Bayern-Chef Rummenigge

„Die Einstellung von Klinsmann war der größte Fehler“

19.01.2021
, 14:59
Vorstellung im Jahr 2008: Jürgen Klinsmann (links) und Karl-Heinz Rummenigge
Ende des Jahres hört Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern auf. Schon jetzt schaut der Vorstandschef zurück und spricht über Jürgen Klinsmann, Thomas Müller, Manuel Neuer sowie die Probleme mit der EM.
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Die überaus erfolgreiche Ära von Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender bei Triple-Gewinner Bayern München neigt sich dem Ende entgegen, doch auch der frühere Nationalmannschaftskapitän hat nicht immer richtig gelegen. „Die Einstellung von Jürgen Klinsmann“ sei sein größter Fehler gewesen, sagte der 65-Jährige im Interview mit dem „Münchner Merkur“ und der „tz“.

Bundesliga

Rummenigge begründete: „Man muss da ehrlich sein: Jürgen Klinsmann und der FC Bayern passten in unserer Klubkultur und unserer Philosophie leider einfach nicht wirklich zusammen. Er war ja kein Trainer im Sinne eines Trainers, er war eher ein Projektleiter.“ Der Klub hätte „ihm damals einen deutschen Top-Trainer an die Seite stellen müssen“, führte Rummenigge aus: „Ich bin aber der Meinung: Man muss auch Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen. Idealerweise sollte man sie nur nicht wiederholen.“

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Bayern München verpflichtete Klinsmann, der Deutschland bei der Heim-WM 2006 zu Platz drei geführt hatte, zur Saison 2008/09 als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld. Der Weltmeister von 1990, von 1995 bis 1997 als Angreifer beim FC Bayern tätig, scheiterte grandios und wurde noch vor Saisonende entlassen. Der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte vor Klinsmanns Verpflichtung den damals noch bei Underdog Mainz 05 tätigen Jürgen Klopp favorisiert, ehe Rummenigge sich durchsetzte.

Rummenigge würde Thomas Müller oder Manuel Neuer nach deren Karriereende gerne weiter beim FC Bayern sehen. „Ich würde dringend empfehlen, Thomas Müller in diesem Zusammenhang im Blickfeld zu behalten. Auch Manuel Neuer, unser Kapitän, bringt alles mit. Beide würden dem FC Bayern nach ihrer aktiven Karriere in einer anderen Position gut zu Gesicht stehen“, sagte Rummenigge mit Blick auf einen potentiellen Managerjob.

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Rummenigge will Ende des Jahres beim deutschen Fußball-Rekordmeister abtreten, Oliver Kahn beerbt ihn dann als Vorstandschef. Müller (31) und Neuer (34) besitzen jeweils noch Verträge bis zum Sommer 2023. „Ich werde in diesem Jahr 66 Jahre alt – und irgendwann muss man dazu bereit sein, Platz zu machen. Das ist im Fußball so wie im Management“, sagte Rummenigge. „Wichtig ist mir aber, dass der Klub gut aufgestellt ist. Und ich glaube, das ist durch die Personalien Herbert Hainer, Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic der Fall. Ich wünsche dem Trio genauso viel Erfolg und auch Spaß, wie Uli Hoeneß und ich das hatten.“

Rummenigge hält die Entscheidung über eine Austragung einer paneuropäischen Fußball-EM in diesem Jahr für komplex. „Man darf nicht vergessen, dass die Idee dieser speziellen Austragung des Turniers entstanden ist, als es Corona noch nicht gab. Das war damals eine Initiative der EU-Kommission, die den Fußball mal in ganz Europa dargestellt haben wollte“, sagte Rummenigge. „Ich weiß aber, dass der Uefa-Präsident Aleksander Ceferin – der unglaublich sorgfältig mit Corona umgeht – darüber nachdenkt, ob es in Zeiten von Corona nicht doch sinnvoller wäre, das Turnier in nur einem Land zu spielen. Mit einem entsprechenden Hygiene-Konzept, versteht sich.“

Die ursprünglich für 2020 angesetzte EM soll vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 in zwölf Ländern ausgetragen werden. Die Europäische Fußball-Union Uefa plant mit vier Szenarien für München und die weiteren elf Spielorte. Diese reichen von Spielen in vollen Stadien bis hin zu einem kompletten Zuschauer-Ausschluss. Am 5. März soll eine Regelung für jeden der Orte getroffen werden. „Die Uefa wird und muss in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällen, wie und wo das Turnier stattfinden soll. Das wird nicht leicht. Aber so wie ich Aleksander Ceferin kennengelernt habe, wird die Uefa mit großer Sorgfalt und Klugheit die richtige Entscheidung fällen“, sagte Rummenigge.

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Quelle: sid/dpa
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