Eintracht Frankfurt

Zum Schluss kein Happy End

Von Ralf Weitbrecht, Sinsheim
05.12.2021
, 19:59
Vollstrecker: Gonçalo Paciência erzielt nach feiner Einzelleistung das zweite Frankfurter Tor gegen Hoffenheim.
Die Niederlage ist das Ende einer Serie. Zuvor glückt der Eintracht das Kunststück, sechs Bundesligaspiele in Serie gegen Hoffenheim zu gewinnen. Der Frankfurter Trainer sieht eine „unnötige Niederlage“.
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Er hat es schon wieder gemacht. Doch anders als noch in den vorausgegangen Spielen kam diesmal jede Rettung zu spät. Immerhin: Es war eine starke Aktion, mit der Gonçalo Paciência noch einmal Hoffnung verbreitete. Die Ballannahme nach der Flanke von Filip Kostic mit der Brust war perfekt. Und perfekt waren auch die Drehung und der nachfolgende kompromisslose Abschluss, als der Portugiese in der 72. Minute mit links vollendete und auf 2:3 verkürzte.

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Zum abermaligen Last Minute Happy End aber ist es für die Eintracht in Sinsheim nicht mehr gekommen. „So ist Fußball. Wir müssen den Kopf weiter oben haben und es im nächsten Spiel einfach besser machen“, sagte Paciência. „Das ist ja das Schöne im Fußball, dass es sofort weiter- geht. In der Europa League wollen wir jetzt den direkten Achtelfinaleinzug klarmachen.“

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Die Niederlage bei der TSG Hoffenheim ist das Ende einer stolzen Serie. Zuvor war der Eintracht das Kunststück geglückt, sechs Bundesligaspiele in Serie gegen die Kraichgauer zu gewinnen. Der Frankfurter Fußballlehrer Oliver Glasner sprach nach dem 2:3 von einer „unnötigen Niederlage“ und zeigte sich „enttäuscht. Das wäre nicht nötig gewesen.“

Vor allem dann nicht, wenn seine Mannschaft so wie in den Vorwochen agiert und funktioniert hätte. Im Sinsheimer Dauerregen aber, der sich vor allem in der ersten Halbzeit wie aus Kübeln ergoss, stimmte die Balance nicht. Glasner beklagte ein „inkonsequentes Defensivverhalten“ und schloss in seine Kritik gleich die gesamte Mannschaft mit ein – „nicht nur die Verteidiger“. Die mühten sich nach Kräften, hätten aber in einigen Situationen mehr Unterstützung von den Kollegen benötigt.

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So war es auch keine Überraschung, dass der seit Wochen überragende Makoto Hasebe einen Leistungsabfall erlebte. Der Japaner hatte zudem Pech, dass er bei der spielentscheidenden Szene die zunächst gepfiffene Abseitsstellung des Hoffenheimer Angreifer Ihlas Bebou nach Intervention des Videoschiedsrichters aufhob.

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Die TSG erzielte in der 59. Minute durch Diadie Samassékou das 3:1 – Paciências Hoffnungsschimmer war danach nicht mehr als eben nur ein Hoffnungsschimmer (72.). In seiner Analyse machte Eintracht-Trainer Glasner deutlich, „dass wir zu einfache Tore kassiert haben. Alle waren vermeidbar. Uns hat die letzte Galligkeit gefehlt. In der Defensive waren wir zu passiv und haben als Mannschaft nicht mehr harmoniert.“

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Harmonie und Eintracht – diese Tugenden waren an diesem Samstag vor allem auf Seiten der TSG zu sehen, die jetzt schon das fünfte Bundesligaspiel in Folge gewonnen und sich dadurch auf Tabellenplatz vier emporgearbeitet hat. Auch von Sebastian Rode gab es fair Lob für die Darbietung des Gegners. „Die TSG war gut“, sagte der in der 68. Minute für Kristijan Jakic in die Partie gekommene Mittelfeldstratege. „Sie haben einen Lauf.“ Rode stufte die Frankfurter Führung, für die Rafael Borré in der 15. Spielminute mit seinem dritten Saisontor verantwortlich zeichnete, als „Weckruf für Hoffenheim“ ein. Danach nämlich hätte die Eintracht den Faden verloren. „Wir hatten nicht mehr den Zugriff.“

Rafael Borré (rechts) traf zwar für die Eintracht, die Frankfurter verloren aber.
Rafael Borré (rechts) traf zwar für die Eintracht, die Frankfurter verloren aber. Bild: AFP

Erst schaffte Dennis Geiger mit einem für Kevin Trapp unhaltbaren Kunstschuss den Ausgleich (24.), dann brachte Georginio Rutter die TSG in Führung (30.), ehe der dritte Hoffenheimer Treffer nach dem Seitenwechsel den zu einem weiteren Heimsieg ebnete. Rode fand es schade, dass „wir nicht mehr wie in den vergangenen Wochen zurückgekommen sind. Wir waren immer einen Schritt zu spät und mental nicht auf der Höhe.“

In der Niederlage Positives hervorheben: Für diese Vorgehensweise entschied sich Markus Krösche. Als auch die letzten der paar hundert Hoffenheimer TSG-Mitarbeiter, die als Zuschauer dabei sein durften, die Arena verlassen hatten, bezog der Sportvorstand der Eintracht im Sinsheimer Presseraum Stellung. Lobende Worte fand Krösche vor allem für Paciência, dessen Auftritt ihm abermals gefallen habe. „Gonçalo macht es sehr gut. Er hat eine unheimliche Qualität in der Box. Er wird für das belohnt, was er sich im Training erarbeitet hat.“

Selbstvertrauen, Behauptungswillen, Durchsetzungsstärke: Gonçalo weiß, dass sein stürmischer Kollege Borré in Glasners Planungen eine hervorgehobene Rolle spielt. Der Kolumbianer steht seit Wochen zu Recht in der Startelf. Doch Paciência hat aufgeholt. Der 27 Jahre alte Angreifer aus Porto hat in seinem sechsten Kurzeinsatz seit Saisonbeginn immerhin schon zwei Tore erzielt.

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Zudem hat er auch doppelt in der Europa League getroffen. Paciência ist der Mann, der von der Bank kommend für Gefahr sorgt und es dank guter Technik versteht, mit Kopf und Fuß zu treffen. Vielleicht ja auch am kommenden Donnerstag in Istanbul. Die Eintracht, schon seit dem Auswärtssieg in Piräus für die K.-o.-Runde in der Europa League qualifiziert, will mehr und sich den Gruppensieg sichern. Paciência ist zuversichtlich. Zum Abschied aus Sinsheim sagte er: „Wir sind Eintracht Frankfurt. Wir können alles machen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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