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Fußball-Glosse

Ist Goldsteak noch schlimmer als Goldtapete?

Von Christoph Becker
 - 11:50

Aufregende Woche am Flughafen Hannover-Langenhagen. Erst brettert ein 21 Jahre alter Autofahrer, mit viel Speed und damit über der im Straßenverkehrsgesetz erlaubten Reiseflughöhe unterwegs, mit seinem BMW aufs Rollfeld. Dann will die Bundesliga-Mannschaft von Hannover 96 abheben, ins Wintertrainingslager in Marbella. Das klappt ungefähr so gut wie die Flugversuche aus dem Tabellenkeller. Maschine defekt, umgebucht, Trainingstag ausgefallen. Wegen der Geschichte mit dem BMW überprüft der Flughafen sein Sicherheitskonzept. Mal sehen, mit welchem Konzept Trainer Breitenreiter 96 in der Rückrunde doch noch abheben lässt. Geht der Sinkflug Richtung zweite Liga weiter, lehrt die Erfahrung, dass in Hannover genau einer fliegt: der Trainer.

Stichprobenartige Kontrollen an deutschen Flughäfen haben ansonsten ergeben, dass alle Bundesliga-Spieler reibungslos zu ihren Wintertrainingslagern aufbrechen konnten. Für manchen gilt es dabei, mit liebgewonnenen Gewohnheiten zu brechen. Die Profis von Eintracht Frankfurt hatten sich in den letzten Jahren bei der traditionellen Rückrundenvorbereitung in Abu Dhabi an „Butler und Goldfäden in den Tapeten und solche Dinge“ gewöhnt. So erzählte es der Vorsitzende des Eintrachts-Aufsichtsrats, Wolfgang Steubing, in dieser Woche der F.A.Z.: „Zu viel des Guten“, sagt Steubing. Jetzt muss Florida reichen. Bemitleidenswert.

Dass die Eintracht nicht nach Abu Dhabi geflogen ist, könnte allerdings womöglich auch mit der Asienmeisterschaft zu tun haben. Die hat an diesem Wochenende begonnen – in Abu Dhabi und zwei weiteren Städten der Vereinigten Arabischen Emirate. Angesichts der geopolitischen Frontstellungen in der Region kann das Turnier als Erfolg betrachtet werden, wenn sich aus ihm selbst heraus kein neuer bewaffneter Konflikt entwickelt. Heikel liest sich der Spielplan schon am Montag beim Spiel Iran gegen Jemen. Noch nie seit der Vereinigung Nord- und Südjemens 1990 spielte eine jemenitische Mannschaft bei einer Asienmeisterschaft.

Jetzt, während zu Hause Krieg, Cholera und Hunger herrschen, darf die Auswahl in den Emiraten antreten gegen Iran, den Sponsor der jemenitischen Rebellenkrieger, auf die Abu Dhabis Kampfjets Bomben werfen. Ausgerechnet, sagt der Kriegsreporter. Apropos: Syrien ist zum ersten Mal seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 wieder dabei, trainiert vom drittletzten Trainer der DDR-Nationalmannschaft, Bernd Stange, der damit der Regierung Assad zur Rückkehr auf die Bühne des Weltfußballs verhilft, nachdem er schon der letzte Coach war, der von Saddams Sohn Udai, Präsident des irakischen Fußballverbandes, einen Vertrag bekommen hatte. Mit den Syrern gab es zum Start ein 0:0 gegen Palästina.

Fußballfreunde mit sportpolitischem Fetisch aber kommen am 17. Januar so richtig auf ihre Kosten, wenn Saudi-Arabien gegen Qatar antritt. Das Königreich und die Gastgeber in Abu Dhabi boykottieren den Ausrichter der nächsten Fußball-WM seit mittlerweile eineinhalb Jahren, nicht zuletzt mit dem Ziel, auch ein paar Spiele der WM 2022 ausrichten zu dürfen. Ausgang ungewiss, die saudischen Avancen lassen Fifa-Präsident Infantino vom Auftritt als Friedensfürst beim nächsten Weltturnier träumen. Bislang bleibt Qatar trotz Boykott bockig.

Dort, im boykottierten Qatar, trainieren derweil die Bayern. Angesichts des Rückstands auf Dortmund ist zu hoffen, dass sich der negative Einfluss golddurchwirkter Tapeten von den Spielern des Rekordmeisters fernhalten lässt. Sorge macht allerdings die Nachricht der Woche von Franck Ribéry: Der hat sich zum Urlaubsende von Internet-Starkoch Nusret Gökçe (aka Hashtag Salt Bae) in Dubai ein mit Blattgold überzogenes Steak servieren lassen, auf Gökçes Art, irgendwo zwischen Koch und Kasper. Kostenpunkt angeblich 1200 Euro. Es heißt, Ribéry sei eingeladen worden, was angesichts des inzwischen recherchierten Einkaufspreises von essbarem Blattgold vielleicht auch besser ist. Aber Geld, Geld ist hier nun wirklich gar kein Problem, weder geographisch noch branchenbezogen betrachtet. Und die Ausfälligkeiten des Ehepaars Ribéry? Quelle surprise. Wirklich spannend bleibt nur die sportliche Frage der Winterpause bleibt: Ist Goldsteak für die Form noch schlimmer als Goldtapete?

Quelle: F.A.S.
Christoph Becker
Sportredakteur.
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