5:1 gegen Köln

Der FC Bayern und der Mann mit dem Gefühl

Von Christopher Meltzer, München
27.02.2021
, 20:13
Ein Missverständnis zwischen Boateng und Alaba sorgt zwischenzeitlich für Spannung beim Spiel gegen Köln. Am Ende aber macht der FC Bayern alles klar. Im Mittelpunkt steht auch ein 18-Jähriger.

Am Tag nach seinem 18. Geburtstag sprintete Jamal Musiala mit kleinen Schritten auf ein buntes Plastikhütchen zu. Vor ihm rannte Leroy Sané, hinter ihm Robert Lewandowski. Sie trippelten sich warm für das Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln. Und wenn man Musiala, den dünnen Jungen mit der Nummer 42 auf dem Shirt, in der Arena des FC Bayern zwischen den Stars des FC Bayern sah, offenbarte sich einmal mehr: Er ist in wenigen Monaten ein nicht unbedeutendes Teil der zuletzt erfolgreichsten Fußballmannschaft der Welt geworden.

Bundesliga

Unter der Woche ist viel über Musiala geschrieben und gesprochen worden. Das fing an, als er am Dienstag beim 4:1-Sieg in der Champions League gegen Lazio Rom auf der Thomas-Müller-Position einsprang und bei seinem Tor zum 2:0 seine außergewöhnliche Ball- und Schusstechnik vorführte. Und das nochmal nahm zu, als er am Mittwoch verkündete, dass er in Zukunft für die deutsche Nationalmannschaft spielen möchte.

Er hätte auch für England auflaufen können, wo er mit seiner Familie für viele Jahre gelebt hat und als Fußballspieler ausgebildet worden ist. „Am Ende habe ich einfach auf mein Gefühl gehört“, sagte Musiala in einem „Sportschau“-Interview. Und Hansi Flick, sein Trainer in München, sprach vermutlich auch für seine früheren Kollegen beim DFB, als er danach sagte: „Eine gute Entscheidung für den deutschen Fußball.“

Zwei unterschiedliche Halbzeiten

Es war dann auch keine schlechte Entscheidung, dass Flick am Samstag trotz des Kader-Comebacks von Thomas Müller, der sich von seiner Covid-19-Infektion erholt hat, Musiala wieder von Anfang an aufstellte. Der war wie immer fleißig ohne und behutsam mit dem Ball. Für den 5:1-Sieg waren aber andere verantwortlich. Die Torschützen Eric-Maxim Choupo-Moting (18. Minute), Robert Lewandowski (34. und 65.) und Serge Gnabry (82. und 86.) natürlich. Der dreifache Vorbereiter Leon Goretzka. Aber eben auch der Einwechselspieler Thomas Müller, der in der 64. Minute ins Spiel kam und sofort das 3:1 vorlegte, als Köln nach dem Anschlusstreffer von Ellyes Skhiri (49.) auf den Ausgleich drängte.

Am 23. Spieltag legten die Bayern zwei unterschiedliche Halbzeiten hin – zumindest was die Spielkontrolle angeht. In der ersten Halbzeit waren sie so überlegen, dass man es sogar dann sehen konnte, wenn sie ausnahmsweise verteidigen mussten. In der vierten Minute flog der Ball im Münchner Strafraum auf Joshua Kimmich zu, der unter Bedrängnis war, aber den Ball nicht klärte, sondern ihn mit der Brust in die Hände von Manuel Neuer wuchtete.

Auf der anderen Seite war Leon Goretzka zweimal mindestens genauso geschickt: In der 18. Minute lupfte er den Ball in den Strafraum, wo Choupo-Moting ihn ins Tor köpfte. In der 34. Minute spielte er den Ball in den Lauf von Lewandowski, der ihn flach ins Tor schoss. Und als der Münchner Stadionsprecher danach das Tor verkündete, sagte er vorneweg: „Et kütt wie et kütt.“

In der zweiten Halbzeit waren die Bayern dann aber nicht mehr so überlegen, was man sehen konnte, weil sie immer häufiger verteidigen mussten. Ein Missverständnis der Innenverteidiger Jérôme Boateng und David Alaba nutzte Skhiri sogar für das 1:2 (49.). Die Kölner drängelten, die Bayern reagierten. In der 64. Minute wechselte Flick Müller und Gnabry ein – und nur ein paar Sekunden später erzielte Lewandowski auf Müller-Vorlage sein 28. Saisontor in der Bundesliga.

Es gab dann aber noch eine gute Chance für Köln, das Spiel spannend zu machen. Auf der linken Außenseite verlor Torhüter Manuel Neuer gegen Dominick Drexler den Ball, der verpasste das leere Tor aus spitzem Winkel aber. Der Ball rollte nur gegen den Pfosten (75.). Also kam es, wie es kommen musste: Flanke Lucas Hernandez, Tor Gnabry (82.). Flanke Goretzka, Tor Gnabry (86.). „Als Thomas und ich reinkamen, war es noch brenzlig für uns. Da haben wir versucht, ein bisschen Wind zu machen“, resümierte der zweimalige Torschütze dann auch trocken. Jamal Musiala schaute da übrigens nur noch von der Seitenlinie zu. Er musste für Müller weichen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Meltzer, Christopher
Christopher Meltzer
Sportkorrespondent in München.
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