Frankfurt besiegt Berlin 4:0

Riesenschritt in Richtung Bundesliga

Von Ralf Weitbrecht, Berlin
Aktualisiert am 26.03.2012
 - 22:34
Mehr als 500 Eintracht-Fans waren trotz Verbots nach Berlin gefahrenzur Bildergalerie
Eintracht Frankfurt zeigt bei Union Berlin, dass die Mannschaft aufsteigen will. Beim verdienten 4:0-Sieg erzielten Idrissou, Hoffer und zwei Mal Meier dieTore.

Die Frankfurter Schrittfolge stimmt. Mit einem Sieg zwei Schritte machen – der Plan von Armin Veh ist wirklich aufgegangen. Dabei war es ein hartes Stück Arbeit, um sich am Montagabend beim 1. FC Union Berlin die gewünschten drei Punkte zu holen. Doch am Ende hieß es im ausverkauften Stadion an der „Alten Försterei“ auch deshalb 4:0 für die Frankfurter Eintracht, weil die Mannschaft von Trainer Veh mehr Klasse beim Abschluss zeigte. Der Lohn: Nach Treffern durch Mohamadou Idrissou (9.), Erwin Hoffer (56.) und Alexander Meier (73. und 89.) hat die Eintracht ihren zweiten Tabellenplatz in der Zweiten Fußball-Bundesliga gefestigt. Mehr noch: Weil die drittplazierte Düsseldorfer Fortuna am Samstag gegen Eintracht Braunschweig nicht über ein 1:1 hinausgekommen war, beträgt der Vorsprung der Hessen vor den Rheinländern sieben Spieltage vor Saisonschluss nun schon fünf Punkte. Mit aktuell 58 Zählern liegt die Eintracht im Kampf um die Klassenversetzung damit bestens im Rennen. Die Spielvereinigung Greuther Fürth, zwei Tage zuvor souveräner 3:0-Sieger gegen den Abstiegskandidaten Karlsruher SC, führt mit 59 Punkten das Zweitliga-Klassement an.

Für die Eintracht nahm das schwere Auswärtsspiel bei den „Eisernen“ von Union einen überraschenden Anfang. Neun Minuten nur dauerte es, dann stand es 1: 0. Idrissou hatte mit einem Pass auf den rechten Flügel Hoffer bedient. Der kleine Österreicher flankte, der mitgelaufene Benjamin Köhler konnte im Liegen weiterleiten – und Idrissou sagte danke. Der Kameruner drosch den Ball in das leere Tor der Berliner.

Große Freude über diese Führung empfand auch der mitgereiste Frankfurter Anhang. Zwar gab es wegen der Verfehlungen beim Auswärtsspiel in Düsseldorf die Auflage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Partie bei Union unter Ausschluss von Eintracht-Fans auszutragen. Doch das war nur ein frommer Wunsch. Mehr als 500 waren trotzdem in die Hauptstadt gekommen. Friedlich entrollten sie nach dem 1:0 ein Spruchband. „DFB - wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar.“ Zehn Minuten später eroberten die Fans den eigentlich gesperrten Gästeblock. Die umsichtigen Ordner ließen die Frankfurter gewähren. Unterstützung erhielten die Eintracht-Fans auch vom Anhang von Union. „Lasst sie rein, lasst sie rein“, riefen sie.

Auf dem Platz ging das muntere Treiben zwischen Berlinern und Frankfurtern unverändert weiter. In der 28. Minute war es diesmal Hoffer, der nach Vorarbeit von Idrissou ein Tor hätte erzielen können. Doch der fleißige Angreifer verfehlte sein Ziel mit dem Kopf. Drei Minuten später musste Eintracht-Trainer Veh seine gegenüber dem Dresden-Spiel unverändert aufgebotene Mannschaft ändern. Innenverteidiger Bamba Anderson, nach drei Minuten schon mit seinem brasilianischen Landsmann Silvio zusammengeprallt, musste den Dienst quittieren (31.). Unmittelbar vor seiner Auswechslung war er zusammengebrochen.

Chancen für Union? Gab es. Beispielsweise in der 39. Minute, als Gordon Schildenfeld in höchster Not nach einem Schuss von Marc Pfertzel klärte. Immer wieder setzten die „Eisernen“ durch ihr engagiertes Pressingspiel die Eintracht unter Druck. Trotzdem aber waren es die Hessen, die die besseren Torgelegenheiten besaßen. Pech hatte Meier. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte landete sein Schuss am Pfosten.

Nach dem Wechsel nahm der Druck zu. Union drängte auf den Ausgleich. Doch weder Patrick Zoundi im Duell mit dem aus dem Strafraum geeilten Oka Nikolov (50.) noch der eingewechselte Tijani Belaid hatten Glück (55.). Anders die Eintracht. Mit kühler Präzision schlugen die Hessen im direkten Konter eiskalt zu. Kapitän Pirmin Schwegler schlug eine Maßflanke, und diesmal passte es mit Hoffers Kopf. Halb im Flug erhöhte der starke Stürmer auf 2:0. Meier hatte kurz danach sogar noch die Chance, auf 3:0 zu erhöhen, scheiterte aber an Union-Schlussmann Jan Glinker (65.). Die Folge: Meier wollte es im Nachgang wissen - und er machte sein Tor. 3:0 hieß es am Ende einer feinen Ballstaffette (73.), als Meier Maß nahm und mit einem Flachschuss traf. Die Partie war endgültig entschieden, obwohl Meier nach Vorarbeit von Rode noch den Ball zum 4:0-Endstand ins Tor schob.

Übrigens: Nach Hause gekommen ist der Eintracht-Tross anders als geplant. Weil an einigen deutschen Flughäfen, darunter auch Berlin-Tegel und Frankfurt-Rhein-Main, Warnstreiks stattfinden, musste kurzfristig umdisponiert werden. Statt abzuheben, bewahrte die Eintracht Bodenhaftung und fuhr am frühen Dienstagmorgen mit dem Zug nach Hause. Bodenhaftung – das muss nicht der schlechteste Ratgeber im hoffnungsvollen Kampf um den Aufstieg sein. „Heute“, sagte Eintracht-Kapitän Schwegler, „das war ein großer Schritt. Wir haben im Spiel gezeigt, das wir nach oben wollen.“ Die Fans jedenfalls sind davon überzeugt, dass die Mannschaft das schafft. Sie riefen: „Nie mehr zweite Liga.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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