sagte Hinteregger und grinste über das vermeintliche Kommunikationsproblem in den eigenen Reihen.

„Super Besetzung im Strafraum“

Die Wahl fiel mit dem kolumbianischen Nationalspieler genau auf den Richtigen: Mit Übersicht und großer Ruhe verwandelte der 25-Jährige souverän den Elfmeter zum 2:0, den Saint-Etienne-Profi Wahbi Khazri mit einem Foul an Daichi Kamada verursacht hatte. Schon beim Führungstreffer zum 1:0 (13. Minute) durch die zweite eingesetzte Frankfurter Neuverpflichtung, Christopher Lenz, hatte Borré seine Füße im Spiel gehabt.

Im Anschluss an eine Flanke von Danny da Costa war der Stürmer aus kurzer Distanz mit seinem Schuss zwar an Etienne Green, dem Torhüter der Franzosen, gescheitert. Weil dieser den Ball aber nicht in den Griff bekam, war der linke Außenbahnspieler Lenz in bester Abstaubermanier zur Stelle. „Beim 1:0 hatten wir eine super Besetzung im Strafraum. Christopher macht einen 50-Meter-Sprint, um dort zu sein. Diese Position musst du dir erst mal erlaufen“, lobte Glasner seinen „sehr laufstarken“ Profi, der sich für seinen Bewegungsdrang selbst belohnte.

Lenz stand anstelle von Filip Kostic in der Startformation, der in der vergangenen Woche mit einer Erkältung zu kämpfen hatte und der außerdem im DFB-Pokalspiel am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) bei Waldhof Mannheim gesperrt sein wird. Nach 62 Spielminuten löste Kostic Lenz ab. Das Publikum bereitete Kostic, der Kraft seiner Leistung mit 26 Toren und 48 Torvorlagen in 127 Pflichtspielen zu den wichtigsten Eintracht-Spielern zählt, einen herzlichen Empfang.

Abschiedsgedanken soll Kostic nach dem Empfinden des Trainers aktuell keine hegen. „So wie ich Filip hier erlebe, gehe ich davon aus, dass er in Frankfurt bleibt“, sagte Glasner. Auf einer Skala von eins bis zehn schätzte der Österreicher den Verbleib des Serben „auf neun bis zehn“ ein. Rodrigo Zalazar hingegen wird wohl als Leihspieler die Eintracht in Richtung Schalke 04 verlassen. Der Mittelfeldspieler zählte am Samstag nicht mehr zum Frankfurter Aufgebot. Dieses bereichern könnte schon bald Jens-Petter Hauge vom AC Mailand, an dessen Verpflichtung die Eintracht interessiert ist.

„Das hätte ich nicht erwartet“

Einen vielversprechenden Blitzstart legte nach nur einer Woche Training mit seiner neuen Mannschaft Borré hin. Der Kolumbianer, der bisher der Königstransfer in Frankfurt ist, machte mit seinem gelungenen Auftritt Spaß auf mehr. Borré war flink, eifrig und torgefährlich. Mit seiner Robustheit ging er keinem Zweikampf aus dem Weg und eroberte vorne zum Ärger seiner Gegenspieler auch Bälle. Ihn erhob Hinteregger in den Rang eines „Topstürmers. Jeder weiß, wie schwer es ist, wenn man neu in der Mannschaft ist und von einem anderen Kontinent kommt.“ Dass Borré „so gut begonnen“ habe, „hätte ich nicht erwartet“, sagte der österreichische Nationalspieler.

Für Hinteregger war es selbstverständlich, dass der Kolumbianer im Testspiel der Elfmeterschütze Nummer eins war, sei es für den angriffslustigen Neuzugang doch „wichtig, dass er hier gut ankommt und gleich ein Tor schießt“. Dafür, dass Borré noch nicht so lange da sei, „macht er viele Dinge intuitiv richtig. Rafael arbeitet viel für die Mannschaft und kann sich Torchancen erarbeiten“, freute sich Sportvorstand Markus Krösche über den neuen Aktivposten im Angriff, von dessen großem „Ehrgeiz“ auch Glasner angetan ist.

Eine gute Wahl

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Der Trainer war mit der Leistung seines Teams im Testspiel „sehr zufrieden“, ohne das Gebotene überbewerten zu wollen. Einer guten ersten Halbzeit folgte jedoch eine schwächere zweite Spielhälfte, in der Timothee Kolodziejczak für die Franzosen der Treffer zum 1:2 (74. Minute) gelang. „Nach der Halbzeit waren wir in den ersten zehn Minuten etwas zu leichtsinnig und haben den Gegner durch drei, vier Ballverluste aufkommen lassen“, meinte Glasner, der sein Personal munter durchwechselte.

Für den Kapitänsposten gab es mit Rode, Hasebe, Hinteregger und Torhüter Kevin Trapp viele Kandidaten. Aus Sicht von Hinteregger konnte es aber nur einer werden: Rode. „Seppl war die logische und richtige Wahl. Er ist der Beste für diese Position. Jeder weiß um seine Aufgaben in der Mannschaft – da ändert sich jetzt nicht viel“, meint Hinteregger. Rode. der in Seeheim-Jugenheim geboren wurde, wechselte 2010 von Kickers Offenbach zur Eintracht. Später wurde der heute 30-Jährige mit Bayern München deutscher Meister und Pokalsieger. „Sebastian Rode ist als echter Hesse mit seiner Erfahrung und Persönlichkeit der ideale Kapitän und ein starker Repräsentant der Eintracht“, findet Glasner. Rode versprach, „das Amt täglich mit Leidenschaft auszuführen“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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