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Ärger beim FC Bayern

„Ich könnte durchdrehen“

Von Daniel Theweleit, Mönchengladbach
 - 10:40
Joshua Kimmich verlässt den Platz in Gladbach mit wilden Flüchen.

Das Spiel war bereits abgepfiffen, als doch ein Hauch jener Kraft in Erscheinung trat, die seit Jahren Angst und Schrecken in der Fußball-Bundesliga verbreitet. Der eiserne Siegeswille, die Gier nach Siegen beim FC Bayern München, dieser unerbittliche Ehrgeiz erschien im Gesicht von Joshua Kimmich. Der Nationalspieler kochte vor Wut, nachdem sein Klub zum zweiten Mal nacheinander ein Spiel verloren hatte, das niemals hätte verloren werden dürfen. Dem 1:2 gegen Bayer Leverkusen war nun ein 1:2 bei Borussia Mönchengladbach gefolgt. „Ich könnte durchdrehen“, sagte Kimmich, nachdem er wilde Flüche hervorstoßend vom Platz gelaufen war.

Bundesliga

Manchmal wirkt der Nationalspieler, als würde er gleich platzen vor Ehrgeiz, und in guten Momenten verkörpert er damit genau das, was sie bei Borussia Dortmund meinen, wenn sie ihren Wunsch nach einer ausgeprägteren Siegermentalität formulieren. Nun hat der FC Bayern zwei Partien nacheinander auf eine Art verloren, wie sie eigentlich eher zum großen Rivalen BVB passt. Nach einer ganz und gar überlegenen ersten Hälfte mit wunderbaren Chancen für vier oder fünf Tore, schlichen sie am Ende als Verlierer vom Platz. „Wir haben viel, viel, viel zu wenig Punkte für unsere eigenen Ansprüche“, fauchte Thomas Müller. Es fühle sich „seltsam“ an, dass „die Journalisten einen vor den Mikrofonen loben, obwohl man verloren hat“, fand der Angreifer.

Wenn die Münchner in der Bundesliga gut spielen, dann gewinnen sie in der Regel auch, weil die Offensive mit Robert Lewandowski normalerweise nicht viele Chancen braucht, um viele Tore zu schießen. Weil es den berühmten Bayern-Dusel gibt. Und weil Gegner oftmals nicht an die eigene Chance glauben. Das ist derzeit anders. Nach einer Flut wunderbarerer Torchancen war Ivan Perisic kurz nach der Pause das 1:0 gelungen, endlich schien der berühmte Knoten geplatzt zu sein. Der Plan der Borussia funktionierte einfach überhaupt nicht, wieder einmal schien es, als sei ein Gegner den Besonderheiten eines Spitzenspiels gegen die großen Bayern nicht gewachsen sein. Doch was folgte war ganz und gar untypisch.

Bundesliga

Die Bayern hätten „aufgehört mit der Selbstverständlichkeit, mit der Dominanz“, schilderte Manuel Neuer seine Eindrücke. Statt einen verunsicherten Gegner mit einem zweiten Tor endgültig in die Knie zu zwingen, verloren Thiago, Leon Goretzka, Kimmich und Müller Sicherheit und Souveränität, wurden unaufmerksam, Trainer Hansi Flick erklärte: „Wir haben irgendwann aufgehört Fußball zu spielen.“ Aber warum? „Man weiß nie aus welchem Grund. Und darüber muss man reden“, erwiderte Hasan Salihamidzic auf diese Frage. Eine große Ratlosigkeit lag in den Blicken und den Statements der Münchner.

Eigentlich hatte der Trainerwechsel Anfang November, als Flick nach der Trennung von Niko Kovac vom Assistenten zum Chefcoach befördert wurde, ja sofort den erhofften Effekt gehabt. Vier Siege mit 16:0 Toren folgten, nun hat Flick zwei Mal nacheinander verloren, er wirkte angeschlagen. „Wichtig ist für uns, dass wir bis zur Winterpause weiterhin guten Fußball spielen, dass wir weiterhin dranbleiben und vielleicht den einen oder anderen Punkt noch reinholen“, sagte er mit dünner Stimme.

Diese rhetorische Zurückhaltung ist angenehm, eine sympathische Demut schimmert hinter diesen Worten hervor. Zugleich handelte es sich bei dieser Aussage aber um einen Satz, der ganz und gar nicht zum Selbstbild des Rekordmeisters passt. Es hat in München noch nie gereicht, „guten Fußball“ zu spielen, und „den einen oder anderen Punkt“ zu holen. Der Anspruch ist: jedes Spiel gewinnen.

Das gelingt in dieser Hinrunde überhaupt nicht, irgendwann äußerte Kimmich den Verdacht, dass die Mannschaft sich von einem giftigen Gedanken habe benebeln lassen. „Wer glaubt, dass das wieder so wird wie in der letzten Saison, der ist glaube ich fehl am Platz“, erklärte der Rechtsverteidiger. Vor einem Jahr hatte der FC Bayern nach 14 Spieltagen sogar neun Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze, an der damals die Dortmunder rangierten, Meister wurden sie trotzdem.

Nun sind es sieben Zähler Rückstand auf die Gladbacher. Der große Unterschied besteht allerdings darin, dass diesmal sechs Klubs vor den Münchnern stehen. Lauter Konkurrenten, die nicht mehr automatisch in Ehrfurcht erstarren, wenn sie gegen die Macht aus München antreten, die vielmehr ihre Chancen sehen, die sich Siege zutrauen. So wie die 50 Minuten lang erschreckend schwache Borussia.

Wäre diese Partie 1:1 ausgegangen, hätten sich gute Argumente finden lassen, um von einem glücklichen Punkt für den Tabellenführer zu sprechen, trotzdem wollten die Gladbacher nach dem Ausgleichstor durch Ramy Bensebaini mehr. „Wir haben das 1:1 nicht verwaltet, sondern auf Sieg gespielt, das gemacht, was uns in den letzten Monaten ausgezeichnet hat, und wurden am Ende mit dem Elfmeter belohnt“, sagte Trainer Marco Rose. Mit einem Elfmeter, den Javi Martinez durch eine ziemlich kopflose Grätsche verursacht hatte.

Es gab eine Zeit, da waren es die Münchner, die ihre engen Spiele auf der Basis dieser Mischung aus Glück und gegnerischem Unvermögen gewannen. In diesem Dezember sind es ihre Gegner.

Quelle: FAZ.NET
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