Frankfurter Vorbereitung

Die Eintracht ist auf Kurs

EIN KOMMENTAR Von Peter Heß
02.08.2021
, 11:55
Oliver Glasner ist der neue Trainer von Eintracht Frankfurt.
Der große Wechsel in der ersten und zweiten Frankfurter Führungsebene ist ohne Knirschen im Getriebe gelungen. Die Vorbereitung lässt ein Vor-Urteil zu: Die Eintracht wird konkurrenzfähig sein.

Die Generalprobe ist über weite Strecken sehr ordentlich verlaufen, doch Verlässliches lässt sich aus dem 2:1 der Frankfurter Eintracht über AS Saint-Etienne nicht für die neue Bundesligasaison ableiten, wobei sich die Frage stellt, was im Profifußball schon verlässlich ist.

Etwas Grundsätzliches kann man am Ende der Vorbereitungszeit jedoch schon festhalten: Der große Wechsel in der ersten und zweiten Frankfurter Führungsebene ist ohne Knirschen im Getriebe gelungen. Trainer Oliver Glasner und Sportvorstand Markus Krösche harmonieren sowohl untereinander als auch mit der Eintracht-Leitung, die sie antrafen. Die Mannschaft zieht unter dem neuen Trainer genauso mit, wie sie es in den vergangenen drei Jahren bei Adi Hütter getan hat. Die Fortschritte, die sie dabei von Woche zu Woche in diesem Sommer machte, lassen ein Vor-Urteil zu: Sie wird in der Liga konkurrenzfähig sein.

Bundesliga

Natürlich lassen sich viele Abers anführen: Aber wenn Covid (wie bei Darmstadt 98) zuschlägt, aber wenn die Neuzugänge fremdeln, aber wenn das Verletzungspech grassiert, aber wenn Kostic, Hinteregger und Kamada doch noch weggekauft werden? Doch anstatt durchzudeklinieren, was folgen könnte, wenn der Eintracht der Himmel auf den Kopf fiele, bleiben wir lieber bei der Einschätzung der Voraussetzungen, die sie sich geschaffen hat.

Der Kader ist noch ein bisschen zu groß, aber das Wichtigste ist, er deckt alle Erfordernisse eines erfolgreichen Spielbetriebs ab: Die Mischung aus Kämpfern und Küstlern, aus Talenten und Routiniers stimmt. Die aktuelle Schlagkraft ist groß genug, aber es gibt auch viel Entwicklungspotential. Zudem wurde weiter Wert auf den Charakter beziehungsweise die Mentalität der Spieler gelegt, wie die Verpflichtung von Torwart Jens Grahl belegt.

So viel hat sich im Aufgebot (bis jetzt) aber gar nicht verändert. Inwieweit Borré im Verbund mit den anderen Offensivkräften Andrè Silva ersetzen kann, ist natürlich die große Frage. Aber vielleicht sind gar nicht so viele Tore nötig, um wieder um Europa mitzuspielen, wenn Glasners akribische Arbeit bezüglich der defensiven Abläufe fruchtet.

Ein bisschen riskant erscheint die Torwart-Besetzung. Falls sich Trapp länger verletzt, stehen nach Rönnows Wechsel nur Torhüter ohne Praxis parat. Auch die Innenverteidigerposition scheint nicht allzu üppig besetzt. Nach Hinteregger, Tuta und Ndicka kommen mit Hasebe, Ilsanker und Touré nur drei Alternativen infrage.

Aber es bleiben ja auch noch vier Wochen Zeit, um kleinere Unwuchten auf dem Transfermarkt auszugleichen. Auf jeden Fall scheint bei einem Blick auf die Konkurrenz die Chance recht groß, dass die Eintracht auch in der kommenden Bundesliga- Spielzeit wieder mehr Spiele gewinnt als verliert.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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