„Das ist einfach scheiße“

Größtmögliches Debakel für Schalke 04

Von Daniel Theweleit, Gelsenkirchen
06.12.2020
, 19:56
Ein Eigentor, ein verschossener Elfmeter, drei Gegentreffer, wieder keine Punkte: Der FC Schalke 04 schlittert scheinbar ungebremst dem drohenden Abstieg entgegen. Wie tief können die Königsblauen noch stürzen?

Die Angehörigen des FC Schalke 04 haben mittlerweile eine gewisse Routine im Umgang mit dem rasenden Niedergang entwickelt, der auch am Sonntagabend ungebremst fortgesetzt wurde. „Es tut unglaublich weh“, sagte Michael Langer, der Frederik Rönnow im Tor des Revierklubs vertrat, nach dem 0:3 (0:1) gegen Bayer Leverkusen. „Wir müssen jetzt einfach Männer sein und Eier haben“, ergänzte Malik Thiaw, „was wir machen ist einfach Scheiße“. Sie sind traurig, ratlos, wütend, hilflos, da half es auch nicht, dass Leverkusens Trainer Peter Bozs sagte: „Die Schalker Mannschaft hat heute gut gespielt.“

Bundesliga

Denn der Tabellenletzte hat einen Zustand erreicht, in dem das Unglück jede sich bietende Situation nutzt, um zuzuschlagen. So wie beim 0:1, als Thiaw nach einer Ecke per Kopf ins eigene Tor traf. Der junge Verteidiger hatte zuvor einen Stoß seines Leverkusener Gegenspielers Aleksandar Dragovic bekommen, den die Schiedsrichter mit guten Gründen auch als Foul hätten werten können. Doch weder Benjamin Cortus auf dem Rasen, noch die Kollegen im Videokeller griffen ein. Oder in der 32. Minute, als Nassim Boujellab ein Tor schoss, zuvor jedoch eine Abseitsstellung von Mark Uth vorgelegen hatte. Auch einen Elfmeter verschossen sie noch, das Untergangsdrama in königsblau schreitet rasant voran.

Selbstvertrauen fehlt

Dabei war an diesem Abend schon etwas möglich im Leverkusener Strafraum, wo Dragovic und Jonathan Tah weniger sicher wirkten als Sven Bender und Edmond Tapsoba, das Leverkusener Stammduo auf dieser Position. Doch nach nunmehr 26 Spielen ohne Sieg in der Bundesliga fehlen Leichtigkeit und Selbstvertrauen. Ganz anders als bei den derzeit so erfolgreichen Gästen aus Leverkusen. Ein Dutzend Mal kamen sie in guten Positionen vor dem Schalker Tor zum Abschluss, doch Langer, der wohl beste Schalker, hielt immer wieder stark.

Nach der Pause wurde die Partie dann immer zerfahrener, die Zweikämpfe wurden härter geführt, und die Schalker hatten weiterhin Momente mit dem Potential zu großen Chancen zu werden. Aber es fehlte an Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Bayer hingegen nutzte eine weitere Ecke zum 2:0, Julian Baumgartlinger traf per Kopf (67.). „Wir sind sehr stabil, sehr konstant und effizient, das war in den letzten Jahren nicht immer so“, sagte der Österreicher, und Torhüter Lukas Hradecky erklärte: „Alles in allem war das eine ganz reife Leistung.“

Dennoch hätte Schalke das Spiel noch einmal spannend machen können, doch Steven Skrzybski verschoss 20 Minuten vor dem Ende einen Foulelfmeter. Danach gaben die Schalker sich auf. Patrik Schick gelang noch das 3:0 (78.), dies vollendete das nächste Desaster für den Tabellenletzten.

Bayer Leverkusen ist damit der große Gewinner des Wochenendes, das Team ist nun Tabellenzweiter einen Punkt hinter dem FC Bayern. „Das waren mit Abstand die besten zehn Spiele in der Bundesliga seit ich hier bin“, zog Baumgartlinger eine erste Zwischenbilanz dieser bislang so erfreulichen Saison. So tief die Schalker im Krisensumpf festsitzen, so günstig läuft es derzeit beim Werksklub vom Rhein.

Quelle: F.A.Z.
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