Gladbach-Torwart Yann Sommer

Ein beunruhigend ruhiger „Elfmeter-Killer“

Von Roland Zorn, Mönchengladbach
16.01.2022
, 16:50
Yann Sommer pariert zwei Strafstöße, Gladbach verliert trotzdem gegen Leverkusen.
Dass Yann Sommer zum „Elfmeter-Killer“ wird, hätte in Mönchengladbach kaum einer gedacht. Inzwischen ist er aber auch in dieser Disziplin ein Großer. Sein Rezept dabei soll auch der Schütze spüren.
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Es hätte sein Feiertag werden können. Doch seine Glanztaten reichten am Ende nicht, seiner Mannschaft zum Sieg zu verhelfen. Und so stand Yann Sommer am Samstagabend als trauriger Held von Borussia Mönchengladbach da, obwohl er im Duell mit Bayer 04 Leverkusen gleich zwei Strafstöße pariert hatte. Wie gewonnen, so zerronnen – so erging es der „Fohlenelf“, die eine Woche zuvor noch 2:1 beim Meister und Bundesliga-Primus Bayern München gewonnen und diesmal 1:2 gegen den Ligadritten verloren hatte.

Bundesliga

Eine Niederlage, die nicht einmal der schweizerische Tausendsassa ob der Aufmerksamkeitsdefizite in der Gladbacher Verteidigungszone verhindern konnte. Weil die Kollegen ihre Freude über Sommers ersten Elfmeterstreich bei Schicks Schuss aufs linke Eck nach Friedrichs Minifoul an Bellarabi eine Spur zu lang auskosteten, war nach dem Rettungsflug des Goalies niemand beim Leverkusener Andrich. Der nutzte die Verwirrung der Gladbacher nach dem folgenden Eckstoß ungestört zum 1:0 für sein Team.

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Als Schick nach einem weiteren Zuordnungsfehler im Abwehrverbund der Borussia per Kopf sein 18. Saisontor nach einem Freistoß erzielte (74.), blieb allein Sommer trotz des inzwischen deutlichen Rückstands hundertprozentig fokussiert und war ein zweites Mal als Retter in der Not zur Stelle, als er Demirbays Elfmeter nach Beyers Fehltritt gegen Wirtz mit seinem Flug ins linke Toreck auch noch parierte (87.).

Da stand es nach Elvedis Treffer (81.) schon 1:2, doch die letzte Anschubhilfe ihres fabelhaften Torhüters beflügelte die Borussen nicht mehr nachhaltig. Und so sagte Sommer beim Blick auf Rang zwölf, den die Mönchengladbacher nach 19 Spieltagen nahe der Abstiegszone einnehmen: „Wir sind da, wo wir stehen – und das zu Recht.“

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„Mentale Stärke als wichtigste Qualität“

Ein bisschen mehr von Yann Sommers zielstrebiger Arbeitsmentalität hätte seinen Kollegen gut zu Gesicht gestanden. Die mühten sich zwar nach Kräften ab, wirkten aber vor dem eigenen wie des Gegners Tor allzu verkrampft, um bessere Lösungen zu finden als am Samstagabend im Borussia-Park. Dass der 2014 vom FC Basel nach Mönchengladbach gekommene, nur 1,83 Meter lange Sommer inzwischen neben all seinen anderen Qualitäten – Nervenstärke, Antizipation, innere wie äußere Ruhe – nun auch als „Elfmeter-Killer“ gilt, hätte nach der vorigen Saison niemand geglaubt.

Bis dahin hatte Sommer von 55 Strafstößen gegen die Borussia erst vier pariert – den ersten im Februar 2017, als er in Frankfurt den Elfmeter des Mexikaners Marco Fabio zu seiner Chefsache machte. Spätestens aber seit Sommer im Achtelfinale der Europameisterschaft dieses Jahres das entscheidende Elfmeterschießen im Zweikampf mit dem französischen Superstar Mbappé für sich entschied und damit der Schweiz zum ersten Viertelfinaleinzug bei einem großen Turnier seit 67 Jahren verhalf, ist dieser außergewöhnliche Schlussmann auch in dieser Teildisziplin ein Großer seines Sports.

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Patrick Foletti, sein Torwarttrainer in der „Nati“, sagt über die Nummer eins in der Schweiz und bei Borussia Mönchengladbach: „Die wichtigste Qualität von Yann ist die mentale Stärke, jeden dritten Tag auf höchstem Niveau spielen zu können. Mit diesem Druck umgehen zu können, beherrscht er wirklich wie kein anderer.“ Das bekam 2020 in der Nations League auch der spanische Elfmeterkönig Sergio Ramos zu spüren, der in Basel gleich zweimal an Sommers Flugkünsten verzweifelte.

Das Sommer-Kunststück, gleich zwei Elfmeter in einem Spiel abzuwehren, gelang in der Bundesliga zuletzt dem damaligen Nürnberger Keeper Raphael Schäfer im Februar 2014, als er die Schüsse von Kumbela und Bicakcic im Spiel gegen Eintracht Braunschweig blockte. Diesmal zeigte sich Sommer zweimal bestens präpariert, zumal er bei seinen Recherchen über den Schützen Demirbay herausgefunden hatte, dass der es bei seinen Elfmetern bevorzugt auf die rechte untere Ecke abgesehen hat.

„Ich probiere, beim Penalty Ruhe auszustrahlen, dafür zu sorgen, dass sich der Gegner nicht gut fühlt“, hat der Gladbacher Keeper einmal seine Psycho-Strategie beschrieben. Sie geht seit diesem Jahr so überzeugend auf, dass Fans von Borussia Mönchengladbach in einem Social-Media-Forum beim Blick auf den 2023 auslaufenden Kontrakt des famosen Schlussmanns ihren Klub dazu aufforderten, demnächst einen „lebenslangen Vertrag“ mit Yann Sommer abzuschließen.

Quelle: F.A.Z.
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