Ärger beim FC Bayern

„Das war keine Glanzleistung“

Von Elisabeth Schlammerl, München
25.09.2021
, 10:11
Torschütze und doch nicht zufrieden: Thomas Müller
Trotz des nächsten Erfolgs in der Fußball-Bundesliga ärgern sich die Münchner über „schlampige“ Momente beim Spiel gegen Greuther Fürth. Auch Trainer Julian Nagelsmann gesteht Fehler ein.

Es gibt ein paar Indikatoren, um den Auftritt einer Fußball-Mannschaft zu bewerten. Klar, Tore sind ausschlaggebend, und ob das Spiel gewonnen oder verloren ging. Darüber hinaus liegt die Beurteilung allerdings immer auch im Auge des Betrachters – und sie hängt ab von den Ansprüchen, den eigenen und den fremden. Beim FC Bayern, der ja fast immer gewinnt und oft auch viele Tore schießt, sind die stets sehr, sehr hoch, und die Kriterien deshalb besonders streng.

Bundesliga

Als Joshua Kimmich kurz nach dem Abpfiff des Spiels bei Aufsteiger Greuther Fürth vors Mikrofon trat, wirkte er deshalb nicht wie ein Spieler der Mannschaft, die soeben die fünfte Bundesligapartie nacheinander für sich entschieden hat und die Konkurrenz schon wieder in der frühen Phase der Saison verzweifeln lässt. Gut, 3:1 gewonnen, ziemlich ungefährdet außerdem, „aber es war keine Glanzleistung“, sagte der Mittelfeldspieler.

Auch sein Trainer referierte später mehr über das, was noch besser werden muss beim Rekordmeister als über die gelungenen Aktionen und die über weite Strecken große Dominanz seiner Mannschaft. Tabellenplatz eins sei gesichert, deshalb, findet Julian Nagelsmann, müsse man zufrieden sein. Thomas Müller sprach davon, „vorne ein bisschen zu wenig“ gemacht zu haben, was die fast ausgeglichene Torschussbilanz unterstreicht. Nur zweimal öfter schossen die Münchner aufs Tor als die Franken, die zudem die Eckballwertung gewannen (6:3). „Wir haben zu schlampig gespielt“ im und um den Strafraum herum, „oder hatten die falschen Positionen“, sagte er „Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau“.

Lewandowski verpasst nächsten Rekord

Zumal es ja auch in diesem Spiel wieder Bestmarken gab. Müller (10. Minute), Kimmich (31.) und der Fürther Mittelfeldmann Sebastian Griesbeck mit seinem Eigentor (68.) erhöhten die Münchner Bilanz auf 23 Treffer in den ersten sechs Bundesligapartien, so gut startete vor Nagelsmann noch kein neuer Trainer beim FC Bayern. Außerdem hat Müller den früheren Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge in der klubinternen Torschützenliste überholt und ist jetzt mit 218 Treffern die Nummer drei hinter Gerd Müller (566) und dem Mannschaftskollegen Robert Lewandowski (309), der allerdings ganz persönlich keinen so schönen Abend erlebte im Fürther Ronhof.

Zum ersten Mal seit vergangenem November in einem Pflichtspiel, zum ersten Mal nach fünfzehn Bundesligapartien blieb der Pole, der unter der Woche mit dem „Golden Schuh“ als treffsicherster Schütze Europas in der vergangenen Saison ausgezeichnet worden war, ohne eigenes Tor und verpasste es damit, Gerd Müller den nächsten Rekord abzujagen.

Und damit wäre man doch wieder bei jenen Aspekten, die beim Aufsteiger nicht so gut, nicht perfekt liefen. Benjamin Pavard hat bei der knapp zweistündigen Busfahrt vom mittelfränkischen Fürth ins oberbayerische München womöglich schon gegrübelt, was er mit der für ihn unfreiwilligen Bundesliga-Pause am kommenden Wochenende (gegen Eintracht Frankfurt) und vermutlich sogar noch nach den Länderspielen (bei Bayer Leverkusen) nun anfängt. Der Rechtsverteidiger aus Frankreich sah zu Beginn der zweiten Hälfte die Rote Karte, weil er den früheren Münchner Julian Green am eigenen Strafraum unsanft von hinten umgegrätscht hatte.

Eine Aktion, die Nagelsmann diplomatisch als „nicht zwingend notwendig“ bezeichnete, „weil man es auch so noch hätte verteidigen können“ – und dem Rest der Mannschaft in Unterzahl fast eine komplette Spielhälfte lang ein wenig mehr Aufwand abverlangte als nötig. Der Gegentreffer von Cedric Itten zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit hatte allerdings weniger damit zu tun, dass die Münchner nur zu zehnt waren, sondern vielmehr mit falscher Zuordnung bei einer präzisen Flanke auf den Kopf des Schweizers in den Fünfmeterraum.

Es gehört zu den Aufgaben eines Trainers, genau hinzuschauen – und dass dabei manchmal eine etwas andere Sicht der Dinge herauskommen kann, wie sie das Schiedsrichtergespann hat, musste Nagelsmann am Freitagabend ebenfalls feststellen. Nach einem in seinen Augen ungerechtfertigten Freistoß für die Fürther reklamierte er ein wenig zu temperamentvoll und sah Gelb. Auch er, gab der Bayern-Trainer zu, habe da nicht ganz richtig reagiert. Da hätte er „früher wieder runterfahren“ müssen, „durch die Coaching-Zone laufen und einen Schluck trinken“.

Nicht perfekt zu sein, bedeutet aber für den FC Bayern meist, dass man doch noch perfekt werden will und an den Defiziten arbeitet. Man dürfe nicht aufhören, sagte jedenfalls Müller, „den nächsten Schritt zu machen, uns zu weiterzuentwickeln“. Kimmich hat keine Sorgen. „Der Charakter der Mannschaft ist super. Wir haben Spieler, die gierig sind“, sagte er. Keine guten Nachrichten für die Münchner Konkurrenz.

Quelle: FAZ.NET
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