Frankfurter Personalplanung

Die Eintracht kämpft um Königsfigur Kamada

Von Jörg Daniels
23.08.2020
, 16:13
Wie geht es weiter mit Daichi Kamada? Der Japaner hat sich glänzend entwickelt. Makoto Hasebe rät seinem Landsmann zur Verlängerung. Kamadas Weg könnte auch ein Vorbild für einen anderen Spieler sein.

Der 24 Jahre alte Daichi Kamada hört auf seinen zwölf Jahre älteren japanischen Landsmann Makoto Hasebe. „Hase“, wie er bei Eintracht Frankfurt respektvoll genannt wird, ist ein großes Vorbild für Kamada, dieser schaut zum asiatischen Bundesliga-Rekordspieler auf, der im Juni mit seinem 309. Einsatz beim 0:2 gegen Mainz Bum-Kun Cha in der Statistik überholt hat. Der vielseitige Defensivakteur Hasebe, daran lässt der langjährige Kapitän der japanischen Nationalmannschaft keinen Zweifel, würde dem offensiven Mittelfeldspieler Kamada empfehlen, seine Karriere über den 30. Juni 2021 hinaus in Frankfurt fortzusetzen.

Bundesliga

„Es wäre für Daichi die beste Entscheidung, seinen Vertrag zu verlängern“, sagte Hasebe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und begründete seine Meinung so: „Daichi hat in der vergangenen Saison sehr gut gespielt und eine sehr gute Entwicklung genommen.“ Nun müsse Kamada „weiter hart arbeiten – das hat bisher bei der Eintracht sehr gut funktioniert“. Hat Hasebe, der eine Art großer Bruder für Kamada (zehn Tore und neun Vorlagen wettbewerbsübergreifend in der Vorsaison) ist und der dessen Integration in Frankfurt maßgeblich unterstützt hat, seinem Landsmann in der Sache persönlich gut zugeredet?

Vertragsangelegenheiten seien „sehr sensibel. Wir sprechen nicht so viel über diese Details“, sagte Hasebe. „Wenn er einen Rat von mir braucht, stehe ich Daichi zur Seite.“ Als Tippgeber steht der Musterprofi dank seiner riesigen Erfahrung allen Eintracht-Spielern zur Verfügung, wenn dies gewünscht ist. „Ich bin der älteste Spieler der Bundesliga – Stand heute. Deswegen ist meine Aufgabe auch, jungen Spielern zu helfen und nicht nur Fußball zu spielen.“ Aber natürlich wolle er in der neuen Saison „jedes Spiel auf dem Platz stehen“ - so sieht Hasebe in der Gesamtheit seine Rolle in seiner dann siebten Spielzeit bei Eintracht Frankfurt.

Auch mit Trainer Adi Hütter möchten die Hessen langfristig ihre sportliche Zukunft gestalten. Es spricht viel dafür, dass der 50 Jahre alte Österreicher noch vor dem Pflichtspielstart am 12. September im DFB-Pokal seinen Vertrag vorzeitig über den 30. Juni 2021 hinaus verlängern wird. Am Freitag teilte Hütter indirekt mit, dass einer Einigung nicht mehr viel im Weg stehen würde. Womöglich bedarf noch der eine oder andere finanzielle Punkt einer abschließenden Klärung. Gleichzeitig überraschte er ein bisschen mit der Aussage, dass die Vertragsverlängerung von Kamada „fast wichtiger“ sei als seine eigene.

Den jungen Japaner adelt Hütter als „supertollen, interessanten Spieler. Wir setzen alles daran, dass er hierbleibt. Er soll sich bei uns weiterentwickeln, die letzte Saison bestätigen und sich noch weiter steigern.“ Bei Kamada, hieß es in den zurückliegenden Wochen, sollen die Gehaltsvorstellungen zwischen Spieler und Verein deutlich auseinandergelegen haben. Ein Diskussionspunkt könnte zudem die Pandemieklausel sein, die die Eintracht in Zukunft in ihren Verträgen zu verankern gedenkt.

