Frankfurt im Bundesliga-Finale

Der Eintracht-Charaktertest gegen Königsblau

Von Peter Heß
15.05.2021
, 12:33
Die Eintracht hofft im Kampf um die Champions-League-Qualifikation auf Patzer der Konkurrenz. Doch die Partie auf Schalke muss auch so ein paar drängende Fragen beantworten.

Das werden interessante 90 Minuten in Gelsenkirchen. Das Bundesligaspiel zwischen Schalke und Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) besitzt zwar nicht mehr die ganz große sportliche Bedeutung – die Königsblauen sind schon abgestiegen, den Adlerträgern würde ein Sieg nur dann in die Champions League verhelfen, wenn die Dortmunder oder die Wolfsburger noch mal patzten. Aber diese Auseinandersetzung hat einen hohen Wert als Charaktertest. Wie stark vermögen sich die Schalker noch zu motivieren, wie befreiend wirkt die Tatsache, nichts mehr zu verlieren zu haben auf die Frankfurter? Oder lassen sie sich gehen, weil die Europa League schon sicher ist?

Bundesliga

Eintracht-Trainer Adi Hütter wird voll motiviert seiner Arbeit nachgehen, so viel ist sicher. Erstens treibt ihn ein großer Ehrgeiz in eigener Sache, zweitens darf er sich nicht mehr die kleinste Blöße geben – Fußball-Frankfurt ist ohnehin schlecht auf ihn zu sprechen. So schlecht, dass viele Fans, sogar manche Medien, nach dem 1:1 gegen den FSV Mainz 05 seinen Rauswurf forderten, was ausschließlich emotional, aber nicht rational zu begründen ist. Denn welche Blitzlösung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Mannschaft noch die zu erspielenden sechs Punkte holt?

Punkte, die ohnehin kaum noch reichen werden und außerdem auch mit Hütter im Bereich des Möglichen liegen. Selbst wenn das Team sich innerlich von seinem scheidenden Trainer gelöst haben sollte – mit einer Arbeitsverweigerung würde es mehr sich als dem Coach schaden. Der Gegner ist wie gemalt für die Eintracht. Wenn sie Schalke nicht schlägt, dann liegt das nicht am Trainer, sondern an den Profis. Natürlich besitzen die Königsblauen eine gewisse Qualität, die den Frankfurtern gefährlich werden könnte. Aber die Serie von Misserfolgen hat die Mannschaft von Trainer Grammozis psychisch so angeschlagen, dass sie selbst einen Vorsprung von 2:0 in Hoffenheim nicht für einen Sieg nutzen konnte. Und auch eine numerische Überzahl bewahrte sie nicht vor der Niederlage gegen Hertha.

Tristesse bei Eintracht-Leihgaben

Die Tristesse hat auch die Eintracht-Leihgaben erfasst. Stürmer Goncalo Paciencia und Torwart Frederik Rönnow vermochten weder den Niedergang von Königsblau aufzuhalten noch Werbung für eine weitere sportliche Zukunft in Frankfurt zu betreiben. Beide werden sich im Sommer dem neuen Trainer vorstellen, doch die Konkurrenz ist durch Neuverpflichtungen größer geworden, und sie ist erheblich jünger.

Das erste Ergebnis des Charaktertests wird schon vor dem Anpfiff ersichtlich werden: Es wäre ein großes Zeichen von Mut, wenn Hütter wieder auf Amin Younes in der Startelf verzichten würde, wofür er nach der Begegnung mit Mainz scharf kritisiert worden war. Oder wäre es ein Zeichen von Halsstarrigkeit?

Schalke präsentiert sich in einer Verfassung, in der es nicht entscheidend sein sollte, ob Frankfurt sich mit der Offensive Kamada – Silva – Jovic oder der Offensive Kamada – Younes – Silva auf Torejagd begibt. Wobei festzuhalten ist, dass der serbische Torjäger Luka Jovic in den vergangenen Monaten der Bewährungsprobe keinen Nachweis zu führen verstand, ein Stürmer zu sein, der eines Klubs wie Real Madrid würdig ist. Der 23-Jährige steigerte sich mit zunehmender Spielpraxis, deutete manchmal besondere Fähigkeiten an. Aber in einem Umfeld, in dem er sich wohlfühlt, und bei einem Trainer, der ihm vertraut, fehlte ihm das Durchsetzungsvermögen und manchmal auch der Wille, um richtig aufzutrumpfen.

Wieder dabei sein auf Schalke wird Evan Ndicka nach seiner Gelbsperre. Der 21 Jahre alte Franzose übernimmt seinen angestammten Posten als Linksverteidiger, Hinteregger rückt wieder in die Mitte der Abwehrkette und Hasebe ins defensive Mittelfeld vor, wo er den angeschlagenen Rode vertritt. Ndickas Anwesenheit kann nur als gutes Omen gewertet werden. Spielte der Franzose mit, holte die Eintrtacht im Schnitt 2,0 Punkte pro Spiel. Ohne ihn nur 1,4.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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