Eintracht vor Wolfsburg-Spiel

Das besondere Spiel

Von Jörg Daniels
19.09.2021
, 11:29
Eintracht Frankfurt steht vor einem schwierigen Auswärtsspiel beim Tabellenführer in Wolfsburg.
Der Frankfurter Trainer Oliver Glasner kehrt mit der Eintracht zurück an die alte Wirkungsstätte in der Fußball-Bundesliga. Eine Begegnung wird besonders brisant.

Wenn Eintracht-Trainer Oliver Glasner an diesem Sonntag (19.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei DAZN) an seinen alten Arbeitsplatz nach Wolfsburg zurückkehrt, sieht er sich gut vorbereitet auf die Aufgabe Nummer fünf in der Fußball-Bundesliga. Zur Einstimmung auf das für ihn „persönlich besondere Spiel“ von 19.30 Uhr an hat sich der 47 Jahre alte Österreicher, der an den ersten vier Spieltagen nur drei Punkte mit den Frankfurtern sammeln konnte, am vergangenen Dienstag den Wolfsburger Champions-League-Auftakt bei Lille OSC (0:0) im Fernsehen angeschaut.

Zum einen als „Vorbereitung“, weil die Zeit bis zum nationalen Kräftemessen mit dem Bundesliga-Tabellenführer relativ kurz sei. Glasner berichtete davon, dass er aus der Wolfsburger Startelf „jeden Spieler aus der zurückliegenden Saison gekannt“ habe. „In diesem Spiel habe ich im Verhalten der Mannschaft keine Riesenunterschiede zu meiner Zeit erkannt. Ich weiß, wie Wolfsburg spielt“, sagte der Frankfurter Trainer. Außerdem habe es ihn „natürlich interessiert, wie sich die VfL-Spieler in der Champions League schlagen“.

Bundesliga

Zerrüttetes Verhältnis zu Schmadtke

Zu einem Teil der Mannschaft, Glasner sprach am Freitag von vielen Spielern, hat er bis heute Kontakt. Ihnen hatte er vorab „alles Gute gewünscht“, hätten sie doch gemeinsam eine sehr erfolgreiche Zeit gehabt. Die alte Verbundenheit war das eine. Natürlich achtete der Eintracht-Trainer auch im eigenen Interesse darauf, „wo wir am Sonntag ansetzen können, wo die Wolfsburger ein bisschen Probleme haben“. Für ihn sind die Wolfsburger abermals ein „absoluter Kandidat für die Champions-League-Plätze“. Jetzt unter dem neuen Trainer Mark van Bommel.

Die Frage eines Journalisten, ob Glasner dem Wolfsburger Geschäftsführer Jörg Schmadtke nach dem Champions-League-Spiel eine Glückwunsch-SMS geschrieben habe, parierte der Österreicher mit Schlagfertigkeit. „Sie haben ja nicht gewonnen“, sagte er und grinste. Glasner wusste, dass die Frage eine Anspielung auf sein Arbeitsverhältnis zu Schmadtke war. Dieses galt trotz des gemeinsamen Erfolgs zum Schluss als zerrüttet.

„Ich weiß, wie Wolfsburg spielt.“ Oliver Glasner wird am Sonntag wieder am Spielfeldrand stehen.
„Ich weiß, wie Wolfsburg spielt.“ Oliver Glasner wird am Sonntag wieder am Spielfeldrand stehen. Bild: dpa

Unter allen VfL-Trainern brachte es Glasner auf die zweitmeisten Punkte in der ersten Liga. Im November des vergangenen Jahres hatte Glasner aber die Wolfsburger Transferpolitik kritisiert. Das soll dem Verhältnis zu Schmadtke offenbar den Rest gegeben haben. Sie besprachen nur noch das Nötigste. Von Sportdirektor Marcel Schäfer hieß es, dass er als Vermittler zwischen Schmadtke und Glasner herhalten musste.

Der Geschäftsführer will Glasner an diesem Sonntag dennoch nicht aus dem Weg gehen. Sollten beide aufeinandertreffen, werde er Glasner ganz normal begrüßen und ihm alles Gute wünschen, kündigte Schmadtke an und fügte hinzu: „Wie bei jedem anderen Trainer.“ Einst hatte er betont, dass sein Job mehr beinhalte, „als Freundschaften mit Trainern zu knüpfen“. Sein Job sei es vielmehr, „erfolgreich zu sein“. Das war Schmadtke mit dem Trainer Glasner, der die Wolfsburger nach fünf Jahren mit Platz vier wieder in die Champions League geführt hatte, auf jeden Fall. Trotzdem verließ der Österreicher die Niedersachsen ein Jahr vor Ablauf seiner Vertragslaufzeit am 1. Juli 2022.

Hinteregger beißt „auf die Zähne“

Seine Beziehung zum Wolfsburger Geschäftsführer beschrieb Glasner einst als „nüchtern“. Bei seiner Vorstellung in Frankfurt sagte der Trainer, dass er dem VfL und Schmadtke dankbar sei, „dass sie uns die Chance in der Bundesliga gegeben haben“. Alles andere habe er schon wieder vergessen. Den Aspekt mit der Dankbarkeit wiederholte Glasner am Freitag. „Ich habe in Wolfsburg sehr viel mitgenommen über den deutschen Fußball und die deutsche Mentalität“, sagte er und spielte die Bedeutung des Wiedersehens mit Schmadtke herunter.

„Das Spiel am Sonntag wird nicht von mir oder Schmadtke, sondern von den Spielern entschieden.“ Aufseiten der Eintracht stehen hinter dem Einsatz von Linksverteidiger Christopher Lenz (muskuläre Probleme) und von Kapitän Martin Hinteregger laut Trainer „zwei kleinere beziehungsweise mittelgroße Fragezeichen“. Hinteregger hatte sich die Blessur am Donnerstagabend beim 1:1 in der Europa League zu Hause gegen Fenerbahce Istanbul zugezogen. Glasner deutete an, dass Hinteregger seinem Naturell entsprechend womöglich „auf die Zähne beißen“ werde. „Er lässt sich von einer Schulterblessur nicht beirren“, sagte der Trainer.

Konfliktpotential barg in Wolfsburg wohl auch Glasners Verhältnis zu dem einen oder anderen Spieler. So teilte Kapitän Josuha Guilavogui damals im Nachgang mit, dass er froh sei, dass Glasner „weg ist“. Trotz der Misstöne von einst freut sich der Trainer aber auf seine Rückkehr. Für den ersten Saisonsieg mit der Eintracht brauche es nun „eine fast perfekte Leistung“ der Frankfurter in Wolfsburg.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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