Eintracht-Profis im Fokus

Alle reisen – außer Silva

Von Peter Heß
Aktualisiert am 11.11.2020
 - 13:37
Tempo aufnehmen in Serbien: Nach längerer Pause kann Filip Kostic wieder einer laufenden Tätigkeit nachkommen.
Die Eintracht lässt ihre Spieler trotz der Pandemie zu den Länderspielen ziehen. Aymen Barkok steht ein „Abenteuer“ bevor, Filip Kostic will in Belgrad in Form kommen. Und die anderen?

Trainer Adi Hütter hatte angekündigt, genau abzuwägen, ob die Profis der Frankfurter Eintracht in der Länderspielpause der Bundesliga zu ihren Nationalmannschaften reisen dürfen. Dass er es nicht für die beste Idee hält, in diesen Corona-Zeiten Fußballspieler quer durch die Welt jetten zu lassen, hatte er schon vor Wochen klargestellt. Aber wie damals auch durften sich dann doch alle Frankfurter am Sonntag auf den Weg in ihre Heimatländer machen, sofern sie eingeladen waren. Neun Spieler waren es, überraschenderweise gehörte André Silva nicht dazu. Der Torjäger der Eintracht, in dieser Saison fünfmal in sieben Begegnungen erfolgreich, erhielt keinen Marschbefehl aus Portugal. Was ihn nicht erfreute.

Denn die meisten Nationalspieler nehmen für ihr berufliches Weiterkommen gern die Beschwernisse der Reisen in Kauf und sogar die Risiken, mit denen sie während der Pandemie verbunden sind. Auch Filip Kostic kam gern der Aufforderung seines serbischen Verbandes nach, an den Spielen gegen Schottland, Ungarn und Russland teilzunehmen, obwohl er seine Verletzungspause gerade erst hinter sich gebracht hat und beim VfB Stuttgart ein nur fünfminütiges Comeback gab.

Der Linksaußen hält sich gern in Belgrad auf, vor allem weil dort ein Vertrauter von ihm lebt, sein persönlicher Fitnesstrainer. Selbst unmittelbar nach seiner gegen Hertha erlittenen Knieverletzung, einem Teilanriss des Innenbandes, flog er zum Nationalteam und stellte sich dort vor. Dem Nationaltrainer und seinem persönlichen Fitnesscoach, der ihm zu seinem außergewöhnlich athletischen Körper verholfen hat. „Die Maschine“, lautet Kostics Spitzname.

Abstellungspflicht besteht

Trainer Adi Hütter hätte nichts dagegen gehabt, wenn er den 28 Jahre alten Linksaußen zu Hause auf das nächste Bundesligaspiel gegen Leipzig vorbereitet hätte. Aber dem Wunsch des Spielers zu widersprechen hätte nicht viel Sinn gemacht, zudem eine Abstellungspflicht besteht. Nur wenn das Frankfurter Gesundheitsamt von Kostic verlangt hätte, nach seiner Rückkehr erst einmal in Quarantäne zu gehen, hätte die Möglichkeit für die Eintracht bestanden, die Freigabe zu verweigern.

Aber die Behörde verlangte von keinem der neun Eintracht-Profis eine Quarantänezeit. Sportdirektor Bruno Hübner erklärt: „Wir haben vom Gesundheitsamt die Bestätigung bekommen, dass die Abstellungen in Ordnung gehen. Es gibt eine Klausel, der zufolge Spieler, wenn sie zurückkehren und negativ getestet sind, zur Mannschaft stoßen dürfen. Das ist auch juristisch geklärt und somit doppelt abgesichert, weshalb wir die Spieler zu ihren Nationalteams reisen lassen. Auch das Hygienekonzept ist mit den betreffenden Ländern abgeklärt und genauso gut wie bei uns in Deutschland.“ Bleibt zu hoffen, dass die Konzepte auch so konsequent umgesetzt werden.

Kostics Abwesenheit muss sich gar nicht negativ auf seine Formentwicklung auswirken. In den Länderspielen kann er sicher besser Spielpraxis gewinnen als im Eintracht-Test gegen den 1. FC Nürnberg an diesem Donnerstag. Und dass ihn die Serben verheizen, muss die Eintracht kaum befürchten, sie sind ja von Anfang an in dessen Rehabilitation eingebunden gewesen.

Trapp im DFB-Tor

Spielpraxis wird auch Kevin Trapp bei der deutschen Nationalmannschaft erhalten. Bundestrainer Joachim Löw kündigte am Dienstag an, dass der 30-Jährige im Testspiel gegen Tschechien an diesem Mittwoch sein fünftes Länderspiel bestreiten werde. In den Begegnungen, in denen es um ein bisschen was geht, in der Nations League gegen Spanien und die Ukraine, wird die deutsche Nummer eins, Manuel Neuer, aber wieder zwischen den Pfosten stehen.

Zu den Stammspielern zählen in Österreich Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker. Der Innenverteidiger und der defensive Mittelfeldspieler werden im Test gegen Luxemburg wahrscheinlich noch geschont werden, bevor es gegen Nordirland und Norwegen in der Nations League ernst wird. Belastungssteuerung ist überall das Stichwort. Djibril Sow und Steven Zuber stehen mit der Schweiz vor durchweg schweren Aufgaben. Testgegner Belgien folgen in der Nations-League-Gruppe Spanien und die Ukraine. Die Begegnungen mit Deutschland haben die Eidgenossen schon mit viel Anstand hinter sich gebracht. 1:1 und 3:3 endeten die Auseinandersetzungen.

Die beschwerlichste Fahrt hat der Newcomer des Jahres, Aymen Barkok, angetreten. Mit Marokko trifft er in der WM-Qualifikation zweimal auf die Zentralafrikanische Republik. Zuerst im Heimspiel in Casablanca, dann in Douala. „Ein Abenteuer“, sagte Barkok in der vergangenen Woche. Damit meinte er nur das Auswärtsspiel. „Wir haben in Casablanca beste Bedingungen.“ Ein erhöhtes Corona-Risiko in der Heimat schloss er aus.

Im Gegensatz zu ihm hat Daichi Kamada eine bequeme An- und Abreise. Der Mittelfeldspieler misst sich mit Japan gegen Panama und Mexiko – in Graz, wo sein Nationalteam einen Lehrgang abhält. Und auch Torwart Markus Schubert spielt mit der Junioren-Nationalmannschaft zweimal am selben Ort – in Braunschweig gegen Slowenien und Wales. Die Nationalspieler werden am 17. und 18. November wieder in Frankfurt zurückerwartet. Bleibt die Frage: wie viele mit einem positiven Corona-Test?

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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