Eintracht beim VfL Bochum

Es wird schwerer als gegen Piräus

Von Jörg Daniels
24.10.2021
, 08:39
Stimmungshoch: Die Eintracht-Spieler bejubeln das Tor von Kamada (2.v.r.) zum 3:1.
Nach dem Festtag in der Europa League will die Eintracht in der Bundesliga in Bochum nachlegen. Doch die Frankfurter plagen Verletzungssorgen – und die Gewissheit, in dieser Saison unbeständig zu sein.
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Am Donnerstagabend, wenige Minuten nach dem mitreißenden 3:1 über Olympiakos Piräus in der Europa League, hat Sebastian Rode die Richtung für das Auswärtsspiel in Bochum an diesem Sonntag (19.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei DAZN) vorgegeben. „Wir müssen auch gegen den Aufsteiger unsere Leistung abrufen und den heißen Kampf annehmen“, sagte der Eintracht-Kapitän im Pressekonferenzraum der WM-Arena.

Bundesliga

Der 31-Jährige wollte kein Spielverderber im Stimmungshoch sein, auch ihm stand die Freude über den Frankfurter Festtag auf der internationalen Bühne ins Gesicht geschrieben – vor allem, weil er für rund zehn Minuten sein Comeback nach langer Verletzungspause (Knie) gegeben hatte und wieder Teil der Erfolgsgemeinschaft war. Aber mit seinem Weckruf warnte Rode die Kollegen davor, die spielerische Wankelmütigkeit in dieser Saison fortzusetzen.

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Die Eintracht ist unberechenbar: Mal zeigt sie sich von ihrer besten Seite wie gegen Piräus oder Bayern München (2:1), und mal präsentiert sie sich wie beim 1:2 zu Hause gegen Hertha BSC Berlin in ungenügender Verfassung – auch dem Bochumer Trainer Thomas Reis ist aus der Ferne nicht entgangen, dass die Hessen eine „Wundertüte“ sind. „Wir müssen Konstanz reinkriegen und das Duell mit Piräus als kleinen Maßstab nehmen“, forderte Rode. „Es wäre schön, wenn dieses Spiel der Schlüsselmoment für eine erfolgreiche Saison wäre.“ Der Anfang für einen Neustart ist aus Eintracht-Sicht gemacht. „Nach dem Berlin-Spiel wollten wir eine Reaktion.“ Jeder Spieler, so Rode, wisse, „was die Stunde geschlagen hat“.

Alltagsgeschäft Bundesliga

In Bochum hat die Eintracht das Alltagsgeschäft in der Bundesliga wieder. Sie muss jetzt buchstäblich am Ball bleiben. Allen beweisen, dass sie zum Umschwung wirklich fähig ist. „Am meisten fehlt uns Konstanz über 90 Minuten oder über mehrere Spieltage hinweg.“ Wichtig sei, „dass wir jetzt nicht in Euphorie verfallen“, mahnte Oliver Glasner. Der Trainer erwartet mit dem VfL einen „hoch motivierten Gegner in einem ausverkauften Stadion. Wir sind gewarnt. Wenn du mit 95 Prozent in der Bundesliga spielst, gehst du als Verlierer vom Platz“, sagte er. Sein Kapitän Rode geht davon aus, „dass es für uns schwerer wird als gegen Piräus“.

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Im Klassement sind die Eintracht und Bochum im unteren Segment Tabellennachbarn: Der Aufsteiger hat sieben Punkte, die Frankfurter, denen in acht Begegnungen nur ein Erfolg gelang, einen mehr. Soll Abstiegskampf bei ihnen nicht zum leidigen Dauerthema werden, sollten sich die Hessen beim VfL durchsetzen. Was ihren Ansprüchen entspräche.

Plötzlich eine andere Körpersprache

Seine Mannschaft müsse jetzt „den Schwung und dieses Selbstvertrauen“ aus dem Piräus-Spiel mitnehmen, sagte Glasner nach dem Auftritt der Eintracht, die vor 35.000 Zuschauern mit Tempofußball, Mut und Überzeugung aufgespielt hatte. Plötzlich war die Körpersprache der Spieler eine andere. Das Zögerliche und Zaghafte legten die Profis ab, stattdessen verrichteten sie mit Leidenschaft und Aggressivität ihr Werk. Außerdem trauten sich die Frankfurter wieder Kombinationsfußball in schönster Ausprägung über sechs, sieben Stationen zu. Torhüter Kevin Trapp bezeichnete das Gebotene als „Leckerbissen“.

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An dem ausgiebigen Festtagsmahl auf dem Platz hatte die neue Offensivreihe großen Anteil. Die Zugänge Sam Lammers, Jens Petter Hauge und Jesper Lindström, die das Angriffsspiel zuletzt nicht in Schwung gebracht hatten, mussten weichen. „Es ist gut, dass die Jungs aus der Schusslinie sind“, sagte Glasner. An ihrer Stelle durften der spielfreudige Antreiber Daichi Kamada im zentralen Mittelfeld sowie Gonçalo Paciência und Rafael Borré im Sturm ran.

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Der Kolumbianer übernahm bei dem von ihm verwandelten Elfmeter zum 1:0 Verantwortung. Und der Portugiese Paciência war am dritten Treffer durch Kamada beteiligt, da Piräus-Torhüter Tomas Vaclik den Schuss des Angreifers abprallen ließ. Glasner bescheinigte Borré, ein „großartiges Spiel“ gemacht zu haben. „Er fühlt sich hier immer wohler.“ Es sei ein Vorteil gewesen, „dass sich Gonçalo und Rafael unterhalten können“, meinte der Trainer.

Taten ließ auch Kamada sprechen, den der Trainer als „hochintelligenten Spieler“ hervorhob. „Daichi hat sich gekonnt in den engen Räumen bewegt und immer wieder die Lücken gefunden. Mal stand er zwischen den Ketten, dann hat er wieder zu Tiefenläufen angesetzt und so auch ein tolles Tor erzielt.“ Kamada kann am besten Europa League: In seinen 13 Einsätzen in dem Wettbewerb erzielte er bisher sieben Tore und kommt auf zwei Vorlagen.

Gegen Piräus hatte Glasner zum vierten Mal hintereinander auf eine Dreier- oder Fünferabwehrkette gesetzt. Am Donnerstag mit einem starken Abwehrchef Makoto Hasebe, der eine Passquote von 91 Prozent und 78 Ballkontakte hatte. Den 37 Jahre alten Japaner plagen wie Tuta, Almamy Touré und Djibril Sow nach der Belastung muskuläre Probleme. „Es scheint aber alles nicht ganz so schlimm zu sein“, sagte Glasner. „Es wird unsere Aufgabe sein, bis Sonntag die geistige und körperliche Frische wiederherzustellen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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