Würden der Klub und Kamada, der am Samstag beim 2:1-Sieg beim niederländischen Meister PSV Eindhoven ein Tor erzielte, keine Übereinkunft über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit des technisch hoch veranlagten Profis über die kommende Bundesliga-Saison hinaus erzielen, müssten die Frankfurter ihn aus wirtschaftlichen Gründen eigentlich verkaufen, um ihn im Sommer 2021 nicht ablösefrei ziehen lassen zu müssen. „Wenn einer weggeht, müssen wir reagieren. Da sind wir vorbereitet“, sagte Hütter. Finanziell den höchsten Wert auf dem Spielermarkt hätten die langfristig an die Eintracht gebundenen Profis Filip Kostic (Vertrag bis zum Sommer 2023), Martin Hinteregger (bis 2024) und Evan Ndicka (bis 2023). Zu diesem Kreis zählt auch Torhüter Kevin Trapp (bis 2024). Aus sportlichen Gründen will Hütter aber keinen von ihnen verlieren.

„Wir haben eine sehr gute Qualität im Kader“, sagte Hasebe. Er könne sich vorstellen, „dass wir die internationalen Plätze angreifen können – das ist durchaus realistisch“. Sein Ziel sei es, betonte Hasebe, „dass wir auf jeden Fall besser abschneiden als in der vergangenen Saison“. Diese beendete die Eintracht auf Rang neun – mit vier Punkten Rückstand auf den Europa-League-Qualifikationsplatz sieben. Positiv nimmt Hütter aktuell zur Kenntnis, dass seine Mannschaft auf allen Positionen bereits „doppelt besetzt“ sei.

Eintracht Frankfurt schaut sich weiter um

Zur neuen Kaderstärke tragen auch die beiden Neuzugänge Steven Zuber (kam aus Hoffenheim) und Stürmer Ragnar Ache (Sparta Rotterdam) bei, der von U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz für die EM-Qualifikationsspiele gegen Moldau und Belgien Anfang September nominiert worden ist. Zu diesem Zeitpunkt wird Hütter auf eine Reihe von Nationalspielern verzichten müssen, was ihm und seinem Trainerstab die weitere Saisonvorbereitung erschwert. Das sei dann „etwas anderes“, sagte Mittelfeldspieler Dominik Kohr in dieser Woche. „Spiele elf gegen elf“ seien kaum möglich: „Der kleinere Kader ist eine Herausforderung für den Trainer.“

Unabhängig davon, ob einer der Starspieler die Eintracht in der diesmal bis zum 5. Oktober dauernden Transferperiode verlassen wird, könnte das Frankfurter Aufgebot personell noch Zuwachs bekommen. Es gäbe noch die eine oder andere Position, auf der die Eintracht „ihre Qualität verbessern“ könnte, sagte Hütter. Wo genau er Bedarf sieht, ließ der Trainer offen. Offensichtlich aber ist, dass den Frankfurtern noch ein technisch starker offensiver Mittelfeldspieler mit strategischen Fähigkeiten gut zu Gesicht stehen würde.

Auch auf der Sechserposition könnte nach den Abgängen von Gelson Fernandes, Lucas Torró und Jonathan de Guzmán eine Ergänzung Sinn machen. Sportvorstand Fredi Bobic erwartet im September mit dem Bundesliga-Start einen äußerst spannenden Transfermarkt. In Zeiten großer Unsicherheit durch die Corona-Pandemie werde die Eintracht zur gegebenen Zeit womöglich aktiv werden, kündigte Bobic an.

Kamada setzte sich in Frankfurt gewissermaßen auf dem zweiten Fußball-Bildungsweg durch. Im Anschluss an seine erfolgreiche Leihe nach Belgien zu VV St. Truiden trumpfte er bei der Eintracht auf. Diesen Karriereplan haben die Frankfurter nun auch für Dejan Joveljic entworfen. Den 21 Jahre alten Stürmer aus Serbien, der momentan in einer separaten Trainingsgruppe unter anderem mit Verteidiger Simon Falette und Torhüter Felix Wiedwald Dienst verrichten muss, wollen sie abermals verleihen. Bei der Eintracht wäre Joveljic nur in der Außenseiterrolle als Angreifer Nummer fünf. „Deshalb müssen wir einen Verein finden, bei dem Dejan Tore machen kann“, hebt Hütter hervor. „Dann bekommen wir in einem Jahr einen anderen Spieler retour – so ähnlich wie bei Daichi Kamada.“

Quelle: F.A.S.
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