Frankfurter 1:1 in Augsburg

Verpasste Chance für die Eintracht

Von Ralf Weitbrecht, Augsburg
16.01.2022
, 17:35
In Bedrängnis: Torhüter Diant Ramaj (links) war bei seinem ersten Profi-Einsatz voll gefordert und verhinderte am Ende das 1:2.
Die Eintracht muss ohne die Stützen Kevin Trapp und Filip Kostic antreten. Beim 1:1 in Augsburg lassen die Frankfurter beste Möglichkeiten aus. Im Jahr 2022 sind sie deshalb noch sieglos.
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Wieder geführt, aber diesmal immerhin nicht verloren. Wie schon in der Vorwoche beim 2:3 gegen Borussia Dortmund, als sich die Eintracht mit einem 2:0-Vorsprung schon auf einem Erfolgsweg wähnte, lag sie auch am Sonntag in Augsburg vorn. Am Ende musste sich die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner mit einem 1:1 zufrieden geben. Es war ein gerechtes Ergebnis in einem Spiel zweier Bundesligamannschaften, die sich in der verwaisten Arena des FCA auf Augenhöhe begegneten.

Bundesliga

Wichtig aus Sicht der Eintracht, die Daichi Kamada in der 22. Minute in Führung gebracht hatte, ehe Michael Gregoritsch den Endstand erzielte (38.): Diant Ramaj, dem in der Aufregung und Unerfahrenheit einige Fehler unterliefen, zeigte ein ordentliches Erstliga-Debüt. Für den 20 Jahre alten Torsteher war es das erste Mal im Kreis der Profis. Er war an diesem 19. Spieltag nur deshalb ein gefragter Mann, weil Stammkeeper Kevin Trapp Corona-bedingt passen musste.

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Zwei Personalwechsel musste Glasner zumindest vornehmen, vier sind es in seiner Startformation geworden. Für die beiden mit einem „grenzwertig positiven Corona-Ergebnis bei milder Symptomatik“ nicht einsatzfähigen Filip Kostic und Trapp rückten Almamy Touré und Ramaj in die Frankfurter Elf. Für Touré war es nichts Besonderes, mal wieder am Ball zu sein, für Ramaj ein ganz spezieller Moment: Der 20 Jahre alte Stuttgarter stand erstmals in seiner noch jungen Karriere in einem Erwachsenenspiel im Tor – und dies gleich auf Anhieb in der Bundesliga.

Frankfurt bei Führung eiskalt

Eine große Bürde für den Trapp-Stellvertreter auf Zeit. In Augsburg dauerte es ein bisschen, ehe der im Mai vom 1. FC Heidenheim zur Eintracht gewechselte und mit einem Vertrag bis Mitte 2024 ausgestattete Ramaj zeigen konnte, warum er zu Recht schon etliche Einsätze in der Juniorennationalmannschaft absolviert hat. In der zweiten Minute hatte er seinen ersten Ballkontakt, als Evan Ndicka ihn anspielte, in der elften und 13. Minute, als es Ricardo Pepi und Niklas Dorsch mit zwei Schüssen versuchten, brauchte der hechtende Ramaj nicht einzugreifen. Beide Versuche strichen an seinem Tor vorbei.

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Besser als die gegen den Abstieg kämpfenden Augsburger machten es die Frankfurter in der 22. Minute. Eiskalt nutzten sie einen kapitalen Abspielfehler von Dorsch aus, den der aufmerksame Jesper Lindström am schnellsten erfasste und sich den Ball sicherte. Der Däne setzte Sturmkollege Rafael Borré in Szene, der Kolumbianer leitete uneigennützig auf Kamada weiter – und der Japaner war so frei, die Eintracht 1:0 in Führung zu bringen.

Getrennte Blickrichtungen, gemeinsame Abrechnung: Für jede Mannschaft bleibt ein Punkt
Getrennte Blickrichtungen, gemeinsame Abrechnung: Für jede Mannschaft bleibt ein Punkt Bild: AP

In der 33. Minute herrschte helle Aufregung im Frankfurter Strafraum. Der FCA wollte erst einen Strafstoß zugesprochen haben, dann doch lieber auf den Vorteil beharren, denn der Ball war mittlerweile im Tor, wohin ihn Pepi reingeschoben hatte. Bewertet wurde die Aktion, die für reichlich Emotionen auf Augsburger Seite sorgte, dann aber ganz anders.

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Schiedsrichter Sven Jablonski nahm die Hilfe des Videokollegen im Kölner Keller zu Hilfe – und entschied: Weder Elfmeter noch Tor, sondern Freistoß für die Eintracht: Der ins Fallen geratene Andi Zeqiri hatte nicht den Ball, sondern den für Martin Hinteregger aufgebotenen Abwehrstrategen Makoto Hasebe getroffen. Der Ärger auf Seiten des FCA war groß, der Frust währte aber nur wenige Minuten, dann fiel tatsächlich ein reguläres Tor. Erzielt wurde es von Gregoritsch, der Ramajs Unerfahrenheit ausnutzte und clever in die kurze Ecke zum 1:1 schoss (38.).

Angetrieben von Djibril Sow, dem vierten Neuen in der Frankfurter Startelf, sowie dabei unterstützt von Kapitän Sebastian Rode forcierte die Eintracht nach dem Seitenwechsel ihre offensiven Bestrebungen. Allein: Es fehlte zunächst an der Durchschlagskraft. Touré aus kurzer Distanz verfehlte knapp (60.). Der glänzend von Timothy Chandler freigespielte Kamada verpasste es, mehr aus seiner vorzüglichen Schussposition zu machen (62.). Zudem galt es, die Sinne zu schärfen und auf gelegentliche Augsburger Konter zu achten.

So hatte Eintracht-Trainer Glasner seine Mannschaft gewarnt: „Sie spielen schnell nach vorne und haben die zweithöchste vertikale Spielgeschwindigkeit der Liga. Da müssen wir auf der Hut sein. Augsburg hat viele große Stürmer, die immer wieder Bälle verlängern können, und Flügelspieler, die die Räume mit Tempo belaufen.“ Mit Tempo war auch Lindström unterwegs, als sich ihm in der 88. Minute nach schöner Vorarbeit von Kamada die große Chance bot, für die Eintracht siegreich abzuschließen. Doch der Däne scheiterte am Augsburger Torsteher Rafal Gikiewicz.

Auseinandersetzung mit Ordner: Augsburgs Busfahrer verletzt

Im Rahmen des Bundesliga-Spiels zwischen dem FC Augsburg und Eintracht Frankfurt hat es Aufregung abseits des Rasens gegeben. Die Polizei in Augsburg bestätigte am Sonntag, dass es eine Auseinandersetzung zwischen dem Busfahrer des Augsburger Mannschaftsbusses und einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes gab. Der Busfahrer kam mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus.

Keine weiteren Personen waren laut Polizeiangaben beteiligt. Beide Männer seien keine Mitarbeiter des FCA. Bei dem Fahrer handelt es sich um einen Angestellten eines externen Busunternehmens. Zuvor hatten die „Augsburger Allgemeine“ und die „Bild“-Zeitung über den Vorfall berichtet. Augsburgs Trainer Markus Weinzierl hatte von den Vorkommnissen vor dem Spiel nach eigenen Angaben nichts mitbekommen. Das erklärte er bei der Pressekonferenz nach der Partie. (dpa)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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