Debatte um Trainer-Zukunft

Zeitspiel beim FC Bayern im Fall Flick

16.04.2021
, 14:53
In der Debatte um den Münchner Erfolgstrainer gibt es ein Gespräch mit dem künftigen Klubchef Oliver Kahn. Dabei geht es aber nicht um Flicks Zukunft. Den Coach interessieren derzeit eh andere Sachen.

Hansi Flick hat schon mit Oliver Kahn gesprochen. Aber die Zukunft des Sechs-Titel-Trainers über die Saison hinaus klärten der künftige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern und der als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw gehandelte Flick (noch) nicht. So berichtete es am Freitag zumindest Flick.

Bundesliga

„Mit Oliver Kahn habe ich kurz gesprochen, aber da ging es um andere Dinge“, sagte der 56-Jährige. Und die Frage, ob er sich für seinen Gedankenprozess zur eigenen Zukunft eine Deadline gesetzt habe, ließ Flick auch lässig ins Leere laufen: „Es ist jetzt nicht so, dass wir da Druck haben.“

Wesentlich mehr Druck haben die Münchner nach dem internationalen K.o. gegen Paris Saint-Germain am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) im Topspiel der Fußball-Bundesliga beim sehr heimstarken Tabellendritten VfL Wolfsburg. „Jeder im Verein weiß, wie wichtig diese Woche ist. Danach ist Zeit, um durchatmen zu können. Jetzt liegt der absolute Fokus von allen – Trainern, Spielern, Umfeld, Verein – komplett auf den drei Spielen“, sagte Flick zu den drei Aufgaben Wolfsburg, Leverkusen, Mainz.

„Man schläft auch nicht gut“

Die Fallhöhe bleibt hoch. Der DFB-Pokal ist schon länger futsch, die Champions-League-Trophäe ist seit Dienstagabend auch weg. Und die Meisterschale? Auf der womöglich letzten Etappe mit Flick sowie den schon fixen Abgängen der zweimaligen Triple-Gewinner David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez soll der neunte Meistertitel am Stück Priorität genießen. „Es ist wichtig, die Dinge gut zu Ende zu bringen“, mahnte Flick. Ähnlich hatte sich Kahn nach dem nutzlosen 1:0 in Paris geäußert: „Jetzt voller Fokus auf die Meisterschaft!“

Beim kurzen Austausch mit dem künftigen Münchner Ober-Boss sprach Flick auch darüber, „wie man das Aus in Paris verdaut“ habe. „So schnell ist das nicht weg. Man schläft auch nicht so gut“, verriet Flick drei Tage später. Aber er bemühte auch sogleich das ewige Motto des früheren Torwart-Titans Kahn: „Es geht immer wieder weiter.“

Flick brachte im Fernduell mit Verfolger RB Leipzig eine weitere Zusatzmotivation ins Spiel. „Ich habe gehört, dass man einen fünften Stern bekommen könnte, wenn man noch mal Meister wird. Das wäre eine schöne Sache, wenn man den fünften Stern auf den Trikots bekommen könnte“, sagte er. Nach dem 20. Liga-Titel erhielt der Rekordmeister 2008 Stern Nummer vier, für Titel Nummer 30 gäbe es Stern fünf.

Zunächst geht’s aber in Wolfsburg um drei Punkte. Und der in die Champions League drängende VfL ist in dieser Saison gerade daheim eine Macht (neun Siege, vier Remis). „Wolfsburg gehört zu den Besten in der Liga“, sagte Flick. Und die eigene Personalsituation verbessert sich nicht. Torjäger Robert Lewandowski, Serge Gnabry, Niklas Süle und Leon Goretzka fallen weiterhin aus. Erst im Verlauf der Englischen Woche erwartet Flick eine Leerung des Lazaretts.

Wenn Flick demnächst in einem längerem Gespräch mit Kahn die Zukunft erörtert, dürfte auch das Arbeitsklima auf der Führungsebene ein großes Thema sein. Der Dauerzwist des Trainers mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Reibereien bei der Kaderplanung bieten keine tragfähige Basis bis zu Flicks Vertragsende im Sommer 2023.

Denn dieser outete sich am Freitag als Harmoniemensch. Reibung auf Dauer bevorzuge er nicht. „Es gibt im Leben nie irgendetwas, was zu hundert Prozent da ist. Darum muss man auch Konflikte in Kauf nehmen. Aber wenn es irgendwo harmonisch zugeht, ist – meiner Meinung nach – die Chance Erfolg zu haben, vielversprechender“, sagte Flick vielsagend.

Quelle: dpa
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