Eintracht vor Europa-League

Flutlicht – und Trendumkehr?

Von Jörg Daniels
15.09.2021
, 15:12
Djibril Sow freut sich auf den Auftakt in der Europa-League.
Beim Europapokal-Spiel gegen Fenerbahce wird OIiver Glasner nicht an der Seitenlinie stehen. Djibril Sow hofft auf eine „elektrisierende“ Energie für den ersten Eintracht-Sieg und die weitere Saison.
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Was ist das denn für eine Frage, muss sich Djibril Sow gedacht haben. Am Dienstag wollte ein Reporter vom Eintracht-Profi wissen, wer am Donnerstag beim Europa-League-Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei TVNOW) die Frankfurter Mannschaft coachen werde? Sow blickte im Pressekonferenzraum der WM-Arena irritiert in die Runde und blieb vor lauter Verunsicherung eine Reaktion schuldig, weil er ahnte, dass Oliver Glasner nicht die richtige Antwort sein würde.

Europa League

In der Tat: Zum Start in die internationale Spielrunde ist der 47 Jahre alte Österreicher in Diensten der Hessen von der Disziplinarkommission der UEFA gesperrt. Cheftrainer Glasner muss deshalb auf der Tribüne Platz nehmen und wird von seinem Assistenztrainer Michael Angerschmid vertreten. „Ach so, das wusste ich auch noch nicht“, sagte Sow dann. Die Zusammenkunft mit den Medien zur Mittagszeit verließ der Schweizer Nationalspieler mit einem neuen Erkenntnisstand.

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Zu lange Pause

Als Glasner noch Trainer beim VfL Wolfsburg war, waren er und sein Team Anfang Oktober 2020 beim Play-off-Spiel gegen AEK Athen nach der Halbzeitpause zu spät auf den Platz zurückgekehrt. Damals nicht zum ersten, sondern schon zum dritten Mal. Der Cheftrainer hatte es nach einer Ermahnung beim ersten Vorfall sowie einer Sperre auf Bewährung und einer Geldstrafe für den Verein als zweite Sanktion offenbar darauf ankommen lassen.

Erst eine Viertelstunde nach Spielschluss wird Glasner nun am Donnerstag (Spielbeginn: 21 Uhr) in Frankfurt zur Mannschaft stoßen können. Aktuell spiele das nicht mehr so eine große Rolle, meinte Sow zur Abwesenheit seines Vorgesetzten. „Denn durch die Zuschauer im Stadion könne man den Trainer ohnehin kaum hören.“

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Die Eintracht-Verantwortlichen hatten vor der Verpflichtung von Glasner in diesem Sommer Kenntnis von dessen Sperre im Auftaktspiel der Europa League. Sportvorstand Markus Krösche vermag die Hintergründe zwar nicht zu beurteilen, er schätzt das Urteil jedoch „grundsätzlich“ als „harte Strafe“ ein.

„Qualitätsspieler“ im Angriff

Mit nur drei gesammelten Punkten aus vier Spielen ist die bisher sieglose Eintracht in der Bundesliga schlecht aus den Startlöchern gekommen. Vor allem mit dem Toreschießen klappt es noch nicht wie gewünscht. In den Duellen mit Augsburg (0:0), Bielefeld und Stuttgart (jeweils 1:1) gelangen den Frankfurtern nur drei Treffer. Er denke aber, „dass es immer noch eine geile Saison werden kann“, sagte Sow. „In der vergangenen Saison hatten wir auch erst viele Unentschieden und nicht so viele Tore erzielt. Aber irgendwann ist es dann gekommen, und wir haben die Spiele gewonnen.“

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In der Breite sieht Sow die Eintracht „qualitativ vielleicht noch besser als in der abgelaufenen Runde aufgestellt. Das sind alles Qualitätsspieler, die wir vorne haben.“ Noch sind Rafael Borré, Jesper Lindström und Sam Lammers ohne Torerfolg. Trotz des Fehlstarts macht es Sow „Spaß, jeden Tag hierherzukommen“. Sein großer Wunsch ist es, dass das Fenerbahce-Spiel zum Wendepunkt und zur „Initialzündung“ für einen erfolgreichen Saisonverlauf wird.

Bei der letzten Teilnahme am Europapokal scheiterte die Eintracht im Achtelfinale am FC Basel.
Bei der letzten Teilnahme am Europapokal scheiterte die Eintracht im Achtelfinale am FC Basel. Bild: dpa

So wie in der Saison 2018/2019, als das Frankfurter 2:1 in Marseille unter dem damaligen Cheftrainer Adi Hütter für die Trendumkehr nach einem enttäuschenden Saisonbeginn sorgte. Aus disziplinarischen Gründen waren damals in Frankreich keine Zuschauer zugelassen. Zu Pandemiezeiten können die Hessen im Duell mit dem türkischen Spitzenklub, in dessen Aufgebot der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil steht, immerhin vor 25 000 Zuschauern spielen.

Auch wenn das Stadion nur zur Hälfte besetzt sein wird, rechnet Sow wieder mit einer „elektrisierenden Fußballnacht. Europa League. Am Abend. Unter Flutlicht – wir alle wissen, dass das in Frankfurt spezielle Abende sind“, sagte Sow. „Wir wollen das Spiel dominieren. Wir sind zu Hause, das ist unser Stadion.“ Da sei es „egal“, wie viele Fenerbahce-Anhänger am Donnerstag im Stadion sein werden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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