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Frankfurts Sturm

Mehr Power in der Box

Von Peter Heß, Frankfurt
 - 17:55
Zwölf Pflichtspiele, drei Tore – auch bei André Silva läuft es nicht rund.

Sie sind selten geworden wegen des eng getakteten Spielplans der Frankfurter Eintracht – die Trainingseinheiten, in denen es um mehr geht als um Regeneration, Bewegungstherapie und die Bewahrung der allgemeinen Physis. Am Montag war es aber wieder einmal so weit. Vor dem 28. Saisonspiel an diesem Donnerstag gegen Vitoria Guimarães verwendete Eintracht-Trainer Adi Hütter fast eine Stunde darauf, seinen Spielern nahezubringen, wie Angriffe aufzuziehen sind. „Wir müssen variabler werden, wir müssen beginnen, durch die Mitte zu spielen“, hatte der 49 Jahre alte Österreicher nach dem 2:2 im Heimspiel gegen die Berliner Hertha am Freitag erkannt. Auch gegen einen der bisher schwächsten Bundesligagegner in dieser Saison, war es seiner Mannschaft nicht gelungen, durch präzise Zuspiele in den Strafraum für Druck zu sorgen, sondern lediglich durch mehr oder weniger präzise Flanken.

Um es der Offensive etwas leichter zu machen, Räume zu erkennen und Ideen für Kombinationen zu entwickeln, verteilte Hütter die 15 Feldspieler, die am Montagmittag am Teamtraining teilnahmen, im Verhältnis 9:6. Neun griffen an, sechs verteidigten. So eine günstige Konstellation wird in der Spielpraxis kaum vorkommen, doch Hütter ging es nicht um Realitätsnähe, sondern um etwas anderes: „Wenn man Probleme hat, dann sollte man beim Einfachen anfangen. Die Spieler sollten Selbstvertrauen tanken“, sagte Hütter.

„Er macht sich selbst das Leben schwer“

Am Anfang taten sich die Angreifer dennoch schwer. Immer wieder unterbrach der Cheftrainer das Geschehen, korrigierte Positionen, in denen er Spieler hin und her schob, beschrieb die richtigen Laufwege, in dem er sich selbst den Ball schnappte. Rechtsverteidiger Almamy Touré bekam einen herben Rüffel ab, nachdem er sich den dritten Fehlpass geleistet hatte. „Mensch, konzentrier dich.“ Der Anpfiff wirkte, der Franzose brachte danach den Ball in aller Regel zum Mitspieler. „Irgendwann muss man halt was sagen, und am besten macht man das auf dem Platz“, erläuterte Hütter nach der Einheit. Tourés Aussetzer-Quote ist dem Trainer generell etwas zu hoch. „Touré ist ein guter Spieler, aber diese Unkonzentriertheiten zeigt er leider auch im Spiel. Er macht sich das Leben selbst schwer.“

Im Laufe der Übung liefen die Angriffe dann immer runder. Was vor allem den Laufwegen auf dem rechten Flügel von Danny da Costa und im Sturmzentrum von Gonçalo Paciência und André Silva geschuldet war. „Wir haben gegen Berlin ein sehr ordentliches Spiel geliefert, aber mir hat nicht gefallen, wie wir im letzten Drittel des Spielfelds agiert haben. In letzter Konsequenz haben wir zu wenig vorne rein gespielt, und die Bewegung in der Box war auch nicht gut.“ Die Stürmer Silva und Paciência würden zu häufig die gleiche Position einnehmen. So sei es für die Verteidigung ganz angenehm. „Es muss im Strafraum etwas passieren“, forderte Hütter und schilderte die Szene in der Auseinandersetzung mit der Hertha, in der das beispielhaft umgesetzt wurde. „Vor Kamadas Tor, (das wegen eines vorangegangenen Foulspiels von Kostic aberkannt wurde, d. Red.) hat Paciência sich erst den Raum aufgelassen, ist dann im Sprint vor den Verteidiger, hat ihn so irritiert und dann den Ball zu Kamada durchgelassen.“

Scharf geschossen, nicht gechippt

Aber viel häufiger warteten die Stürmer nur auf die hohen Flanken von da Costa und vor allem von Filip Kostic, eng beieinander, ziemlich zentral. Lieber ist es Hütter, wenn der Ball nicht in den Strafraum gechippt wird, sondern scharf und flach knapp vor das Tor geschlagen. Und dann sollten beide Pfosten von einem Eintracht-Stürmer besetzt sein und nicht der Elfmeterpunkt doppelt. Dass die Flanken zudem einer gewisse Streuung unterliegen, verzeiht Hütter: „Flanken ist mit das Schwierigste im Fußball.“ Aber gerade deshalb will der Österreicher, dass zur Abwechslung durch die Mitte gespielt wird.

Immerhin entwickelt die Eintracht Torgefährlichkeit nach Ecken. Sechs Treffer nach dieser Spielsituation sind Liga-Bestwert. Lob mag der Coach dafür nicht hören, er rechnet diese Ausbeute nicht seiner Trainer-Kunst zu: „Ich habe in meiner Karriere schon alles erlebt. Mal trainierten wir Standards und nichts ist passiert. Dann lässt man das im Training komplett weg und es funktioniert.“ Worauf er Wert legt: „Die Laufwege sollten passen. Andererseits, was nutzt das, wenn die Flanken nicht gut kommen?“ Im Moment passt alles, vor allem wenn Martin Hinteregger bei Standards ins Spiel kommt. Der Verteidiger hat seit Ende Oktober fünf Pflichtspieltore erzielt, davon vier mit dem Kopf. „Martin hat das Gespür und das Gefühl, dass er immer da ist“, lobte Hütter. Aber er mag sich nicht nur auf seinen Landsmann nach Standardsituationen verlassen: „Wir brauchen Lösungen.“

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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